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"Vielleicht bin ich ein Idealist. Aber ich halte das Filmtheater weiter für eine Kathedrale, in die wir alle gemeinsam gehen, um gemeinsam zu träumen", so Bertolucci.
"Vielleicht bin ich ein Idealist. Aber ich halte das Filmtheater weiter für eine Kathedrale, in die wir alle gemeinsam gehen, um gemeinsam zu träumen", so Bertolucci.
Der "letzte Meister des italienischen Films"
Filmregisseur Bernardo Bertolucci ist tot
Bekannt ist er für seine Meisterwerke "Der letzte Tango in Paris", "1900" und "Der letzte Kaiser". Bernardo Bertolucci. Nun ist der 77-Jährige in seinem Haus in Rom gestorben, sagte eine Sprecherin seiner Agentur der Deutschen Presse-Agentur.
Er werde als einer der Größten des italienischen und internationalen Films erinnert werden, erklärten die Internationalen Filmfestspiele von Venedig auf Twitter. Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" nannte Bertolucci den "letzten Meister des italienischen Films", der nicht nur Regisseur, sondern auch Dichter, Produzent, Polemiker und brillanter Autor gewesen sei.

Bertolucci war am 16. März 1941 in Parma zur Welt gekommen. Sein Vater war Schriftsteller und Filmkritiker gewesen. Als Bertolucci 13 Jahre alt war, zog die Familie nach Rom. Ursprünglich wollte er in die literarischen Fußstapfen seines Vaters treten, ging später aber bei Regisseur Pier Paolo Pasolini in die Lehre. Gelobt wurde Bertolucci für die Bandbreite seines Werks, das schon vor seinem Tod zu den Klassikern der Moderne zählte: Seine Filme thematisierten das Verbotene, das Verborgene, sexuelle Gefühle, sie waren politisch und historisch.

Stets eigener Regiestil
Ungeachtet der Tatsache, dass er mit Hochkarätern aus Hollywood und der ganzen Welt zusammenarbeitete, verteidigte der Italiener stets seinen eigenen Regiestil gegen den von ihm wahrgenommenen Druck der amerikanischen Filmindustrie. "Wenn es um das kommerzielle Kino geht, habe ich die seltsame Freude daran, zu fühlen, dass ich von einem anderen Stamm bin, ein Eindringling", sagte er dazu einst der Zeitung "Corriere della Sera".

Bertolucci betrachtete das Filmemachen stets als Kommunikationsform mit dem Publikum. Filme waren seine Sprache, wie er immer wieder herausstellte. Er wurde mit etlichen internationalen Auszeichnungen geehrt, darunter mit mehreren Oscars. 2011 wurde er auf dem Filmfestival in Cannes für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Als er 1987 einen Preis für "Der letzte Kaiser" erhielt, sagte er dazu:

"Vielleicht bin ich ein Idealist. Aber ich halte das Filmtheater weiter für eine Kathedrale, in die wir alle gemeinsam gehen, um gemeinsam zu träumen."

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Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr