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CLIP: Nina Mavis Brunner
Nina Mavis BrunnerNavigationselement
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© dpa Lupe
Der Film "Eine dunkle Begierde" taucht tief in die verkrusteten Strukturen Europas am Vorabend des Ersten Weltkriegs ein.
Abgrundtief
David Cronenbergs Film "Eine dunkle Begierde"
Wenig hat die Moderne mehr geprägt als Sigmund Freuds Psychoanalyse - griechisch für die Enträtselung der Seele. Ein Paradigmenwechsel für die Betrachtung des Menschen, der das Tor weit öffnete - für den Blick in unsere eigenen Abgründe. Nun kommt ein Film über die Anfänge der Psychoanalyse ins Kino, gedreht von einem Spezialisten fürs Abgründige: dem kanadischen Regisseur David Cronenberg.
Sein Film "Eine dunkle Begierde" - nach einem Theaterstück des Briten Christopher Hampton - taucht tief in die verkrusteten Strukturen Europas am Vorabend des Ersten Weltkriegs ein. Mit großer Genauigkeit bricht Cronenberg die Neurosen der Welt auf eine Art Vater-Sohn-Beziehung zwischen Sigmund Freud und seinem Schüler C.G. Jung herunter.

Ein anderer Blick auf ein bekanntes Thema
© dapd Lupe
Michael Fassbender gibt C. G. Jung zurückgenommen, aber präzise.
Im Mittelpunkt des Films steht der Schweizer Psychoanalytiker C. G. Jung, gespielt vom neuen Superstar des internationalen Autorenkinos, dem Deutsch-Iren Michael Fassbender. Der junge Psychiater, Kollege von Sigmund Freud und Mitbegründer der modernen Psychoanalyse, steht seinen eigenen Gefühlen im Weg. Er ist Gefangener seines eigenen Körpers, wie Fassbender in einer sehr zurückgenommenen, aber präzisen Performance zeigt - eingebettet in eine insgesamt kühle Inszenierung. Um den wissenschaftlichen Disput zwischen ihm und dem Kollegen und Rivalen Freud, gespielt von Viggo Mortensen, entspinnt sich Cronenbergs Drama. Mittendrin in diesem komplexen Beziehungsgeflecht steht die junge russische Jüdin Sabina Spielrein, Patientin und Geliebte von Jung und später selbst bedeutende Psychoanalytikerin und dennoch heute fast vergessen.

Sabina Spielrein wird als Hysterikerin in Jungs Zürcher Klinik eingeliefert - gespielt von Keira Knightley, mit Mut zum Risiko, zur Hässlichkeit und zum Scheitern. Das ist überraschend und grandios. Nirgendwo lässt uns Cronenberg tiefer in die Abgründe menschlicher Existenz blicken als hier. Cronenberg hat sich mit Leidenschaft in diese explosive "Menage à trois" und ihre Ära versenkt. "Damals war man sehr fortschrittsgläubig", sagt der Regisseur im Interview. "Die Menschen waren überzeugt, alle Probleme rational lösen zu können. Doch Freud sagte: Das ist ein Irrtum. All das kann binnen Sekunden zerstört sein, denn jeder ist potenziell zerstörerisch und gewalttätig. Normalerweise unterdrücken wir diesen Trieb, aber wir müssen wissen, dass er existiert, sonst kann er uns verletzen."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
© dpaLupe"Eine dunkle Begierde"
("A Dangerous Method")
GB/DE/CA/CH 2011
Regie: David Cronenberg
Darsteller: Viggo Mortensen, Michael Fassbender, Keira Knightley u.a.
Kinostarts:
DE: 10.11.2011
AT: 11.11.2011
CH: 10.11.2011
Mediathek
© ReutersVideoInterview mit David Cronenberg
geführt von Gudula Moritz während der Filmfestspiele von Venedig 2011
Mediathek
© APVideoInterview mit Keira Knightley
geführt von Gudula Moritz während der Filmfestspiele von Venedig 2011