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Moderation
Video-Porträt
Cécile Schortmann
Bei Cécile Schortmann lässt gute Kunst alle Sinne vibrieren. Aber auch tolle Musik berührt unsere Moderato-
rin. Und wenn ihr der Beruf zu stressig wird, entspannt sie sich bei Yoga.
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© dapd Lupe
Die Heldin der Hungerspiele wird im tödlichen Dschungelcamp ausgesetzt - ein Menschenzoo unter permanenter Kamerabeobachtung.
Apokalyptisches Dschungelcamp
Die "Tribute von Panem" als Gegenwartskritik
In der Diktatur Panem findet jedes Jahr ein Wettbewerb auf Leben und Tod statt. Die Hungerspiele überleben allein die, die alles auf Spiel setzen. Tödliche Gladiatorenkämpfe und eine perverse Castingshow gehen damit einher. "Die Tribute von Panem" ist der Actionfilm für die Generation Facebook. Die Welt als Casting - nur wer die Show mitmacht, überlebt.
Jeder ist doch längst Gutachter und Begutachteter zugleich. Jeder will das beste Bild von sich. Nur die kommen weiter, die sich gut darzustellen vermögen. Öffentlichkeit meint vor allem eins: das öffentliche Bild. Was ist wichtiger: Image oder Ich? "Ich glaube, der Erfolg dieses Films hängt damit zusammen, dass dieser Film eine Zeitstimmung erfasst und verdichtet", sagt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. "Wir reden über das Ende der Privatheit, wir reden über die Allgegenwart medialer Beobachtung - aber das sind im Grunde genommen abstraktere Phänomene. Die Leistung dieses Films besteht darin, dass hier in Form einer apokalyptischen Hochrechung all unsere Ängste zusammenfasst werden, die wir mit Blick auf diese mediale Dauerbeobachtung haben. Er zeigt, dass es im Extremfall in der Casting-Gesellschaft um ein Spiel auf Leben und Tod geht."

Leben unter ständiger Beobachtung
© dpa Lupe
Es geht um eine Heldin mit hohem Identifikationspotenzial.
Bei einem Casting wird ausgesiebt. Die Heldin der Hungerspiele wird im tödlichen Dschungelcamp ausgesetzt - ein Menschenzoo unter permanenter Kamerabeobachtung. Mediale Dauerbeobachtung als Megaseller: Das Buch "Die Tribute von Panem" von Suzanna Collins wurde bislang mehr als 20 Millionen Mal verkauft. Es geht um eine Heldin mit hohem Identifikationspotenzial. Wie überlebt man unter ständiger Beobachtung und wie verkauft man sich am besten? "Wer von einer Castingshow Authentizität erwartet, dem muss man im Grunde genommen intellektuell den Führerschein entziehen, das ist vollkommen sinnlos", so Pörksen. "In einer Castingshow kommt die Individualität des einzelnen nicht vor. Er wird durch ein Raster gepresst, er wird auf eine bestimmte Rolle hin festgelegt, er wird gezwungen, sich in einer bestimmten Art und Weise darzustellen beziehungsweise er wird auf eine bestimmte Art und Weise inszeniert."

Ist das wirkliche Leben nicht längst selbst eine Art Dauercastingshow? Wir wollen einzigartig sein und spielen doch nur Bilder nach. Wie wird man unverwechselbar? Das Ziel eines jeden ist es, Bilder von sich zu schaffen, die niemand mehr vergisst. Es geht um Glück oder eben darum, dass man mehr hat als andere. In den "Tributen von Panem" bekommt man ein Training für die Todesshow. Doch in der Castinggesellschaft geht es nicht allein um das körperliche Überleben. "Wir leben heute in dem Bewusstsein, dass überall Kameras herumstehen", sagt der Medienwissenschaftler Pörksen. "Jeder von uns trägt ein Fotohandy oder ein Handy mit Videofunktion am Körper und kann es blitzschnell hochreißen, wenn ihm etwas irgendwie interessant und medial verwertbar erscheint. Wir driften auf eine Gesellschaft zu, in der Fremd- und Selbstinszenierung zentrale Imperative werden, in der die Show gleichsam vergöttert wird und in der es einen Kult der Prominenz gibt, abgekoppelt von Leistung und Kompetenz."

Beim Casting geht es um das mediale Überleben. Allen anderen geht es nur um eins: The Show must go on.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
© prLupe"Die Tribute von Panem"
USA 2012
Regie: Gary Ross
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth u.a.
im Kino
Buch
Suzanna Collins
"Die Tribute von Panem 1. Tödliche Spiele"
Oetinger 2009
ISBN-13: 978-3789132186
Reihe
© dpaKleine Phishe
Eine "Kulturzeit"-Reihe zum Thema Überwachung