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Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© Norbert Miguletz Lupe
Die Schirn in der Frankfurter Altstadt wurde zum Kunstwerk mit Fachwerk-Fassade.
Schöner Schirn
Bettina Pousttchis Fotoinstallation "Framework"
Die Frankfurter Kunsthalle Schirn erstrahlt ab dem 19. April 2012 im alten Glanz: Das Sandstein-Gebäude in der historischen Altstadt soll mit einer Fachwerk-Fassade verkleidet werden - so die Idee der Künstlerin Bettina Pousttchi. Für ihre Installation "Framework" bringt sie schwarz-weiße Fotodrucke auf die Fenster der Ausstellungsstätte.
Es ist, als spiegelten sich die rekonstruierten Fassaden bereits auf der Fassade der Kunsthalle Schirn in Frankfurt. Die deutsch-iranische Künstlerin Bettina Pousttchi hat eine Projektionsfläche für die umstrittene Altstadtsanierung geschaffen. "Framework" ist eine Auftragsarbeit des Museums und zugleich eine Reflexion der Geschichte des modernen Museumsbaus. "Als wir uns damals die ersten Entwürfe angeschaut haben", so die Kuratorin Katharina Dohm, "sagte Bettina Pousttchi durchaus ironisch und lachend: 'Die Schirn muss mit der Zeit gehen, die Schirn braucht einen neuen Look, die Schirn braucht Fachwerk.' Natürlich ist uns bewusst, dass diese Arbeit im Verhältnis zur Alltagsdebatte angesehen oder verstanden wird und als Kommentar dazu funktionieren kann. Aber es ist kein Standpunkt in der Hinsicht für oder gegen die Altstadt."

Ein Stück Altstadt wird wieder aufgebaut
© dpa Lupe
Die Schirn (links) soll bald wieder von Fachwerkhäusern umgeben sein.
Das ist ein heikles Thema in Frankfurt. Dort drängt es sogar bis vor die Tür: Direkt vor der Schirn wird ein im Zweiten Weltkrieg zerstörtes Viertel wieder aufgebaut - in einer Mischung aus historisierendem Stil und moderner Architektur. Dieser lokale Kontext spielt bei "Framework" eine große Rolle. Bettina Pousttchi fotografierte historische Fachwerkhäuser des Römerbergs, unweit des Museums. Diese Fotos verbindet sie mit orientalischen Ornamenten und bricht das rein Fotografische durch eine Unschärfe.

"Bei der Frankfurter Diskussion um den Wiederaufbau der historischen Altstadt ist ein auffälliger Aspekt", so Pousttchi, "dass das Fachwerk nicht mehr so eingesetzt war wie es ursprünglich war: nämlich als strukturelles Phänomen, als funktionelle Bauweise, sondern es wird mit ganz modernen Methoden gebaut, mit Beton und Stahlträgern. Das Funktionale des Fachwerkbaus geht verloren. Was bleibt, ist eine Oberflächenverzierung. Das hat mich an den Umgang mit dem Ornament erinnert. Es ist im Grunde eine Oberflächenverzierung, die aus dem Fachwerk gemacht wird." Schon einmal hat Bettina Pousttchi mit Fotoprojektionen auf Architektur von sich reden gemacht: 2009 realisierte sie die viel beachtete Installation "Echo". Dabei ließ sie den kurz zuvor abgerissenen Palast der Republik wieder auferstehen - auch in Form einer monumentalen Fotoinstallation.

Woran wollen wir erinern?
© Norbert Miguletz Lupe
Auch die Rotunde schmückt Fachwerkmuster.
Der Name "Framework" steht auch für "Bezugssystem". Für Bettina Pousttchi ist eines der zentralen Themen: Wie ist es, wenn historische Fassaden wieder aufgebaut werden sollen? Was für ein kulturelles Bezugssystem liegt dem zugrunde? Woran wollen, woran sollen wir erinnern? Welche zeitliche Dimension hat Architektur überhaupt? Das Kunstwerk soll zwei Monate an der Fassade der Schirn zu sehen sein.

Doch davor standen vier Tage Aufbauarbeit. Drei Teams klebten auf 80 Metern Fassadenlänge Folie in der Rotunde und an der Ostfassade. Fotografie erscheint in einer neuen Dimension: als Verbindung von Skulptur und Architektur mit der Fotografie. "Fotografie ist sehr vielschichtig", so die Künstlerin. "Es ist ein Erinnerungsmedium, ein Aufzeichnungsmedium und auch ein Illusionsmedium. 'Framework' will eigentlich auf all diesen Ebenen Resonanz erzeugen." Die Künstlerin Bettina Pousttchi jedenfalls hat mit ihrer Arbeit bei der Presse bereits für Aufmerksamkeit gesorgt. Wünschenswert ist, dass "Framework" die Debatte um das Aussehen unserer Städte neu befeuert.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Mediathek
© Norbert MiguletzVideoInterview mit Bettina Pousttchi
geführt von Britta Zekorn
Ausstellung
© dpaLupeBettina Pousttchi
"Framework"
19.04. bis 17.06.2012