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© The Krah Lupe
Werk von The Krah
Sprayen für die Galerie
"Vandal Tendencies" von The Krah in Berlin
Wer nach London fährt, kommt an ihm nicht vorbei. Überall im Stadtzentrum, bevorzugt in der Gegend um die Liverpool Street, stoßen Passanten auf Graffiti, Schablonenmuster und seit neuestem auch Skulpturen mit dem Schriftzug "The Krah". Nun sind die Werke des vielbeachteten Londoner Künstlers erstmals auch in Deutschland zu sehen. "Vandal Tendencies" nennt The Krah seine Werkschau in Berlin, in Anspielung auf die illegalen Ursprünge seiner Kunst.
Sie sind durch kein Gesetz gedeckt, von vielen werden sie nach wie vor als Vandalismus abgelehnt. Doch die Arbeiten von The Krah finden zunehmend Anklang beim Mainstream: bei Kunsthändlern und Galeristen genauso wie bei Werbefachleuten und Verlegern. Erst kürzlich zierte eine seiner Arbeiten Nokia-Plakate am Oxford Circus. Auch The Krahs Präsenz auf dem letzten Londoner Can’s Festival von Streetart-Celebrity Banksy brachte dem Künstler erhöhte Aufmerksamkeit. Einige seiner Werke musste er sogar anketten, damit Kunstprofiteure sie nicht sofort zur nächsten Auktion schleiften.

Verkabelte, automatenähnliche Quadratköpfe
© The Krah Lupe
Straßenkunst überall
Alles begann mit Graffiti-Namenszügen, sogenannten Tags, auf S-Bahn-Zügen seiner Heimatstadt Athen: Später absolvierte The Krah sein Kunststudium in London, dem Mekka der Street Art. Das hinterließ genauso Spuren wie Reisen quer durch Europa, nach Bangkok und Tokio. Im Mittelpunkt von The Krahs Arbeiten stehen Studien von Charakteren: Grimassen schneidende, mit Technikapparaturen verkabelte, automatenähnliche Quadratköpfe grüßen von den Wänden, ebenso wie grazile Frauen- und Tiergesichter. Gesprüht, gezeichnet, fotografiert, ausgeschnitten oder geklebt, im Rahmen, auf Leinwand oder direkt auf den Beton aufgetragen - die Ausstellung in Berlin verrät die Vielseitigkeit des griechischen Künstlers, der längst nicht mehr nur auf den Straßen der britischen Hauptstadt unterwegs ist.

Marc Scherer, Leiter der Galerie, schätzt an The Krah sowohl seine Wandlungsfähigkeit als auch seine öffentliche Präsenz. Was die Szene zurzeit in Graffiti und Street Art teile, sei bei dem Griechen kombiniert: Spontane, verwegene Aktionskunst finde sich bei ihm ebenso wie auf längere Dauer angelegte, wohldurchdachte Komposition. Ausstellungen wie "Vandal Tendencies", so Scherer, führten den Puristen unter den Street Artists vor Augen, wie konstruiert doch manche Grenzziehungen verliefen, wo es letztendlich doch um ein und dieselbe Sache gehe: um Qualität. Auch die inhaltlichen Motive von The Krah weisen in verschiedene Richtungen: Inspiration für das Kopfdetail auf dem Ausstellungsplakat könnte eine Buddha-Statue aus Südostasien genauso gut wie eine Inka-Figur aus Lateinamerika gewesen sein.

Lieber draußen als drinnen
Grundsätzlich aber betrachten Street Artists wie The Krah Ausstellungen in Galerien sowie Aufträge für Werbe- und Medienindustrie eher als Brotarbeiten. "Draußen" gefalle er ihr künstlerisch besser als "drinnen" ließ denn auch die Partnerin von The Krah den Galeristen zur Eröffnung der Ausstellung wissen. Fast alle Street Artists fühlen sich wohler dabei, ihre Arbeiten im öffentlichen Raum für alle anzubringen, anstatt sie als Produkte auf dem Kunst- und Werbemarkt feil zu bieten. Auf Street Art spezialisierte Galerien hält Scherer deshalb für einen guten Kompromiss: Sie brächten den Künstlern Erlöse für den eigenen Lebensunterhalt beziehungsweise für weitere Aktionen auf der Straße und sorgten zugleich für eine breitere Reichweite der Street Art bei Kunstinteressierten. Besucher der Ausstellung geben ihm recht. Sie habe über ihren Reiseführer von der Galerie erfahren, erzählt eine Mutter mit ihren zwei kleinen Töchtern: sicher kein klassisches Publikum für Graffitikunst.

Den Londoner Street Artist hat es in den wenigen Tagen seines Berlin-Besuchs übrigens gleich in den Fingern gejuckt. Sobald wie möglich sei er mit einem Freund zum Malen losgezogen, sagt Marc Scherer. The Krah ist noch bis zum 3. September 2009 in der Galerie und vielleicht noch länger an ihrer nächsten Straßenecke in Berlin zu sehen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Ausstellung
"Vandal Tendencies"
ATM Gallery, Berlin
bis 03.09.2009
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