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Die Groteske "Mein Kampf" von George Tabori beschäftigt sich mit den jungen Jahren Adolf Hitlers.
Freier Eintritt mit Hakenkreuz
Wirbel um George Taboris "Mein Kampf" im Theater Konstanz
Das Theater Konstanz unterbreitet seinen Zuschauern ein höchst umstrittenes Angebot: Wer bei der Aufführung von George Taboris "Mein Kampf" ein Hakenkreuz-Symbol im Saal trägt, erhält freien Eintritt. Pure Provokation?
Das Theater will nach eigenen Angaben mit der Aktion zeigen, wie leicht korrumpierbar Menschen seien. Wer dagegen Eintritt zahle, dürfe sich für einen Davidstern entscheiden - als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der NS-Gewaltherrschaft. Der Einfall sorgt für große Aufregung und heftige Kritik.

Staatsanwaltschaft: Hakenkreuze in Theateraufführung nicht strafbar
© Ilja Mess Provokation mit Symbolen ...
Provokation mit Symbolen ...
Bei der Staatsanwaltschaft waren bereits Anzeigen eingegangen. Die geplante Verwendung von Hakenkreuz-Symbolen während einer Theateraufführung sei jedoch nicht strafbar, teilte die Staatsanwaltschaft am 18. April mit. Das Konzept sei von der Kunstfreiheit gedeckt. Daher werde kein Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen des Stadttheaters eingeleitet. Taboris "Mein Kampf" ist nach Angaben des Theaters eine Groteske der frühen Jahre Hitlers. Sie zeige, "dass wir nicht von Ideologien befreit sind" und sich historischer Horror entwickeln könne, hieß es im Schauspielhaus. Ausgedacht hat sich die Provokation mit der Symbolik von Hakenkreuz und Davidstern der in der Türkei geborene deutsche Kabarettist und Regisseur Serdar Somuncu.

Im Deutschlandfunk Kultur verteidigte Somuncu seine Herangehensweise. "Die Zuschauer können diese Symbole tragen, sie müssen sie nicht tragen", sagte er. Diese Kritik sei doch "sehr oberflächlich" gewesen: "Und deswegen nervt es auch, weil natürlich das Stück im Vordergrund steht, und ich bin sicher, wer das Stück gesehen hat, der wird am Ende wissen, dass das, was jetzt besprochen wird, nur eine Kleinigkeit war."


Bislang seien bereits mehrere Anfragen für eine Freikarte im Gegenzug für das Tragen eines Hakenkreuz-Symbols eingegangen, sagte Theaterintendant Christoph Nix. Ein Treffpunkt für Nazis soll das Theater nicht werden. Man werde darauf achten, dass bei den insgesamt 14 Vorstellungen jeweils nur eine Handvoll Menschen Freikarten bekämen. Am Eingang werde streng kontrolliert und auch intensiv darauf geachtet, dass die Symbole nach der Veranstaltung wieder eingesammelt würden. Zudem seien Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, falls es zu Zwischenfällen kommen sollte.

Zweite Provokation: Premiere an Hitlers Geburtstag
Genauso provokant wie die Symbolik ist auch die Tatsache, dass das Premieren-Datum auf den Geburtstag von Adolf Hitler, den 20. April, fällt - laut Intendant Nix ein Wunsch seines Freundes Tabori (1914-2007). Die Deutsch-Israelische Gesellschaft in der Bodensee-Region und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz haben zum Boykott des Stückes aufgerufen. Das Theater teilte daraufhin mit, dass Zuschauer, die das Datum als Provokation empfänden, die Karten umtauschen könnten.

Wie die bei den Aufführungen verwendeten Symbole genau aussehen sollen, gibt das Theater derzeit noch nicht preis. "Das werde erst noch entschieden", sagte Somuncu wage. "Wir sind noch im aktiven Prozess der Inszenierung - es kann auch sein, dass wir am Ende die Zuschauer dazu aufrufen werden, sich eine Mickey Maus anzuheften."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr
Gesellschaft
Hitlers Hetzschrift
Neuedition von "Mein Kampf" erschienen (2016)
Theater
"Mein Kampf"
von George Tabori
Regie: Serdar Somuncu
Theater Konstanz
Premiere: 20.04.2018
Weitere Aufführungen bis Ende Mai 2018