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19. Juni 2013
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Bei Cécile Schortmann lässt gute Kunst alle Sinne vibrieren. Aber auch tolle Musik berührt unsere Moderato-
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© Flying-Moon-Filmproduktion Lupe
Koreanischer Volkstanz in der Gruppe
Fremde Heimat
Sung-Hyung Chos "Endstation der Sehnsüchte"
Nach ihrem preisgekrönten Debütfilm "Full Metal Village" über das Heavy-Metal-Festival in Wacken nähert sich die deutsch-koreanische Regisseurin Sung-Hyung Cho wieder dem Thema Heimat und Heimatsuche auf eine ungewöhnliche Art und Weise. In "Endstation der Sehnsüchte" porträtiert sie drei deutsch-koreanische Ehepaare, die mit über 60 Jahren Deutschland verlassen haben, um in Südkorea zu leben.
Ganz im Süden des geteilten Landes, auf der Insel Namhae, liegt es wie ein Fremdkörper am Berghang: das "Dogil Maeul", das "Deutsche Dorf", mit seinen typisch deutschen Häusern und Gartenzwergen in den gepflegten grünen Vorgärten. Ähnlich wie in Wacken die Heavy-Metal-Fans während der Festival-Zeit fallen hier die koreanischen Touristen in Scharen ein, um sich vor den schmucken Häusern fotografieren zu lassen. Da muss die genervte Hausherrin schonmal die Polizei rufen, um die ungebetenen Gäste aus dem Vorgarten zu vertreiben und den Stau, den die Neugierigen produzieren, zu regulieren.

© Flying-Moon-Filmproduktion Lupe
Koreanische Nachbarn zu Besuch bei Willi Engelfried (hinten links)
Initiiert wurde das Projekt 2003 von einem koreanischen Lokalpolitiker, der sich damit bei den vielen Koreanerinnen bedanken wollte, die in den 1960er und 1970er Jahren als Gastarbeiterinnen nach Deutschland gingen. Sie sollten sich im "Deutschen Dorf" mit ihren deutschen Ehemännern zu besonders günstigen Bedingungen ansiedeln können. Gleichzeitig wollte der Politiker damit der in Südkorea grassierenden Landflucht entgegen wirken und Touristen anlocken. Zumindest letzteres ist ihm rundum gelungen.

Kann Heimat wiedergefunden werden?
Dass in der Realität nicht alles so lief wie versprochen, wird im Film nur hier und da angedeutet. Aber Sung-Hyung Cho geht es auch nicht darum, Missstände aufzudecken. Die seit 20 Jahren in Deutschland lebende koreanische Regisseurin beschäftigt sich vor allem mit den Fragen: Was ist Heimat? Was bedeutet der Verlust von Heimat? Und kann die verlorene Heimat nach Jahrzehnten wiedergefunden werden?

© Zorrofilm Lupe
Deutsche Würstchen sind auch in Korea beliebt (Armin Theis (l.) und Ehefrau Young-Sook (r.)
Wie "Full Metal Village" kommt "Endstation der Sehnsüchte" nahezu ganz ohne Kommentare aus. Noch mehr als in ihrem Erstlingsfilm hält sich Sung-Hyung Cho aus dem Geschehen heraus und lässt alleine ihre sechs Protagonisten zu Wort kommen: Young-Sook ging mit 23 Jahren als Krankenschwester nach Deutschland, heiratete den Mainzer Bauunternehmer Armin Theis und kehrte im Alter von 60 Jahren mit ihrem Mann nach Korea zurück. Sie sagt von sich: "Ich bin in Korea geboren, aber meine Denkweise ist deutsch." Gemeinsam mit ihrem Mann produziert sie deutsche Würstchen und backt deutsche Brötchen, die sie in einem kleinen Laden verkaufen.

Dort ist Ludwig Strauss-Kim, der seiner Frau Woo-Zaa, nach Südkorea gefolgt ist, häufig Kunde. Die mit 30 Jahren ausgewanderte Krankenschwester Wo-Zaa wirkt wie eine Touristin, wenn sie mit ihrem deutschen Mann koreanische Tempel und Sehenswürdigkeiten besucht. Die ehemalige Krankenschwester Chun-Ja (67) und Willi Engelfried (73) widmen sich dagegen dem koreanischen Volkstanz. Sie haben die meisten Kontakte zu ihrem einheimischen Umfeld. Dennoch sagt auch Chun-Ja: "Je länger ich hier bin, desto öfter denke ich an Deutschland. Seltsam. Jetzt kommt mir Deutschland wie meine Heimat vor."

Aber sonst ist alles in Ordnung
© Berlinale Lupe
Woo-Za und Ludwig Strauss-Kim besuchen gerne Sehenswürdigkeiten
"Endstation der Sehnsüchte" ist ein einfühlsames Porträt dreier Paare, die im Alter noch einmal einen ungewöhnlichen Neuanfang wagen. Der Film lebt ganz von seinen Protagonisten, von vielsagenden Bildern und einer aus der Situation heraus entstehenden Komik. Zum Beispiel, wenn Willi Engelfried mit seinem Hund durch den koreanischen Stadtteil spazieren geht, und darauf hinweist,dass dieser Briefkasten schon seit fünf Jahren schief hänge, um dann trocken festzustellen, aber sonst sei alles in Ordnung. Doch ist wirklich alles in Ordnung? Haben die drei Koreanerinnen ihre Heimat wiedergefunden und ihre deutschen Ehemänner den ewigen Urlaub, wie Willi Engelfried es einmal sagte? Der Film weckt leise Zweifel daran und macht Lust, mehr über dieses ungewöhnliche Projekt in Südkorea und die Menschen, die dort leben, zu erfahren.

Sendedaten
Kulturzeit, montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
© ZorrofilmLupe"Endstation der Sehnsüchte"
Deutschland/Süd-Korea 2009
Regie: Sung-Hyung Cho
Kinostart D: 29.10.2009
Schwerpunkt
© dpaKino-Zeit - Die "Kulturzeit"-Filmkritiken
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