© dpa
VideoVideo
Der Niederländer Gerrit Claesz. Bleker nahm die Sage um "Weinsbergs Weiber", die ihre Männer auf dem Rücken aus der von Stauferkönig Konrad belagerten Burg retteten, als Motiv.
Weinsbergs Weiber
Raubkunst-Werk aus Sammlung Max Stern zurückgegeben
Während in Düsseldorf der Streit um die abgesagte Ausstellung zu Leben und Werk des jüdischen Kunsthändlers Max Stern nicht enden will, hat das baden-württembergische Weinsberg Fakten geschaffen: Ein Raubkunst-Gemälde aus der Sammlung Stern hat sie nicht nur an die Erben zurückgegeben, sondern auch gleich wieder gekauft.
Es handelt sich um "Die Weiber von Weinsberg" des Niederländers Gerrit Claesz. Bleker aus dem Jahr 1624, das im Weibertreu-Museum der Kleinstadt im Landkreis Heilbronn hängt. Es war 1937 enteignet und zwangsversteigert worden. 1968 hatte es die Stadt Weinsberg aus Privatbesitz erworben. Man sei sehr glücklich, da das Bild ein Kernstück der Sammlung sei und eng mit der Geschichte Weinsbergs verwoben, sagte der stellvertretende Bürgermeister Uwe Grobshäuser (CDU) bei der Präsentation des Gemäldes in München. Der Kaufpreis liege im fünfstelligen Bereich.

Streit um Max Stern-Ausstellung in Düsseldorf
Ursprünglich war die Restitution des Bildes im Herbst in Düsseldorf geplant, anlässlich einer Ausstellung über Leben und Arbeit Sterns (1904-1987). Er war dort Kunsthändler, bis er 1937 unter dem Druck des NS-Regimes floh und schließlich nach Kanada gelangte, wo er bis zu seinem Tod 1987 lebte. Die Stadt Düsseldorf sagte die Schau jedoch ab und begründete dies mit aktuellen Auskunfts- und Restitutionsgesuchen in deutschen Museen. Führende Stern-Experten hatten sich zuvor aus der Zusammenarbeit zurückgezogen. Das "Max Stern Art Restitution Project" forscht seit Jahren nach rund 400 Kunstwerken aus der Sammlung.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr
Debatte
Nein zu Max-Stern-Tagung
Experten erteilen Stadt Düsseldorf eine Absage (April 2018)
Info
"Die Weiber von Weinsberg"
Als 1140 der Stauferkönig Konrad die damals dem Bayern-Herzog Welf treu ergebene Burg Weinsberg belagerte, schlich sich der Sage nach eine junge Frau in das feindliche Lager, um Konrad um Schonung zu bitten. Der Stauferkönig sagte ihr zu, dass alle Weiber die Stadt vor der Eroberung verlassen und dabei alles mitnehmen dürften, was sie tragen konnten. Am nächsten Morgen trugen die "Weiber von Weinsberg" ihre Männer auf dem Rücken zur Burg hinaus. Der König war von dieser List so beeindruckt, dass er sie ziehen ließ.