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"Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen. Ich sage Euch dies als jemand, der 27 Jahre lang ein Mann des Militärs war", sagt Rabin 1995.
Was wurde aus Jitzchak Rabins Mörder?
Als Premierminister Jitzchak Rabin am Abend des 4. November 1995 die Bühne auf dem Platz der Könige in Tel Aviv betritt, jubeln ihm die Massen zu. 150.000 Demonstranten haben sich unter dem Motto "Ja zum Frieden, Nein zur Gewalt" versammelt, um für den Oslo-Prozess und eine Zwei-Staaten-Lösung zu demonstrieren. "Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen. Ich sage Euch dies als jemand, der 27 Jahre lang ein Mann des Militärs war", sagt Rabin in seiner Rede. Eine Stunde später ist er tot. Erschossen von Jigal Amir, einem radikalen, ultra-orthodoxen Jura-Studenten.
Bis heute sitzt Jigal Amir im Gefängnis. Von Reue keine Spur. Kurz nach der Tat sagt er zu einem Polizisten: "Holen Sie Wein und Kuchen. Wir wollen einen Toast ausbringen." Das Einzige, was er bereue, sei, Rabin nicht schon früher getötet zu haben. Zwei Wochen vor dem Attentat, am 24. April 1995, hatte der israelische Premier noch gemeinsam mit Jassir Arafat, Palästinenserpräsident und Feindbild der israelischen Rechten, den Friedensvertrag "Oslo II" abgeschlossen. Der Vertrag räumte den Palästinensern mehr Rechte ein.

© ap Bis heute sitzt Jigal Amir im Gefängnis.
Bis heute sitzt Jigal Amir im Gefängnis.
Für den streng-religiösen Amir, damals 25 Jahre alt, bedeutet das Verrat. Verrat am auserwählten jüdischen Volk, am gelobten Land und am Wort Gottes. Mit dieser Ansicht ist er nicht allein: Kurz vor der Tat noch hatte er sich an einen Rabbiner seine Gemeinde gewendet, der ihn in seinem Vorhaben zu morden bekräftigte. Die Stimmung im gesamten Land ist im Jahr 1995 aufgeheizt: Eine Demonstration der konservativen Likud-Partei von Benjamin Netanyahu, damals Oppositionsführer, sorgt für Aufsehen: Friedensarchitekt Jitzchak Rabin wird dort auf Plakaten als SS-Mann verunglimpft. "Tötet Rabin!", rufen einige. Jigal Amir nimmt es wörtlich.

Im Gefängnis wird Jigal Amir Vater. Die Mutter: Eine Einwanderin aus Russland und Doktorin der Philosophie. Sie hat Amir wahrscheinlich erst nach dem Attentat kennen- und wegen seiner radikalen Ansichten lieben gelernt. Der Beischlaf wird den beiden von einem Gericht verwehrt, die Befruchtung künstlich vollzogen. Auch die Eheschließung findet nur am Telefon statt. Seinen Sohn lässt Jigal Amir am 4. November 2007, dem Jahrestag des Attentats, nach jüdischer Tradition beschneiden.

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