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Wohl selten ist bei Wissenschaftlern die Arbeit so eng miteinander verwoben wie bei dem Ehepaar Aleida und Jan Assmann.
Wohl selten ist bei Wissenschaftlern die Arbeit so eng miteinander verwoben wie bei dem Ehepaar Aleida und Jan Assmann.
Für eine Erinnerungskultur
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2018 an Ehepaar Assmann
Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht 2018 an die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann. Das Ehepaar habe ein Werk geschaffen, "das für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist", begründete der Stiftungsrat am 12. Juni 2018 seine Entscheidung.
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Das vielfach wissenschaftlich ausgezeichnete Ehepaar Assmann, das fünf Kinder hat, lebt in Konstanz. Die Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann (71) machte sich mit Studien zur Erinnerungskultur einen Namen. "Angesichts einer wachsenden politischen Instrumentalisierung der jüngeren deutschen Geschichte leistet sie in hohem Maße Aufklärung zu Fragen eines kulturellen Gedächtnisses einer Nation", so der Stiftungsrat. Ihr Werk weise darauf hin, dass ein ehrlicher Umgang mit der Vergangenheit Bedingung für ein friedliches Miteinander sei.

"Wir dürfen nicht in die alte Rhetorik von Ehre und Schande zurückfallen", sagte Aleida Assmann im Februar 2018 der "Süddeutschen Zeitung" - zu Björn Höcke befragt. Der hatte in einer Rede in Dresden unter anderem mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt: "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat." Angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte plädiert Aleida Assmann in ihrem jüngsten Buch "Menschenrechte und Menschenpflichten" (2017) für einen neuen Gesellschaftsvertrag. Darin müssten die Menschenrechte, Werte wie Empathie und Solidarität sowie ein Kanon von Regeln für ein faires und respektvolles Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten maßgeblich sein.

Ägyptologe Jan Assmann
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Jan Assmann (79), bis zur Emeritierung 2003 Professor für Ägyptologie an der Universität Heidelberg, hat mit seinem umfangreichen wissenschaftlichen Werk internationale Debatten zu kulturellen und religiösen Grundfragen angestoßen. Mit seinen religionswissenschaftlichen Arbeiten und seinen Thesen zum Monotheismus hat er für Furore gesorgt. Dessen Anfänge sieht er im Auszug der Israeliten unter Moses aus Ägypten. Mit seinen Schriften zum Zusammenhang von Religion und Gewalt sowie von Intoleranz und absolutem Wahrheitsanspruch habe er einen unverzichtbaren Beitrag zum Verständnis der Friedensbereitschaft und Friedensfähigkeit der Religionen geleistet, heißt es in der Begründung der Jury.
Buchmesse Leipzig 2015
Video Jan Assmann zu Gast am 3sat-Stand
zu seinem Buch "Exodus - Die Revolution der Alten Welt"

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gehört zu den bedeutendsten Kulturauszeichnungen des deutschsprachigen Raums. Mit dem Preis werden seit 1950 Schriftsteller, Philosophen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland geehrt. 2017 erhielt die kanadische Autorin Margaret Atwood die Auszeichnung. Der mit 25.000 Euro verbundene Preis geht dem Statut zufolge an Persönlichkeiten, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen" haben. 2018 wird das zweite Mal ein Paar ausgezeichnet. 1970 erhielten die beiden schwedischen Friedensforscher Alva und Gunnar Myrdal die Auszeichnung. Der Preis wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober 2018 in der Paulskirche verliehen.
Porträt
Friedenspreis für Margaret Atwood
Kanadische Schriftstellerin in Frankfurt am Main ausgezeichnet
Chronistin einer "Welt in Aufruhr"
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Carolin Emcke