© ap
BeitragBeitrag
Ein Manifest für Europa: das "European Balkony Project".
Es lebe die europäische Republik!
Das "European Balcony Project"
Ein Europa der Bürgerinnen und Bürger - das wollen die Gründer des "European Balcony Project". Dafür rufen sie nach historischem Vorbild am 10. November 2018 die europäische Republik aus und knüpfen damit an den besonderen Moment vor 100 Jahren an.
"Wir sind uns bewusst, dass der Reichtum Europas auf Jahrhunderten der Ausbeutung anderer Kontinente und der Unterdrückung anderer Kulturen beruht. Wir teilen deshalb unseren Boden mit jenen, die wir von ihrem vertrieben haben. Europäer ist, wer es sein will. Die Europäische Republik ist der erste Schritt auf dem Weg zur globalen Demokratie."

Manifest erinnert an Republik-Ausrufungen von 1918
Das Manifest des European Balcony Project fordert einen bürgerfokussierten, dezentralen Kontinent, ein Europa ohne Nationen. 2018 - am 10. November um 16 Uhr - wird europaweit in Theatern und auf öffentlichen Plätzen in mehr als 20 Sprachen die europäische Republik verkündet. Das Manifest erinnert in seinem Stil an die Republik-Ausrufungen von 1918 - und das in voller Absicht, sagt die Politikwissenschaftlerin und Mitinitiatorin Ulrike Guérot, die gemeinsam mit dem Schriftsteller Robert Menasse zu den Verantwortlichen zählt: "Der Grundstein war, dass wir beide zur Jahresversammlung der deutschen Dramaturgischen Gesellschaft in Greifswald eingeladen waren und dort die Republik gestaltet haben - und dachten, dann können wir sie ja auch mal ausrufen, weil wir haben ja 1918 bis 2018. Das bietet sich ja geradezu an. Die Theater waren sofort begeistert und sind sofort darauf eingestiegen."

Statement von Ulrike Guérot und Robert Menasse:


 

Mehr als 250 europäische Kulturinstitutionen sind an der Kunst-Performance beteiligt, unter anderem das Staatstheater Mainz, das Rote Rathaus in Berlin und das Burgtheater Wien. "Es ist kein Aktionismus", sagt Robert Menasse gegenüber Kulturzeit. "Es ist eine künstlerische Intervention mit dem Ziel, eine Diskussion anzustoßen, die höchst notwendig ist. Wir sehen einfach, dass die Gefahr besteht, dass die europäische Union an den inneren Widersprüchen, die es im Moment gibt, zerbricht."

Nachdem das Europa der Nationalstaaten gescheitert sei, die Idee der europäischen Einigung nicht funktioniert habe und die Menschen vor dem europäischen Recht nicht gleich seien, müsse eine breite Diskussion ohne Tabus angestoßen und politisch realisiert und ausgebaut werden, so der Schriftsteller. "Ein Netzwerk der Regionen unter dem Dach einer europäischen Republik wäre ein solches Modell und das bedürfte aber auch eines entwickelten europäischen Parlamentarismus, der nicht beschränkt oder behindert werden kann durch nationale Staats-und Regierungschefs im Rat." Und weiter: "Wenn wir die Menschenrechtsdeklaration ernst nehmen, dann müssen wir aus der Friedens-Union Europa eine Sozial- und Fiskalunion machen. Und damit die Gleichheit aller europäischen Bürgerinnen und Bürger vor dem Recht."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr
Link
European Balcony Project
Das Manifest ist auf der Homepage in 29 Sprachen verfügbar.
Schwerpunkt
"Erzähl mir Europa"