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Muss man denn bei strahlendem Sonnenschein und dem lockend blauen Meer in der Dunkelheit des Kinos verschwinden? Ja, man muss!
Es Cannes losgehen
Das Filmfestival an der Cote d’Azur 2018
Eröffnung der 71. Filmfestspiele in Cannes - es geht wieder los: Auf dem roten Teppich vor dem Palais du Cinema, direkt neben dem Strand der Cote d’Azur, beobachtet von Tausenden Filmkritikern aus aller Welt. Auch dabei ist unsere Redaktionsleiterin Monika Sandhack:
Für kurze Zeit fühlt man sich als Mitglied einer eingeschworenen Gemeinschaft, die sich Tag für Tag wieder neugierig und erwartungsvoll vor dem Festival Palais versammelt. Je nach Farbe der Akkreditierung reiht man sich in eine der Warteschlangen ein. Je nach Wichtigkeit und Funktion bekommt man einen guten oder weniger guten Platz in der "Salle Lumière" mit den 3000 Plätzen, dem Herzen des Festivals. Jeden Morgen beginnt dieser Reigen aufs Neue, den Außenstehende nur schwer nachvollziehen können. Muss man denn bei strahlendem Sonnenschein und dem lockend blauen Meer in der Dunkelheit des Kinos verschwinden? Ja, man muss! Wer will denn nicht dabei sein in Cannes, wenn wieder einmal Kinogeschichte geschrieben wird, wenn Regiestars und Talente entdeckt und Filme gefeiert werden. Es geht immer auch ein wenig um die Aura des Augenblicks.

Vieles ist dieses Jahr anders
In diesem Jahr allerdings ist vieles anders: Für Journalisten gibt es keine Vorpremieren mehr und die Stars auf dem roten Teppich dürfen keine Selfies mehr machen. Mit diesen strengen Regeln will Thierry Frémaux, der Leiter des Filmfestivals in Cannes, dem Ereignis mehr Glanz und Exklusivität verleihen. Dafür musste er herbe Kritik einstecken. Und auch den Wirbel um die Netflix-Filme wird es bei diesem Jahrgang nicht geben. 2017 rivalisierten noch zwei Produktionen des US-Streaming-Anbieters um die Goldene Palme. Nach der heftigen Kritik, wonach sich Cannes zur Werbeplattform dieser Dienste mache, änderte Frémaux auch hier die Regeln: Weil es keine Kinoauswertung in Frankreich gebe, sollten Netflix-Filme nur außerhalb des Wettbewerbs gezeigt werden. Dieses Angebot schlug der US-Streaming-Dienst allerdings aus. Einige vielversprechende Filme werden daher nicht in Cannes laufen, weil sie unter der Ägide von Netflix stehen.

Dafür sind andere große Namen des Weltkinos vertreten: Der französische Altmeister Jean-Luc Godard präsentiert sein neues Werk, US-Regisseur Spike Lee geht mit seinem Film "BlacKkKlansman" um einen afroamerikanischen Polizisten und den Ku-Klux-Klan ins Rennen. Der Russe Kirill Serebrennikov, in seiner Heimat noch unter Hausarrest, wird seinen neuen Film vorstellen, ebenso wie der Iraner Jafar Panahi, der sein Land nicht verlassen darf. Cannes setzt in diesem Jahr mehr auf Politik, weniger auf Stars. Aber eröffnet wird das Festival mit dem Film des Oscar-Preisträgers Asghar Farhadi, der für "Everybody Knows"‘ mit Penélope Cruz und Javier Bardem drehte: die Geschichte um eine Frau, die mit ihrer Tochter nach Spanien zurückkehrt, wo das Mädchen spurlos verschwindet. Dieser Thriller ist einer von 21 Beiträgen, die um die Goldene Palme konkurrieren.

Keine deutschen Filme im Wettbewerb
Deutsche Filmemacher gibt es 2018 nicht im Wettbewerb. Wim Wenders ist mit seiner Dokumentation "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" zu einer Sondervorführung eingeladen. Für diesen Film erhielt Wim Wenders ungewöhnliche Einblicke hinter die Kulissen des Vatikans. Und der deutsche Regisseur Ulric Köhler zeigt in der renommierten Reihe "Un Certain Regard" seinen Film "In My Room". Nach Cannes zurückkehren wird der Däne Lars von Trier, der 2011 in Cannes wegen seiner Nazi-Äußerungen zur Persona non grata erklärt worden war und sein neues Werk außerhalb der Konkurrenz vorstellt. Bei aller Kritik bleibt zu hoffen, dass Cannes die Zeichen der Zeit erkennen und offen für Neues bleiben wird: Mit seiner Auswahl zeigt das Festival, dass neue Wege beschritten werden müssen.

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© ZDFVideoPeter Paul Huth, "Kulturzeit"-Film-Redakteur
(08.05.2018)