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© Katrin Ribbe Lupe
Robert Thalheim inszeniert einen Nachbarschaftsstreit um eine Moschee im Theater.
Gelungenes Integrationstheater
"Moschee DE" von Robert Thalheim in Berlin
Berlin 2006: In Pankow-Heinersdorf soll eine Moschee gebaut werden, die Anwohner protestieren und pöbeln gegen den Bau. Sie können ihn nicht verhindern. Der Regisseur Robert Thalheim wohnt in Pankow und hat seine Erfahrungen zu einem Theaterstück verarbeitet.
Mit der Khadija-Moschee kommt der Kampf der Kulturen nach Heinersdorf. "Da haben wir morgen die ganzen Türken hier und die Russen und alles andere, die haben schon die Häuser aufgekauft, wie sieht das hier aus", schimpft ein Anwohner. Viele sind entsetzt, voller Ressentiments gegenüber dem Fremden vor ihrer Haustür: "Das gibt ein böses Ende, wenn hier wirklich eine Moschee gebaut wird und die ganzen Kameltreiber nach Pankow kommen, das gibt ein böses Ende, das weiß ich hundertprozentig", hört man. Über diese Auseinandersetzung, um den Bau der ersten Moschee in Ost Berlin, hat Robert Thalheim ein Theaterstück geschrieben. Der massive Protest hat ihn damals schockiert. Er hat sich gefragt: Woher kommt diese Ablehnung?

Nachbarschaftskonflikt als Theaterstück
© dpa Lupe
Die Kadija-Moschee in Heinersdorf war der Stein des Anstoßes.
"Darum habe ich überhaupt angefangen, mich mit dem Konflikt zu beschäftigen", so Thalheim, "weil ich gedacht habe: Was passiert in meiner Nachbarschaft bei so einer Bürgerversammlung? Und dann habe ich erst gemerkt, wie weitreichend dieser Konflikt inzwischen in der Gesellschaft angekommen ist." Der Ärger fängt damit an, dass sich die Heinersdorfer übergangen fühlen. Robert Thalheim hat Anwohner, den Pfarrer der Kirche und Mitglieder der Ammadiya-Gemeinde befragt. Nun wird "Moschee DE" im Deutschen Theater in Berlin aufgeführt. Auch mit Imam Abdul Basit Tariq hat er gesprochen. Die 200 Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde gelten als strenggläubige muslimische Minderheit.

Der Imam erinnert sich noch heute an die ersten Tage in Heinersdorf: "Es waren viele diffuse Ängste, die absichtlich gegen uns verbreitet wurden zu dieser Zeit", sagtTariq. "Dass der Muezzin vom Minarett zum Gebet ruft und unsere Nachtruhe stört, die Muslime werden unsere Parkplätze rauben, es gibt Parkprobleme, die Preise der Grundstücke fallen und solche Sachen. Ich habe gesagt: Das wird nie passieren. Ja, ich habe allen Leuten ihre Fragen beantwortet und versucht sie zu überzeugen, dass die Moschee eine Segnung ist."

Nebeneinander mit viel Distanz
© Katrin Ribbe Lupe
Vorurteile werden im Dialog abgebaut.
In "Moschee DE" kommen sie alle zu Wort: der Konvertit der Imam, die Moscheebefürworterin, der Pfarrer und die Moscheegegner. Mehrere Tausend protestieren gegen den Bau der Moschee. Eine Bürgerbewegung gründet sich. Sie ist bis heute aktiv. Von Anfang an hat sich auch Gabriele Groth in der Bürgerbewegung engagiert, auch ihre Aussagen sind in das Stück mit eingeflossen. "Man wusste genau, wer hier im Ort welchen Text gesprochen hat, von wem kam was", sagt sie. "Es war sehr amüsant, es war zwar einiges überspitzt, aber ich fand das schon ganz gut." Das Theaterstück hat allen geholfen, miteinander ins Gespräch zu kommen. In Heinersdorf ist es mittlerweile ruhiger geworden. Die Ängste waren unbegründet. Nur wenige Gläubige kommen hierher. Es herrscht ein Nebeneinander mit viel Distanz. Trotzdem hat die Auseinandersetzung um den Bau der Moschee die Menschen verändert.

"Vielleicht ist der Konflikt hier wirklich ein Beispiel für eine geglückte Integration", sagt Thalheim. "Die großen Moscheegegner, die am Anfang noch mit den gröbsten Klischees über Terrorismus argumentiert haben, sind inzwischen große Koranexperten, die auswendig Suren zitieren können und sich wahrscheinlich auch sonst nie mit einer fremden Kultur auseinandergesetzt hätten, wie sie es so durch diesen Moscheestreit getan haben." Das Theaterstück endet damit, dass die Moschee einfach gebaut wird. Genauso wie es in Heinersdorf geschah. Ein Theaterstück, das uns vorführt: Wenn man die Ängste erst einmal formuliert hat, erscheinen sie einem ein bisschen weniger bedrohlich. Auch so kann ein Dialog beginnen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Theater
"Moschee DE"
Regie: Robert Thalheim
Deutsches Theater Berlin
Weitere Vorstellung: 12.09.2010

Staatstheater Hannover
nächste Vorstellungen:
30.09, 02. und 14.10 2010
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