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© Neue Visionen Lupe
Majewski Bildsprache und Erzählstruktur im Film sind dicht an der Malerei, sagt er.
Die Kraft des Bildes
Pieter Bruegels "Die Mühle und das Kreuz" als Film
Vor knapp 450 Jahren malte Pieter Bruegel, der Ältere, die "Kreuztragung Christi", eine dichte niederländische Szenerie mit mehr als 500 Figuren. Der Film "Die Mühle und das Kreuz" ("The Mill And The Cross") von Lech Majewski taucht in die fantastische Bildwelt ein, erweckt sie zum Leben und zeigt die Realität eines Landes unter brutaler spanischer Herrschaft: Flandern unter dem Terror der Inquisition.
Mittendrin der Maler selbst: Bruegel versetzt die Kreuzigung Christi in seine Zeit, bei ihm sind es die Spanier, die Jesus kreuzigen. Widerstand regt sich, selbst bei Bruegels adligen Auftraggebern. In einer Szene im Film heißt es zwischen Pieter Bruegel und seinem Auftraggeber, dem reichen Antwerpener Kaufmann Nicolas Jonghelinck:

"Schaut Euch das an. Sie vergewaltigen und erniedrigen unsere Körper und Seelen. Glaubt Ihr, das malen zu können?"

"Ja. Ich will wie die Spinne arbeiten, die ich heute morgen ihr Netz weben sah. Zuerst muss ich einen Ankerpunkt finden, hier in der Mitte. Ich zeige den Erlöser auf dem Weg nach Golgatha, geführt von den spanischen Soldaten in ihren roten Waffenröcken. Obgleich im Zentrum meines Bildes muss ich Christus doch verbergen."

"Warum wollt Ihr ihn verbergen?"

"Weil er das Wichtigste ist."

Auch Regisseur Lech Majewski konzentriert sich in seinem Film auf das Wesentliche: die Kraft des Bildes. Was für den Maler die Grundierung, ist dem Regisseur der Bluescreen. Die Hintergründe hat er meist selbst gemalt und legt sie dann, Schicht für Schicht, unter seine Figuren. "Die Bildsprache meines Filmes und seine Erzählstruktur sind dicht an der Malerei", so Majewski. "Ich habe noch nie einen Film gemacht, der derart viel Zeit und Aufwand erfordert hat. Für mich war das Aufregendste, Bruegel auf Augenhöhe zu begegnen. Ich habe immer gesagt, wir sollten mit den Toten sprechen - die haben oft mehr zu sagen als die Lebenden."

Die Ereignisse eines Tages
Geißelung, Kreuzigung - Majewskis Film erzählt die Ereignisse eines Tages, von Sonnenaufgang bis zur Kreuzigung Christi. Bruegels Bild dient ihm dabei sowohl als Thema wie auch als Drehbuch. Das eröffnet eine neue Sichtweise auf das Gemälde. "Die meisten Bilder zeigen Gott, wie er die Wolken teilt und missbilligend auf die Welt herabschaut", erklärte Pieter Bruegel sein Bild. "In meinem Bild nimmt der Müller seinen Platz ein. Er ist der große Müller im Himmel, der das Brotmehl des Lebens und des Schicksals mahlt."

Gott stoppt auf Handzeichen das Weltgeschehen, Bruegel arrangiert sein Bild fertig. "The Mill And The Cross" ist mehr als ein Film über ein bedeutungsvolles Renaissance-Gemälde. Es ist eine poetische, bildgewaltige Hommage an den flämischen Meister Pieter Bruegel.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
© Neue VisionenLupe"Die Mühle und das Kreuz"
(The Mill And The Cross")
Polen, Schweden 2011
Regie: Lech Majewski
Darsteller: Rutger Hauer, Charlotte Rampling, Michael York, u.a.
Kinostarts DE/CH: 24.11.2011