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© dpa Lupe
Wuchtbrumme des Indie-Pop: Beth Ditto
Macht der Melancholie
Beth Ditto und ihre Band Gossip
Sie nennt sich selbst stolz "die fette Lesbe aus Arkansas" und erobert Welten, die eigentlich nur dünnen Mädchen vorbehalten sind: Beth Ditto, Wuchtbrumme und Frontfrau der Band Gossip, posiert nackt auf Covern, ist Muse von Karl Lagerfeld, läuft Modenschauen für Jean Paul Gaultier - und macht natürlich Musik. Am 11. Mai erscheint das neue Gossip-Album "A Joyful Noise". Wir haben die Band getroffen.
"Ich habe unglaubliches Glück, so etwas erlebt zu haben", sagt sie, "und unglaubliches Glück, in meinem Leben genau das machen zu können, was und wie ich es will. Und es geht weiter. Ich entwickle mich kreativ hin zu etwas Neuem. Ich kann mich wirklich überhaupt nicht beschweren." Die neue Beth Ditto zeigt weniger Haut, ist spirituell und emotional. Im Album "A Joyful Noise" geht es um große Gefühle, das Ringen um Intimität in Beziehungen. Das ganze Album stehe vor allem für das Gefühl Traurigkeit, so Beth Ditto.

2007 ist noch Rebellion angesagt. Beth Ditto sucht den Vollkontakt zum Publikum. Gossip stammen aus der feministischen US-Indierockszene. Gossips erster großer Song "Standing In The Way Of Control" wird zur schwul-lesbischen Hymne gegen die Politik von George Bush. Den aktuellen US-Wahlkampf der Republikaner mit erzkonservativen Werten hat die Band aufmerksam verfolgt. "Es ist eine Schande", so Ditto, "dass wir immer noch beweisen müssen, dass wir Bürger sind wie alle, die arbeiten, leben, lieben und dass wir immer noch wie extrem Perverse angeschaut werden und wie Outcasts, die nicht die gleichen Rechte verdienen wie die anderen Menschen."

Vom White-Trash-Trailerpark zur Stil-Ikone
© reuters Lupe
Beth Ditto sitzt heute in der ersten Reihe der großen Modenschauen.
"Mir kommt es vor, als wenn sich alles gerade 40 Jahre zurück entwickelt", sagt Hannah Blilie, Schlagzeugerin von Gossip. "Es ist wichtig, jetzt aufmerksam zu sein, bevor all die Rechte, für die Frauen in den 1970ern gekämpft haben - Abtreibung, Verhütung - wieder abgeschafft werden." Seit dem ersten Album ist für Beth Ditto viel passiert. Das Kind aus einem White-Trash-Trailerpark ist zur Stil-Ikone geworden und Gegenstand feministischer Gender-Debatten. Und sie hat die 30 Jahre überschritten.

"Man begreift gar nicht, was los ist, bevor man älter ist", sagt Ditto. "Die 30 ist das Beste, was mir bisher passiert ist. Ich liebe es. Ich bin jetzt viel authentischer, so wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Ich verstehe jetzt sehr gut, was 30-Jährige mir sagen wollten, als ich 20 war, so nach dem Motto: Warte es mal ab. Ich dachte dann immer: Jaja. Aber jetzt verstehe ich das total." Auf ihrem neuen Album erkennt man den vor Energie strotzenden Sound von Gossip wieder. Aber insgesamt ist die Musik auch poppiger, glatter geworden und eben melancholischer. Aber das passt ganz wunderbar zu Beth Dittos Stimme.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Mediathek
© Rankin SonyVideoInterview mit der Band Gossip
geführt von Sönje Storm
CD
Gossip
"A Joyful Noise"
Smi Col (Sony Music)
VÖ: 11.05.2012
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