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Pressler hat mehr als 30 Kinder- und Jugendbücher verfasst. Sie gelten als Plädoyer für eine offene und tolerante Gesellschaft.
Pressler hat mehr als 30 Kinder- und Jugendbücher verfasst. Sie gelten als Plädoyer für eine offene und tolerante Gesellschaft.
Keine heile Kinderwelt
Autorin und Übersetzerin Mirjam Pressler gestorben
Die Helden in Mirjam Presslers Büchern sind oft Außenseiter, sie sind einsam und haben Probleme. "Es gibt sie nicht, diese heile Kinderwelt", sagte die preisgekrönte Autorin und Übersetzerin, deren Kinderbücher trotzdem oder gerade deswegen zu den Klassikern des Genres zählen. Jetzt ist sie im Alter von 78 Jahren gestorben.
Mirjam Pressler war die deutsche Stimme der israelischen Schriftstellerin Zeruya Shalev, sie hat große Bücher von Amos Oz übersetzt und die kritische Übertragung für die Werkausgabe der Tagebücher von Anne Frank gesorgt. Hebräische, niederländische und englischsprachige Autoren verdanken ihr viel von der Bekanntheit, die ihre Bücher hierzulande gefunden haben. Für einzelne dieser Arbeiten, genau wie für ihr Lebenswerk ist sie oft ausgezeichnet worden. Noch im Dezember 2018 verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihr das Große Bundesverdienstkreuz. Sie habe sich "in herausragender Weise für die Völkerverständigung insbesondere zwischen Israel und Deutschland und die Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht" eingesetzt, so die Begründung.


Sie schrieb mehr als 30 Kinder- und Jugendbücher
Mirjam Pressler hat als Erzählerin, der das nicht an der Wiege gesungen worden war, mit ihren eigenen Kinderbüchern für Wegmarken der Erneuerung dieses Genres gesorgt, durch die Wahl der oft drastischen Themen seit dem Roman "Bitterschokolade" über Bulimie im Jahr 1980, auch durch den oft rauen Ton, der alles Niedliche vermieden hat, und durch die Zuwendung zu ihren Figuren und durch die Resonanz, die sie bei jungen und alten Leserinnen und Lesern gefunden hat. Sie war eine Vermittlerin all dieser Themen von unerschöpflicher Energie, sie war mit den Ländern und Kulturen vertraut, deren Literatur sie deutschsprachigen Lesern nahe gebracht hat. Große Worte in eigener Sache waren nicht ihr Ding, große Literatur war es bis zuletzt. Nach langer Krankheit, die sie nie daran gehindert hat, weiter zu arbeiten, ist Mirjam Pressler nun am 16. Januar 2019 verstorben.

Biografie
Mirjam Pressler wurde in Darmstadt geboren, lebte in den 1960er Jahren in Israel und später in München. Ihre Mutter war Jüdin, sie wuchs bei nicht-jüdischen Pflegeeltern und dann in einem Heim auf, wo sie selbst eine unglückliche Kindheit verbrachte. Aus erster Ehe hatte sie drei Töchter. Mit ihrem zweiten Ehemann wohnte sie die letzten zehn Jahre in Landshut. Pressler hat rund 30 Kinder- und Jugendbücher verfasst und mehr als 300 Bücher aus dem Hebräischen, Niederländischen und Englischen ins Deutsche übersetzt.
Geschichte
Starker Zusammenhalt
Mirjam Pressler über die Familie der Anne Frank (2010)