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Tom Schilling spielt den Maler Kurt, dem es gelingt, "das Trauma seiner Existenz in Kunst zu verwandeln", wie Florian Henckel von Donnersmarck es formuliert.
Tom Schilling spielt den Maler Kurt, dem es gelingt, "das Trauma seiner Existenz in Kunst zu verwandeln", wie Florian Henckel von Donnersmarck es formuliert.
Sehr langes Kunst-Werk
Florian Henckel von Donnersmarcks "Werk ohne Autor"
2006 war Florian Henckel von Donnersmarck der Shooting Star des deutschen Films. Mit seinem Kinodebüt "Das Leben der anderen" gewann er auf Anhieb einen Oscar. Er zog nach Los Angeles, um in Hollywood zu arbeiten. Doch seine erste US-amerikanische Produktion - "The Tourist" - geriet zum Debakel. Nun meldet er sich mit "Werk ohne Autor" zurück.
"Werk ohne Autor" ist ein historisches Melodrama in drei Akten und umspannt 30 Jahre deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts. Es geht um fundamentale ästhetische Fragen: um die Freiheit der Kunst, um das Verhältnis von Schönheit und Wahrheit. Tom Schilling spielt den Maler Kurt, dem es gelingt, "das Trauma seiner Existenz in Kunst zu verwandeln", wie Florian Henckel von Donnersmarck es formuliert. An der Hand seiner Tante Elisabeth (Saskia Rosendahl) besucht er in den 1930er Jahren eine Ausstellung sogenannter entarteter Kunst. Später muss er schockiert mit ansehen, wie Elisabeth im Zuge des NS-Euthanasie-Programms abtransportiert wird.

Inspiration: die Biographie des Malers Gerhard Richter
Nach dem Krieg wird er nach den Prinzipien des "sozialistischen Realismus" ausgebildet und soll ein Wandbild mit proletarischen Motiven ausmalen. Kurz vor dem Bau der Mauer geht er in den Westen, wo er bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie schließlich seinen eigenen künstlerischen Ausdruck findet. Die Inspiration für diese Figur liefert die Biographie des Malers Gerhard Richter. Wie dieser wird Kurt mit unscharf abgemalten Fotos berühmt, zu denen er jeden Kommentar verweigert, weshalb sie von der Kunstkritik als "Werk ohne Autor" etikettiert werden.

Als Kunststudent In Dresden verliebt sich Kurt in Ellie, gespielt von Paula Beer. Die beiden werden ein Paar und heiraten, sehr zum Missfallen ihres Vaters, eines einflussreichen Arztes, der Angst um das Erbgut seiner Tochter hat. Sebastian Koch spielt diesen Professor Seeband als einen skrupellosen Opportunisten, der zunächst in SS-Uniform posiert und maßgeblich am Euthanasie-Programm beteiligt war. Nach dem Krieg gelingt es ihm mühelos, sich an die neuen sozialistischen Verhältnisse in der DDR anzupassen und später im Westen Karriere zu machen. Wie es der Zufall und das Drehbuch wollen, war er auch für die Deportation und den Tod von Elisabeth verantwortlich. Ein Zusammenhang, der schließlich in Kurts fotorealistischen Bildern sichtbar wird. Die Wahrheit findet ihren Ausdruck in der Kunst.

Fürs Kino ziemlich lang geraten
Allerdings hat der Film Mühe, eine angemessene Form für seinen ambitionierten Gegenstand zu finden. Obwohl Florian Henckel von Donnersmarck den renommierten Hollywood-Kameramann Caleb Deschanel gewinnen konnte, haben die Bilder über weite Strecken die Anmutung einer hochwertigen TV-Produktion. Mit drei Stunden ist der Film für das Kino ziemlich lang geraten. Mit zusätzlichem Material angereichert könnte man ihn sich gut als Mehrteiler im Fernsehen vorstellen.

Der Film schickt seinen Helden auf eine Reise durch markante Stationen deutscher Geschichte: Nationalsozialismus, Euthanasie und Krieg, die Bombardierung von Dresden, die sozialistische Gleichschaltung in der DDR und am Ende die grenzenlose Freiheit der Kunst im Westen. Die Verflechtungen zwischen den individuellen Biographien und den historischen Verhältnissen werden so überdeutlich ins Bild gesetzt, als wollte der Regisseur einem ausländischen Publikum die unterschiedlichen Etappen deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts erklären. Man fühlt sich belehrt und reagiert irritiert. Vieles hat man anderswo schon differenzierter gesehen. Irritierend ist auch die Inszenierung der Liebesgeschichte zwischen Kurt und Ellie. Immer wieder sieht man die beiden nackt im Bett und fragt sich, was der Film damit zum Ausdruck bringen will. Die Schönheit der nackten Körper oder ihre Verletzlichkeit? Man vermisst eine persönliche Handschrift. So ist der Film in gewisser Weise selbst ein Werk ohne Autor.

Gerhard Richter findet Film "zu reißerisch"
Maler Gerhard Richter findet den Film "zu reißerisch", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in seinem Wohnort Köln. Gesehen habe er den Film zwar nicht, "schon aus praktischen Gründen - weil ich dreieinhalb Stunden gar nicht aushalte in meinem Alter". Aber der Trailer, den ihm der Regisseur gezeigt habe, habe ihm gereicht. Einmal habe er gefragt, ob er eine DVD bekommen könne, aber das sei abgelehnt worden. Juristisch könne er gegen den Film nichts unternehmen. Sein Name kommt darin an keiner Stelle vor.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr