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Kulturzeit heute
21. Mai 2013
Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© dpa Lupe
Markus Lüpertz verteidigt seine Individualität gegen die Massengesellschaft.
Genie mit Gehstock
Der Malerfürst Markus Lüpertz
Markus Lüpertz zählt zu den bekanntesten und einflussreichsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Wie kaum ein anderer pflegt er die Attitüde des "Genies" und klassischen Malerfürsten. In einer umfassenden Retrospektive blickt die Kunst- und Ausstellungshalle Bonn jetzt hinter die "große Geste" und stellt den Künstler in seinem vielseitigen Schaffen vor. Auf 2000 Quadratmetern sind rund 150 Werke zu sehen.
Die Schau spannt einen weiten Bogen von der "dithyrambischen Malerei", mit der Lüpertz in den 1960er Jahren Aufsehen erregte, über die "deutschen Motive" Anfang der 1970er Jahre, die abstrakte "Stil-Malerei", die traumgleichen "Zwischenraumgespenster", die bekannten Daphne-Skulpturen, bis hin zu den in den 1990er Jahren entstandenen "Landschaftsbildern" und den aktuellen Werken aus dem letzten Jahrzehnt. Neben der bildenden Kunst widmet sich das Multitalent der Lyrik, der Prosa, der Musik und dem Theater. Außerdem gibt er den streitbaren Kunstalmanach "Frau und Hund" heraus. Das umfangreiche Rahmenprogramm zur Bonner Schau greift auch diese Aspekte seines Schaffens auf.

Fürstliche Attitüde
© ap Lupe
In Bonn sind auf 2000 Quadratmetern rund 150 Werke von Lüpertz zu sehen.
Sein Markenzeichen ist der Gehstock mit silbernem Totenkopfknauf. Markus Lüpertz weiß, wie man sich inszeniert, und er kennt die Mechanismen des Marktes. Selbstbewusst sagt er: "Das Genie bin ich." Doch hinter der Attitüde des "Malerfürsten" steckt mehr als der Wille zur Macht. Zeit seines Lebens hat Lüpertz - mit seinem Werk und mit seiner Person - das Prinzip der Individualität gegen die Massengesellschaft verteidigt. Was der Maler, Bildhauer und Bühnenbildner gegenwärtig vor allem vermisst, sind "starke Positionen und individuelle Persönlichkeiten".

1941 im böhmischen Reichenberg geboren, flüchtete Lüpertz 1948 mit seiner Familie ins niederrheinische Rheydt. Er studierte an der Werkkunstschule Krefeld, arbeitete ein Jahr im Bergbau und setzte anschließend sein Studium für ein Semester an der Kunstakademie Düsseldorf fort. 1961 ging er nach Westberlin und entwickelte dort die "dithyrambische Malerei". Sie nimmt Alltagsgegenstände ins Visier wie Wäsche an der Leine, Dachpfannen oder ein Spargelfeld, entrückt sie der Dingwelt und steigert sie zu archaischer Präsenz. Ab 1968 stand die Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Geschichte im Mittelpunkt seines Schaffens. Dafür fand Lüpertz eine eigene Ikonographie mit Stahlhelmen und Uniformen, Schneckenhäusern und Eicheln, Musikinstrumenten und Geweihen. Eines seiner frühen Meisterwerke ist das Bildertrio "Schwarz-Rot-Gold" von 1974, das in den Farben der Bundesrepublik an das kriegerische Deutschland erinnert.

Antike Themen und deutsche Mythen
© ap Lupe
Lüpertz ließ sich von der Antike und von deutschen Mythen inspirreren.
Mitte der 1970er Jahre wandte sich Lüpertz der abstrakten "Stil-Malerei" zu. Außerdem beschäftigte er sich mit der Rezeption der Moderne und übte den Umgang mit malerischen und formalen Prinzipien von Klassikern wie Picasso, Matisse, Corot und Poussin. In den 1980er Jahren entdeckte er antike Themen für sich. Damals entstand auch die "Zwischenraumgespenster-Serie". Bei den Arbeiten der 1990er Jahre, darunter die Serie "Männer ohne Frauen. Parsifal" oder "Studie zu Vater Rhein", ließ er sich nach eigenem Bekunden "von den Ursprüngen und der Herkunft deutscher Kunst und Dichtung" inspirieren.

2001 sorgte er mit der monumentalen Brunnenfigur "Aphrodite" für einen Skandal. Sie sollte an einem zentralen Platz in der Augsburger Altstadt aufgestellt werden. Doch die Bürger lehnten die Plastik ab. Erst 2004 fand sie vor dem Augsburger Verlagshaus der Stifterin Ellinor Holland eine Heimat. Auch seine Skulpturen "Die Philosophin", die der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder in Auftrag gegeben hatte, der "Bundesadler" für den Bundesgerichtshof in Karlsruhe, eine androgyne Mozartskulptur für die Stadt Salzburg und der "Mercurius" vor dem Bonner Posttower wurden kontrovers diskutiert.

Professor der "Geniebude"
© ap Lupe
2010 will Markus Lüpertz eine private Kunstakademie in Potsdam eröffnen.
Markus Lüpertz hält viel von der Beziehung zwischen Schüler und Meister. Allerdings wehrt er sich gegen eine Verschulung der Kunst. "Wir sind doch keine Pädagogen", so der Maler. 1976 ging er als Professor an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. 1983 übernahm er eine Professur an der Sommerakademie in Salzburg. 1985 wechselte er an die Kunstakademie Düsseldorf, deren Rektor er 1987 wurde. Nach 22 Jahren nahm er 2009 seinen Abschied. Die Bezeichnung "Hochschule" hat er für die Kunstakademie stets abgelehnt, sondern lieber von der "Geniebude" gesprochen. Nun plant er eine private Kunstakademie in Potsdam, die 2010 eröffnet werden soll.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Ausstellung
"Markus Lüpertz. Hauptwege und Nebenwege."
Kunst- und Ausstellungshalle Bonn
bis 17.01.2010
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