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Der "Ring des Nibelungen" wird in Dessau gezeigt.
Ring des Anstoßes
"Der Ring des Nibelungen" in Halle und Dessau
30 Minuten Autofahrt liegen zwischen Halle und Dessau, keine Entfernung für Opernfans. Und doch wagen sich die Theater in beiden Städten fast zeitgleich an den "Ring des Nibelungen" - eine der teuersten Produktionen überhaupt.
Im Anhaltischen Theater Dessau ist Richard Wagners "Ring des Nibelungen" futuristisch, angelehnt an den Bauhausstil, sehr formal und präzise im Detail. Am 12. Mai 2012 ist Premiere, doch diese sorgte schon im Vorfeld für Diskussionen. Denn auch an der benachbarten Oper Halle wird zurzeit der "Ring des Nibelungen" in eigener Inszenierung aufgeführt. Kurz: Beide Häuser zeigen parallel ihre Interpretationen aller vier Teile des aufwändigen Wagnerwerks. Und das, ohne aufeinander Bezug zu nehmen, geschweige denn zusammenzuarbeiten.

Teures Monumentalwerk
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So sieht ein Teil des "Ring"-Zyklus in Halle aus.
Das Hallesche Publikum ist gespalten. "Immer Wagner zu machen, ist spannend, aber es ist eine politische und kulturpolitische Frage: Verträgt Sachsen-Anhalt zwei 'Ringe'?", fragt die Zuschauerin Manuela Schreiber. Er halte das für eine falsche Diskussion, sagt Opernbesucher Bodo Bastian. Wenn beide Orte erfolgreich seien, dann solle es recht sein. 26 Jahre hat Wagner an dem Opernzyklus gearbeitet. Entstanden ist ein Monumentalwerk, die Produktion gehört zu den teuersten überhaupt.

In Zeiten knapper Kassen sorgt das im Kultusministerium für große Aufregung. Offiziell formuliert Stephan Dorgerloh, Kultusminister von Sachsen-Anhalt, vorsichtig. Dem Vorwurf, die Kunstfreiheit zu beschneiden, will er sich nicht aussetzen. "Wenn es so ein ressourcenhungriges Stück ist wie der 'Ring', tut man gut daran, sich in einem Land in solch einer überschaubaren Kulturlandschaft abzustimmen", sagt er. Sein Argument klingt einleuchtend, aber es rührt an ein Tabu. Die Intendanten weisen es empört zurück. "Ich halte das tatsächlich für ein vorgeschobenes Argument, weil das Land auch Probleme mit dem Haushalt und mit der Finanzierung der Kultur hat und wenn man sich dann auf so ein Argument setzen kann, ist das natürlich ganz praktisch."

Mitarbeiter verzichten bereits auf Teil des Gehalts
In Wahrheit gehe es bei solcher Kritik doch nur um den Versuch, die Theater weiter zu beschneiden. Die schwierige Haushaltslage wirkt sich längst spürbar auf die Häuser aus. In Dessau zum Beispiel verzichten die Mitarbeiter auf 16 Prozent ihres tariflich festgelegten Gehalts. Auch die "Götterdämmerung" ist mit Mitteln der Kommune und des Landes allein nicht zu finanzieren, private Sponsoren wurden gesucht und gefunden. Das ist nur scheinbar eine Lösung, kontert das Ministerium, denn die Geldgeber bleiben überschaubar.

"Das wird natürlich auch unter den Kulturschaffenden diskutiert, ganz klar, weil es auch Ressourcen über die Theaterverträge hinaus bindet", sagt Kultusminister Dorgerloh. "Da werden Förderanträge bei Lotto Toto gestellt, bei den Sparkassen, bei anderen Versicherungen und so weiter. Und das fehlt dann natürlich bei anderen Projekten." Zu viel Kultur, da sind sich alle Kulturschaffenden und Kulturpolitiker des Bundeslandes einig, kann Sachsen-Anhalt gar nicht haben. Nur warum muss es denn die gleiche Oper sein? Und gleichzeitig? "Das ist für ein Publikum ganz, ganz toll: Eine Region wird zu einer Kulturregion, wenn zwei solche Angebote da sind", sagt Hansgünther Heyme, Regisseur von "Siegfried" an der Oper Halle.

Warum parallel, nebeneinander?
Gut, zumal mit den Themen, die Wagner setzt: Der freie Held und wie dieser die Welt zu einer besseren machen kann. Doch warum parallel, nebeneinander her, ohne sich gegenseitig zu inspirieren oder abzugrenzen, warum nicht gemeinsam? "Das sind zwei unterschiedliche Dinge", sagt André Bücker, Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau. "Nur aus rein räumlicher Nähe, da eine Kooperation herleiten zu können oder zu wollen, das macht keinen Sinn." Hansgünther Heyme ergänzt: "Wenn ich ein Bild male, male ich ein Bild, ein anderer malt ein anderes Bild und dann gibt es Gott sei Dank zwei Bilder."

Für Wagner war der wahrhaft Freie der, der das Notwendige bewusst vollbringt. Wenn es notwendig ist, auf so engem Raum, in finanziell schwierigen Zeiten für eine überschaubare Zielgruppe zweimal den Ring aufzuführen, warum dann nicht also bewusst? Warum nicht nach außen hin gemeinsam auftreten? "Wie soll man jetzt dafür werben?", fragt Hansgünther Heyme. "Publikum, das sich interessiert, liest das, weiß das und kommt dann auch von da nach da.“ Richtig, aber muss es nicht auch Ziel der Kultur sein, die zu erreichen, die noch gar nicht wussten, dass sie sich dafür interessieren? Der Kultusminister will jetzt alle an einen Tisch holen. "Ich werde die Intendanten jetzt einladen, dass wir hier einmal überlegen, wie Abstimmung funktionieren kann, wie man sich da tatsächlich besser im Austausch bewegen kann ", sagt Stephan Dorgerloh.

Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt. Denn Treffen dieser Art gibt es schon seit Jahren. Eines scheint sich aber abzuzeichnen: Wenn sich die Intendanten nicht aufeinander zubewegen, fehlt bald mehr als nur Geld für einzelne Inszenierungen - dann stoppt die Schuldenbremse vielleicht ganze Theater.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Oper
"Der Ring des Nibelungen"
Anhaltisches Theater Dessau
ab 12.05.2012
Oper
"Der Ring des Nibelungen"
Oper Halle
"Die Walküre"
ab 05.03.2013
Schwerpunkt
© prKulturinfarkt
Autoren-Thesen mischen Kulturbetrieb auf