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Moderation
Video-Porträt
Cécile Schortmann
Bei Cécile Schortmann lässt gute Kunst alle Sinne vibrieren. Aber auch tolle Musik berührt unsere Moderato-
rin. Und wenn ihr der Beruf zu stressig wird, entspannt sie sich bei Yoga.
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© Movimentos Cloud Gate Lupe
Das Cloud Gate Dance Theatre zeigt die Choreografie "Stains On The Wall".
Zwischen Himmel und Erde
Das Cloud Gate Dance Theatre aus Taiwan
Lin Hwai-Min, ein Philosoph und Dichter unter den Choreografen, gastiert mit seinem Cloud Gate Dance Theatre beim Movimentos-Festival 2012 in Wolfsburg und beim Tanzsommer in Innsbruck. Der taiwanesische Künstler genießt in seiner Heimat größte Verehrung als Autor und Pädagoge. Alte Traditionen, fernöstlicher Kampfsport, Mythologie und Kalligrafie fließen in seine Arbeiten ein. Das verknüpft er mit Tanzelementen der US-Tanzreformerin Martha Graham zu seiner eigenen, einzigartigen Bewegungs-Sprache.
Bei Cloud Gate wird die 3000 Jahre alte chinesische Kunst der Kalligrafie ein zeitgenössisches Tanzgemälde. "Kalligrafie ist, kurz gesagt, die Seele der chinesischen Kultur", sagt Lin Hwai-Min. "Für mich sind diese Meisterwerke der Schreibkunst fast wie ein Stück einer Symphonie." Mit dem Pinsel tanzen und mit dem Tanz malen - die Tänzer folgen in ihren Bewegungen dem Atemfluss alter kalligrafischer Meisterwerke. Avantgardistische Bewegungs-Sprache wird zur grandiosen Studie über Dynamik und Ablauf der Zeit.

"Das Theater ist ein Tempel"
© Tanzsommer Cloud Gate Lupe
Lin Hwai-Min verbindet östliche und westliche Ästhetik.
Lin Hwai-Min war bereits ein bekannter Autor, als er 1973 die erste asiatische Dance-Company gründete. Er verbindet auf einzigartige Weise östliche und westliche Ästhetik. "Das Theater ist ein Tempel", sagt er, und "die Bühne ist meine Kirche". "Im westlichen Denken wachsen Tänzer wie gotische Kathedralen nach oben", so der Choreograf. "Es zählt äußere Schönheit. Unsere Schönheit ist im Verborgenen und breitet sich im Inneren aus. Deshalb haben wir begonnen, unsere traditionellen Unterrichtsfächer zu lernen. Das ist der Nährstoff für unseren Körper."

Das Tanz-Vokabular des taiwanesichen Cloud Gate Ensembles zeichnen konzentrierte Stille, poetisch-schöne Bilder und beständig fließende Bewegungen zwischen Meditation, modernem Tanz und Kampfsport-Arten aus. "Entschleunigung" ist das wichtigste Wort in Lins Tanz-Sprache. Selbst das schweißtreibende Training in einer Halle am Stadtrand von Taipeh ist eine Entspannungs-Offensive. Das ist auch für Tänzer im Vergleich zu ihrer herkömmlichen Ausbildung ungewöhnlich. "In der Ballettschule hatte ich den Eindruck", so die Tänzerin Si I-Ping, "wir lernten zuerst Englisch, dann Chinesisch - sprich: Ballett-Vokabular war wichtiger, als unsere traditionellen Fächer. Erst seit ich hier trainiere, habe ich gemerkt, dass es auch eine andere Welt gibt und dass Meditation, Tai-Chi oder Kung-Fu Teil unserer Muttersprache sein sollten."

Kulturelle Identität
Lin vermittelt seinen Landsleuten das Gefühl einer kulturellen Identität mit Stücken wie "Legacy", das die Kolonialisierung der Insel Formosa durch chinesische Einwanderer schildert, "Nine Songs", in dem 1993 erstmals die Gräueltaten des Tchiang Kai-Chek-Regimes an der taiwanesichen Bevölkerung in den 1940er Jahren thematisiert wurden, oder in "Portraits Of The Families", das in Tänzen die japanische Besetzung der Insel aufarbeitet. "Zur selben Zeit, als ich diese Stücke erarbeitete, hat sich Taiwan aufgemacht, um nachzuforschen und zu verstehen, wer wir sind", so Lin. "Und ich war an dieser Selbstfindung beteiligt."

Das Cloud Gate Dance Theatre ist eine nationale Institution. Lin Hwai-Min genießt in Taiwan größte Verehrung und unvorstellbare Popularität. Die internationale Tanzwelt bewundert ihn für seine Choreografien. Taiwan, von Globetrottern gern als "China light" bezeichnet, ist halb so groß wie Österreich und hat drei Mal soviel Einwohner. Das Land empfängt Besucher mit einem eigenen Rhythmus aus Chaos und Regelwerk, Tempo und Behaglichkeit. Bedingungslose Moderne und uralte Tradition fügen sich zu einem faszinierendem Ganzen.

Tanz wie Kalligrafie
Taipeh brodelt, künstlerisch, wirtschaftlich und ganz buchstäblich in den Garküchen auf den Nachtmärkten. Am Stadtrand der Millionen-Metropole lebt Lin, der von der westlichen Theater-Moderne genauso geprägt ist, wie von östlicher Spiritualität. Direkt vor seinem Fenster fließt der breite neblig-blaue Tanshui-Fluss. "Seit ich hier eingezogen bin, hat sich meine Arbeit komplett verändert", sagt er. "Der Fluss macht mich ruhiger und langsamer." "Water Stains On The Wall" hat beim Movimentos-Festival in Wolfsburg Europa-Premiere. Es ist nach der "Cursive"-Trilogie Lins neueste Auseinandersetzung mit Kalligrafie. Wie Tinte auf einem Reispapier verläuft, fließen und gleiten die Tänzer über die Bühne.

© Movimentos Cloud Gate Lupe
"Water Stains On The Wall" wird in Wolfsburg aufegführt.
"Natürlich gibt es körperliche Grenzen", sagt Lee Ching-Chun, stellvertretende Künstlerische Leiterin des Cloud Gate, "aber wer in der Lage ist, geistig über sich hinauszuwachsen, braucht wenig, um viel auszusagen." "Songs Of The Wanderers" ist ein Stück über die Askese, die Sanftheit des Flusses und die Suche nach Stille. Die Geschichte ist enfernt an Hermann Hesses "Siddharta" angelehnt. Dreieinhalb Tonnen Reis bilden eine immer wieder wechselnde Landschaft. Zu dunklen Klängen gregorianischer Gesänge gesellen sich Elemente aus Peking-Oper, Tai-Chi und buddhistischer Meditation.

"Erst nach der Choreografie habe ich die richtige Musik gefunden und eingefügt", sagt Lin. "Jede Sequenz hat gepasst, als wäre sie extra dafür geschrieben worden. Dieses Stück ist wie ein Geschenk von Buddha." Nach chinesischer Weltsicht verläuft alles Leben in Zyklen und Kreisen. Lin Hwai-Min, der Buddhist, würde sagen: "Die Spirale bekommt ihre Kraft aus der Erde, deswegen versiegt sie nicht."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Tanz
© Tanzsommer Cloude GateLupe"Cloud Gate Dance Theatre Of Taiwan"
"Stains On The Wall"
Movimentos, Wolfsburg
10., 11., 12. und 13.05.2012

"Songs Of The Wanderers"
Tanzsommer Innsbruck
23. und 24.06.2012