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Der Iraner Ashgar Farhadi hat seinen neuen Film in Spanien mit großer Starbesetzung gedreht: in den Hauptrollen Penelope Cruz und Javier Bardem, Traumpaar des spanischen Kinos.
Familie unter Druck
Ashgar Farhadis vielversprechender Film hat Cannes eröffnet
Mit "Todos lo saben" ("Everybody Knows"/"Alle wissen es") hat man in Cannes einen vielversprechenden Eröffnungsfilm ausgewählt, sagt unser "Kulturzeit"-Filmexperte Peter Paul Huth.
Der Iraner Ashgar Farhadi hat seinen neuen Film in Spanien mit großer Starbesetzung gedreht: in den Hauptrollen Penelope Cruz und Javier Bardem, Traumpaar des spanischen Kinos mit internationalem Flair. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, die der Film nicht ganz erfüllen konnte.

Laura (Penelope Cruz) kommt aus Argentinien zur Hochzeit ihrer Schwester nach Spanien. Was als ein rauschendes Familienfest beginnt, wird zum Albtraum, als ihre Tochter entführt wird. Verzweifelt versucht man das geforderte Lösegeld aufzutreiben. Die Familie gerät unter Druck, Misstrauen breitet sich aus. Ist jemand aus der Verwandtschaft in die Entführung verwickelt? Verdrängte Geheimnisse kommen ans Tageslicht, als Laura ihre Jugendliebe Paco, gespielt von Javier Bardem, um Hilfe bittet. Meisterhaft inszeniert Farhadi die komplexen Familienbeziehungen, zeigt, wie sich Konflikte und Verdächtigungen ausbreiten. Dabei greift er Situationen auf, die man aus seinen früheren Filmen kennt. Eine Frau, die zwischen zwei Männern steht und von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Paare, die durch ein traumatisches Ereignisse unter Druck geraten und daran zu zerbrechen drohen.

Verhindertes Liebespaar in La Mancha
Die Weinregion von La Mancha bietet ein ungewöhnliches Setting. Eine Gegend, die man selten im Kino sieht. Penelope Cruz und Javier Bardem sind stark in ihren Rollen als verhindertes Liebespaar, das von seinen früheren Gefühlen eingeholt wird. Aus der Entführungsgeschichte entwickelt sich ein Thriller, der zunehmend melodramatische Züge annimmt. Man schaut gebannt zu, wie sich das Drama um das entführte Mädchen entfaltet. Zugleich spürt man, wie der Film mit der komplexen Figurenkonstellation kämpft und sich streckenweise darin verliert. Das wirkt manchmal etwas dick aufgetragen, zum Beispiel, wenn es zum emotionalen Showdown kommt.

In seinen früheren Filmen war Farhadi zurückhaltender und nüchterner, wenn es um die Konflikte seiner Figuren ging. Hier hat ihn vielleicht der spanische Hang zum Melodram mitgerissen. Man spürt, wie der iranische Regisseur neue Formen ausprobiert. Alles in allem ein gelungener Auftakt in Cannes, ein ambitionierter Film mit Glamour-Faktor, der den roten Teppich am Eröffnungsabend schmückte.

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© ZDFVideoPeter Paul Huth, "Kulturzeit"-Film-Redakteur
(08.05.2018)