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20. Juni 2013
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Cécile Schortmann
Bei Cécile Schortmann lässt gute Kunst alle Sinne vibrieren. Aber auch tolle Musik berührt unsere Moderato-
rin. Und wenn ihr der Beruf zu stressig wird, entspannt sie sich bei Yoga.
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Tadaa!: Beth Jeans Houghton hat einen ihrer Songs für uns gemalt.
Die Farben des Indie-Pop
Beth Jeans Houghtons synästhetische Musik
Für die Musikkritik ist sie das neue Fräuleinwunder des Indie-Pops: die Sängerin Beth Jeans Houghton aus Newcastle. Gerade hat sie mit ihrer Band The Hooves of Destiny ihr erstes Album veröffentlicht und ist nun auf Tour. Houghton ist Synästhetikerin und Klangfarben haben für sie eine ganz besondere Bedeutung.
Synästhesie bedeutet "Zusammen-Empfinden": Sinnesreize werden automatisch und unkontrollierbar verschmolzen. Der Klang von Musik aktiviert in Beths Gehirn Regionen für das Farben-Sehen. Auch Zahlen und Buchstaben sind für sie bunt. "Wenn ich als Kind Bilder gemalt habe, habe ich sie nicht bunt ausgemalt, sondern mit schwarzem Stift kleine Zahlen und Buchstaben reingeschrieben", erinnert sie sich. "Einmal habe ich eine Palme gemalt. Den Stamm habe ich mit den Buchstaben M, R und V gefüllt, die sind braun. Und in die Blätter kamen Es, Js, Gs, Zweien und Siebenen für Grün.“

Für uns malt Beth Jeans Houghton zum ersten Mal einen ihrer Songs. Sie malt, was sie hört: einen Farbenteppich aus Melodie und Rhythmus. Die 22-jährige Sängerin ist ein Paradiesvogel - extravagant und immer im Wandel. Musik ist für sie mehrdimensional: Sie hört und sieht sie gleichzeitig - farbig und in Mustern. Houghton ist Synästhetikerin. "Hast du schon einmal gesehen, wie es aussieht, wenn man Musik mit dem Computer aufnimmt?", sagt sie. "Es ist eine Mischung aus Formen und Farben, aber nicht immer die gleichen."

Die Band passt in keine Schublade
Houghtons Assoziationskraft zeigt sich auch in ihrer Musik: Die Band passt in keine Schublade. Kaleidoskopartig spielt sie mit Folkpop- und Country, mit Streichern und Bläsern. Der kopfstimmige Gesang fügt das zu einem ungewöhnliche Klangerlebnis. Für Houghton ist dieser Einfallsreichtum aber keine Folge ihrer Synästhesie. "Ich merke ja kaum, dass es da ist", sagt sie. "Wie eine Zahnspange, die ich schon so lange habe, dass ich gar nicht mehr daran denke." An ihrer besonderen Wahrnehmung liegt es also nicht, dass live nicht immer jeder Ton sitzt. Stimmlich experimentiert Beth und stößt dabei auch an ihre Grenzen. Synästhesie lässt sich nie abschalten.

"Ich habe Probleme, Bücher zu lesen, meine Aufmerksamkeit zu fokussieren", sagt sie. "Es ist so ähnlich wie mit Legasthenie, du siehst Buchstaben falsch herum." Und doch: Wenn Beth von ihrem Farben-Sehen spricht, klingt es, als hätte sie einen sechsten Sinn, der den meisten von uns fehlt. Und klammheimlich beneiden wir die kunterbunte Welt der Beth Jeans Houghton.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Mediathek
VideoInterview mit Beth Jeans Houghton
geführt von Rebecca Hack (11.05.2012)
Mediathek
VideoVideo zum Song "Sweet Tooth Bird"
CD
Beth Jeans Houghton
"Yours Truly,Cellophane Nose"
Mute - Aip (Goodtogo) 2012