© dpa
VideoVideo
Reich-Ranicki galt als die zentrale Instanz der Literaturszene, als Medienstar, oft als "Literaturpapst" bezeichnet, auch wenn er diesen Ausdruck nicht mochte.
Gnadenloser Kritiker
In Erinnerung an Marcel Reich-Ranicki
"Die Klarheit ist die Höflichkeit des Kritikers, die Deutlichkeit seine Pflicht und Aufgabe", lautete sein Credo. Allerdings lasse sich dabei Grausamkeit "leider nicht immer ausschließen". Das bekamen viele Schriftsteller zu spüren. Denn wenn der große Marcel Reich-Ranicki über Bücher sprach, kannte er keine Kompromisse: Entweder zerriss er sie gnadenlos - oder er lobte sie mit Verve. Der am 2. Juni 1920 geborene "Literaturpapst" starb am 18. September 2013 mit 93 Jahren.
Reich-Ranicki galt als die zentrale Instanz der Literaturszene, als Medienstar, oft als "Literaturpapst" bezeichnet, auch wenn er diesen Ausdruck nicht mochte. Die meisten Deutschen kannten ihn als Kopf des "Literarischen Quartetts" im ZDF. Von 1988 bis 2001 besprach er mit Hellmuth Karasek (1934-2015), Sigrid Löffler - zum Schluss Iris Radisch - und einem wechselnden Gast in 77 Sendungen mehr als 400 Bücher. Das "Quartett" erreichte ein Millionenpublikum und hatte Macht: Was es besprach, egal ob Lob oder Verriss, wurde oft über Nacht zum Bestseller.


Über Umwege nach Deutschland
© dpa
Reich-Ranicki im Literarischen Quartett mit Elke Heidenreich
Von Martin Walsers 2002 erschienenem Skandalbuch "Tod eines Kritikers", in dem ein jüdischer Literaturkritiker zu Tode kommt, der unschwer als Reich-Ranicki zu erkennen ist, seien er und seine Frau Teofila "tief getroffen" gewesen, schrieb der Kritiker bitter. Angesichts seiner Vita, die er in seiner millionenfach verkauften Autobiografie "Mein Leben" beschrieb, ist das verständlich: Seine polnisch-jüdische Familie wurde von den Nazis verfolgt, seine Eltern und die seiner späteren Frau Teofila, mit der er sieben Jahrzehnte lang verheiratet war, bis sie 2011 starb, kamen um. Dem Paar gelang die Flucht. Über Umwege, unter anderem als Diplomat in London und Lektor in Warschau, kam Reich-Ranicki 1958 nach Deutschland und machte sich zunächst als scharfzüngiger Kritiker bei der "Zeit" in Hamburg einen Namen.



Kulturzeit-Gespräch mit ...
© ZDFVideoUwe Wittstock
Biograf (18.09.2013)
Statement von ...
© dpaVideoHellmuth Karasek
Literaturkritiker (18.09.2013)
Buch
Lupe"Mein Leben"
Marcel Reich-Ranicki
DTV 2003
ISBN: 3423130563
Buch
Lupe"Tod eines Kritikers"
Martin Walser
List Taschenbuch 2003
ISBN: 3548603262