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Das Mammut-Projekt Humboldt-Forum im wiederaufgebauten Berliner Schloss schreitet voran.
Das Mammut-Projekt Humboldt-Forum im wiederaufgebauten Berliner Schloss schreitet voran.
"Kein Tränenpalast"
Neue Debatte um Umgang des Humboldt-Forums mit Raubkunst
Ende 2019 soll das Humboldt-Forum im Berliner Schloss eröffnet werden. Immer wieder sorgte das Mammut-Projekt bisher für Debatten. Zurzeit steht erneut die Raubkunst in den ethnologischen Sammlungen, die künftig hier gezeigt werden sollen, im Fokus.
"Geraubte und gestohlene Dinge werden wir zurückgeben, andere Objekte kann man verleihen", sagte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der "Zeit". Auch müsse das Humboldt-Forum verstärkt über Kooperationen nachdenken. Selbst eine Filiale in Kamerun wollte Parzinger nicht ausschließen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kündigte an, das Thema Kolonialismus in den Mittelpunkt zu rücken und die Provenienzforschung zu stärken. "Für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will ich sechs Stellen zusätzlich ermöglichen, davon allein vier für die Kolonialismusaufarbeitung." Zudem soll die Kunsthistorikerin Benedicte Savoy bei der inhaltlichen Gestaltung des Humboldt-Forums "an zentraler Stelle" mitwirken. Wie die Zeitung unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtete, plant Grütters, Savoy als ihre enge Beraterin vor allem im Bereich Rückgabe von Raubkunst aus den Beständen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einzusetzen. Savoy berät ebenfalls den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und hatte im Sommer 2017 mit scharfer Kritik am Humboldt-Forum eine Debatte über den Umgang der Berliner Museen mit Raubkunst angestoßen.

Hintergrund ...

<b>ARTIKEL</b><br /> Debatte um Humboldt-ForumSPK-Präsident Parzinger zu den Vorwürfen von Kunsthistorikerin Savoy (27.07.2017)  © dpa ARTIKEL
Debatte um Humboldt-ForumSPK-Präsident Parzinger zu den Vorwürfen von Kunsthistorikerin Savoy (27.07.2017)
<b>ARTIKEL</b><br />"Da gibt es Klarstellungsbedarf".Klaus Lederer in "Kulturzeit" zur Debatte ums Humboldt-Forum (15.08.2017) © dpa ARTIKEL
"Da gibt es Klarstellungsbedarf".Klaus Lederer in "Kulturzeit" zur Debatte ums Humboldt-Forum (15.08.2017)

 

Viola König kritisiert: Wieder bestimmt der "europäische Blick"
Die langjährige Direktorin der Ethnologischen Sammlung, Viola König, fodert indessen eine grundlegende Kehrtwendung. "Wie das Humboldt-Forum derzeit geplant wird, kann es nicht weitergehen." Wieder bestimme "der europäische Blick" darüber, was von rund 500.000 Kunst- und Kulturstücken aus aller Welt gezeigt werde. "Die Zeit solcher Inszenierungen ist in meinen Augen vorbei."

Bislang sei geplant, nur zwei Prozent der Sammlungen zu zeigen, der Rest solle im Depot bleiben, so König. "Dabei ist gerade die schiere Menge dazu geeignet, die überfälligen Debatten anzustoßen. Ich plädiere für einen Dschungel, in dem die Objekte ungefiltert und ehrlich auf die Besucher einrücken und sie mental, fast physisch ergreifen." Dabei gehe es nicht um Reduzierung auf Schuldfragen: "Das Schloss ist kein 'Tränenpalast'." Vielmehr gehe es um Aufklärung und Bewusstseinsschärfung.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr