© dpa
Beitrag (22.01.2018)Beitrag (22.01.2018)
Die Stadt Düsseldorf hatte im Oktober 2017 ihrerseits kurzfristig und überraschend die für Februar 2018 geplante Ausstellung über das Leben und Wirken von Max Stern im Düsseldorfer Stadtmuseum abgesagt.
Nein zu Max-Stern-Tagung
Experten erteilen Stadt Düsseldorf eine Absage
Für die Stadt Düsseldorf entwickelt sich das Thema Max Stern immer mehr zu einem Alptraum. Es geht um enteignete Kunst, die fragwürdige Herkunft von Gemälden in den städtischen Museen und um eine ziemlich desolate Kommunikation mit den Erben des jüdischen Kunsthändlers Max Stern. Was eigentlich als internationale Kooperation Vorbildfunktion für den Umgang mit dem Thema Raubkunst haben sollte, fällt Düsseldorf jetzt als Scherbenhaufen vor die Füße.
Mit ziemlich deutlichen Worten haben die weltweit führenden Stern-Experten der Zusammenarbeit mit der Stadt eine Absage erteilt. „Aus mangelndem Respekt meiner Arbeit gegenüber habe ich mich aus allen in Düsseldorf geplanten Projekten zu Max Stern zurückgezogen“, erklärt Catherine MacKenzie, emeritierte Professorin für Kunstgeschichte an der Concordia University in Montreal, gegenüber Kulturzeit. Philip Dombowsky, Archivar der National Gallery in Ottawa und Verwalter des Max-Stern-Nachlasses, hat sich ebenfalls aus der Zusammenarbeit zurückgezogen. Eine offizielle Erklärung, warum die ursprünglich von Dombowsky und MacKenzie als Co-Kuratoren mitkonzipierte Ausstellung im Oktober 2017 abgesagt wurde, habe er nie erhalten. Und auch das Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI) möchte keinen Vertreter in den Beirat für die jetzt geplante Ausstellung in Düsseldorf entsenden. Denn auch das ZI arbeitet mit der Max Stern-Stiftung an einem gemeinsamen Forschungsprojekt.


Die Ankündigung, im November eine Tagung mit internationalen Experten zum Leben und Wirken Max Sterns abzuhalten, und dann Ende 2019 eine große Ausstellung im Düsseldorfer Stadtmuseum zu präsentieren, war wohl als Kommunikationsoffensive geplant und sollte aus Sicht der Stadt sicherlich als Erfolg wahrgenommen werden. Oberbürgermeister Thomas Geisel, Kulturdezernent Hans-Georg Lohe und die städtische Provenienzforscherin Jasmin Hartmann hatten am 26. April 2018 zum Gespräch geladen. Und tatsächlich kommt ja auch endlich Bewegung in diesen festgefahrenen Streit um die lange geplante, dann kurzfristig abgesagte, und schließlich doch wieder ins Programm genommene Ausstellung über den Düsseldorfer Galeristen Max Stern. Nur sind die Entwicklungen alles andere als positiv für die Stadt.

Die Absagen der kanadischen Experten haben der Bürgermeister und der Kulturdezernent bewusst verschwiegen, als sie über ihre Pläne für die Tagung und die Ausstellung informierten. Dieter Vorsteher, lange stellvertretender Direktor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, soll die Ausstellung als Gast-Kurator im Stadtmuseum Düsseldorf planen. Uwe Schneede, langjähriger Direkter der Hamburger Kunsthalle und ehemaliger Vorstand der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg, soll den Beirat für die Ausstellung leiten. Düsseldorf hat also hochkarätige Namen gefunden, um eine fundierte Ausstellung über Max Stern auf die Beine zu stellen. Doch ohne die Mitarbeit der kanadischen Experten verliert das Konzept mit einem Schlag zehn Jahre Forschungsarbeit. MacKenzie und Dombowsky seien angefragt, hieß es lediglich von Bürgermeister und Kulturdezernent.

Ausstellungskonzept war kurzfristig abgesagt worden
Im Oktober hatte Düsseldorf sehr überraschend und kurzfristig das alte Ausstellungskonzept abgesagt. Aus Rücksicht auf laufende Restitutionsforderungen wollte die Stadt keine Ausstellung realisieren, die ungeklärte Werke thematisieren könnte. Und außerdem, so hieß es in der Begründung der Stadt, sei die Perspektive auf das Leben und Wirken Max Sterns sehr einseitig ausgefallen. Fast drei Jahre hatte die Direktorin des Düsseldorfer Stadtmuseums, Susanne Anna, mit Catherine MacKenzie und Philip Dombowsky an dem gemeinsamen Konzept gearbeitet. Dass die Ausstellung nun ohne die Expertise der beiden Forscher realisiert werden soll, ist vor allem für das Publikum tragisch, das durch einen internationalen Blick auf das Leben des jüdischen Kunsthändlers Max Stern, viel zu erfahren hätte. 1937 musste Max Stern unter Zwang seine Galeriebestände in Düsseldorf auflösen.

Über Paris und London erreichte er schließlich Montreal, wo er seine zweite Karriere als Galerist begann. Schnell wurde er zum Entdecker der kanadischen Moderne und zum erfolgreichen Händler. Die eigene Geschichte hatte er stets für sich behalten. Erst nach seinem Tod 1987 haben seine Erben, die kanadische McGill University, die kanadische Concordia University und die israelische Hebrew University die Einzelteile seines Lebens zu einem Puzzle zusammengefügt. Diese faszinierende Geschichte wurde bislang noch nicht als Ausstellung in Deutschland gezeigt.

Catherine MacKenzie, die seit über zehn Jahren zu der Geschichte Max Sterns geforscht hat, fühlte sich geehrt an diesem internationalen Projekt teilzunehmen. "Durch die Absage und deren Begründung fühle ich mich zunehmend abgewertet", sagte MacKenzie gegenüber Kulturzeit. Der Düsseldorfer Kulturdezernent Hans-Georg Lohe hofft weiterhin, die Gespräche mit den kanadischen Experten wieder aufnehmen zu können. Zur Not werde die Stadt diese Ausstellung aber auch alleine auf die Beine stellen. Dann halt aus der Düsseldorfer Perspektive.


Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr