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Aktivisten demonstrieren vor der russischen Botschaft in Prag für die Freilassung Oleg Senzows.
Aktivisten demonstrieren vor der russischen Botschaft in Prag für die Freilassung Oleg Senzows.
Für "Mut und Entschlossenheit" gewürdigt
Sacharow-Preis an ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow
Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit geht 2018 an den inhaftierten ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow. Damit werde der "Mut und die Entschlossenheit" des Regisseurs gewürdigt, sagte Parlamentspräsident Antonio Tajani am 25. Oktober im Straßburger Plenarsaal unter tosendem Applaus der Abgeordneten.
Tajani forderte Moskau auf, den in einer sibirischen Strafkolonie inhaftierten Filmemacher unverzüglich freizulassen. Senzow sei nach dem langen Hungerstreik schwer krank, mit seiner Aktion habe er sein Leben in Gefahr gebracht. Seit 2014 sitzt Oleg Senzow in russischen Gefängnissen. Ein Gericht verurteilte den heute 42-Jährigen zu 20 Jahren Lagerhaft. Im Winter 2013/2014 schloss sich der Filmemacher den prowestlichen Protesten in der ukrainischen Hauptstadt an, die im Februar 2014 zum Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch und dessen Flucht nach Russland führten. Anschließend unterstützte er die auf der Krim durch russische Truppen blockierten ukrainischen Soldaten mit Lebensmitteln und notwendigen Gütern. Im Mai 2014 geriet er ins Visier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Danach wurde er verhaftet.

Urteil: 20 Jahre Lagerhaft
© reuters Oleg Senzows wird für seinen Mut ausgezeichnet.
Oleg Senzows wird für seinen Mut ausgezeichnet.
Der Vorwurf: Senzow habe mit Gleichgesinnten Sprengstoffanschläge auf Denkmäler geplant und Brände in Büros russischer Organisationen gelegt. Als Beleg dienten vor allem Aussagen von Mitangeklagten. Im Prozess wurden sie zum Teil widerrufen, seien unter Zwang erlangt worden. Trotzdem verurteilte ein russisches Gericht den heute 42-Jährigen zu 20 Jahren Lagerhaft. Senzow trat im Gefängnis in den Hungerstreik, um gegen die Inhaftierung von zahlreichen Ukrainern in Russland zu protestieren. Er beendete den Hungerstreik kürzlich nach 144 Tagen, um einer Zwangsernährung zu entgehen.

Bekannte Persönlichkeiten wie der US-Autor Stephen King, Hollywoodstar Johnny Depp, der russische Regisseur Andrej Swyaginew und der französische Filmemacher Jean-Luc Godard setzen sich für Sanzows Freilassung ein. Die russische Regierung lehnt eine Freilassung aber ab - es sei denn, Senzow reicht ein Gnadengesuch ein. Das weist der Ukrainer jedoch ab. Senzow sei zur Stimme von rund 70 anderen Ukrainern geworden, die aus politischen Gründen und unter unmenschlichen Bedingungen in russischen Gefängnissen inhaftiert seien, so der CDU-Abgeordnete im EU-Parlament, Michael Gahler. Mit dem Preis sende das Europaparlament eine klare Botschaft an Moskau, betonte die SPD-Abgeordnete Petra Kammerevert. "Wir vergessen die Krim und die ukrainischen Bürger nicht." Die Preisverleihung ist am 12. Dezember in Straßburg geplant.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr
Info
© dpaLupeSacharow-Preis
Der nach dem verstorbenen russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow benannte und mit 50.000 Euro dotierte Preis wird vom Europaparlament seit 1988 an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen.2017 ging der Preis an die "demokratische Opposition" in Venezuela.
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