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© dpa Lupe
Claes Oldenburgs geometrische Maus - seine Reaktion auf die US-Kultur.
Von Kunst und Mäusen
Der Pop Art-Künstler Claes Oldenburg
Wenn der Begriff Pop Art fällt, denkt man meist zuerst an Suppendosen, Bananen oder Siebdruck-Cartoons. Doch während die Werke von Andy Warhol oder Roy Lichtenstein beinahe schon überbelichtet sind, gilt es ein weiteres Gründungsmitglied der Popart zu entdecken: den Bildhauer Claes Oldenburg. Dem Museum Moderner Kunst (Mumok) in Wien ist es jetzt gelungen, eine hervorragend bestückte Oldenburg-Ausstellung auf die Beine zu stellen, deren Fokus auf den wilden 1960er Jahren liegt.
Die Sixties waren ein turbulentes Jahrzehnt voller Spannungen, Revolutionen und Umbrüche, Jahre der Gewalt und der großen künstlerischen Würfe. "Die 1960er Jahre wurden immer komplizierter", sagt auch Claes Oldenburg, "und ich glaube, sie sind einfach ausgeartet. Es gab von allem zu viel. Man war fast froh, als sie vorbei waren. Die Gesellschaft ist irgendwie zerfallen. Für mich war es eine Erleichterung, sie hinter mir zu wissen."

Alltag und Konsum als Kunstwerk
© reuters Lupe
Auf Starrummel kann Claes Oldenburg gut und gerne verzichten.
Dabei waren gerade die Sixties Claes Oldenburgs fruchtbarste Zeit. Im damals noch ziemlich wilden New York stieß der 1929 in Stockholm geborene Oldenburg mit seinen Künstlerkollegen die Kunst vom Altar, ließ sich von der Straße inspirieren und machte Alltag und Konsum zum Kunstwerk - auch eine Revolution in den revolutionswütigen Jahren zwischen 1960 und 1970. Das Kunstpublikum, gewöhnt an hehre Malerei, die pathetisch zelebriert wird, musste sich erst an den neuen Stil, bald Popart genannt, gewöhnen. "Die Leute waren am Anfang schon etwas vor den Kopf gestoßen", so Oldenburg."Es gab eine Menge wenig freundlicher Kritiken. "Aber ich glaube, diese Kunst war einfach nicht aufzuhalten. "Weil sie mit dem Alltag spielte, hatte sie potenziell natürlich ein größeres Publikum als die abstrakte Kunst, die nur von wenigen verstanden wurde."

Ein selten gewährter Einblick in Oldenburgs Atelier in Manhattan zeigt, dass Oldenburg einen ganz anderen Zugang zur Popart gewählt hat als etwa Andy Warhol. Das war nie eine chaotische Factory mit hunderten Leuten, die ein und aus gingen. Der Bildhauer Oldenburg arbeitet lieber zurückgezogen und im kleinen Kreis. Ganz geborener Skandinavier, braucht Oldenburg Klarheit und Präzision für seine Arbeit. Auf den Starrummel, auf Partys und Society kann er gut und gerne verzichten. "Als ich zum ersten Mal nach New York gekommen bin, ging ich in die Zetabar, weil man dort immer einen Job als Kellner bekommen konnte", erzählt er. "Wenn du das Essen serviert hattest, konntest du mit all den Künstlern ins Gespräch kommen und das war dann deine Eintrittskarte in die Kunstwelt. Ich hätte einen Job bekommen, ihn aber dann nicht angenommen, weil ich in einer Bibliothek arbeiten konnte. Und ich dachte mir, dort lerne ich mehr."

Sehnsüchte, Wünsche, Spiele und Triebe
Bald hatte Claes Oldenburg seine Nebenjobs nicht mehr gebraucht: Bereits Mitte der 1970er Jahre war er ein weltweit angesehener Künstler. Oldenburg interessiert sich leidenschaftlich für die banalsten Objekte, verändert ihre Größe und ihre Stofflichkeit. Berühmt werden seine "Soft Sculptures". Kenner sehen darin nicht nur eine Anspielung auf die gerade in den 1960er Jahren so umfassend gefeierte neue Konsumwarenwelt, sondern auch auf ganz alte erotische Sehnsüchte, Wünsche, Spiele und Triebe. Im Gegensatz zu Warhols und Lichtensteins kühler, distanzierter, oft sogar zynischer Glamour-Pop Art, traut sich Oldenburg ganz nahe ans Menschliche heran.

Nicht Zynismus, aber doch Ironie und Humor bilden die Grundstimmung von Claes Oldenburgs Skulpturen und Zeichnungen. Ohne sich über die Niederungen des menschlichen Daseins lustig zu machen, sitzt dem Künstler dennoch der Schalk im Nacken. Hollywoods lustvolle Seite zitiert Claes Oldenburg mit seinem "Mouse Museum". Inspiriert von Mickey schuf der obsessive Sammler Oldenburg ein eigenes Museum für all jene Gegenstände in seinem Besitz, die den American Way of Life symbolisieren. Logisch, dass dabei die Grenzen zwischen Kunst und Kitsch verschwimmen. "Es ist eine sehr persönliche Auswahl", so Oldenburg. "Ich habe natürlich auf die US-amerikanische Kultur reagiert, aber man sieht sie mit meinen Augen. Ich habe selbst meine eigene Maus, die geometrische Maus. Und das 'Mouse Museum' hat die Form der geometrischen Maus, die es auch als Skulptur in verschiedensten Größen und Farben gibt. Es gibt also eine Menge Mäuse - aber das sind meine, die Vertreter der geometrischen Maus."

Und so kann sich die Welt auf eine Mausinvasion gefasst machen. Nach der Station in Wien geht die exemplarische Oldenburg-Ausstellung auf Welttournee: nach Köln, Bilbao und nach New York, ins Museum of Modern Art. Und Claes Oldenburg wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich doch noch an seine Rolle als Pop Art-Star zu gewöhnen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Ausstellung
© reutersLupe"Claes Oldenburg. The Sixties"
Mumok, Wien
bis 28. Mai 2012
Fotogalerie
© dpaRiesig, hängend, schaukelnd
Die Kunst des Claes Oldenburg