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Die 27. Verleihung des Musikpreises wird am 12. Apri 2018 live im Fernsehen übertragen.
Streit um Echo-Nominierung
Massive Kritik an Rappern Farid Bang und Kollegah
Vor der Echo-Verleihung am 12. April 2018 wird die Kritik an den umstrittenen Texten der Rapper Kollegah und Farid Bang immer schärfer. Das Internationale Auschwitz Komitee reagierte mit Empörung auf die geplante Teilnahme des Duos an der Preisverleihung in Berlin.
Sie sei "für alle Überlebenden des Holocaust ein Schlag ins Gesicht und ein für Deutschland beschämender Vorgang", hieß es in einer Mitteilung. Der Zentralrat der Juden in Deutschland nannte die Echo-Nominierung der beiden Musiker - unter anderem in der Kategorie Album des Jahres - einen "Freifahrtschein, genauso weiterzumachen".

Entscheidung des Ethikrates sei "schäbig"
Im Zentrum der Kritik steht die Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" aus dem Song "0815" der beiden Musiker. Nach einem Bericht der "Bild" und Kritik von Auschwitz-Überlebenden hatte der unabhängige Ethik-Beirat des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) den Fall geprüft - und entschieden, dass die Nominierungen nicht zurückgezogen werden. Es handele sich um einen "absoluten Grenzfall", hieß es vom Beirat. Die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre. Der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner, kritisierte das massiv: "Die Entscheidung des Ethikrates und der beteiligten Verantwortlichen bezüglich der Teilnahme des Duos Kollegah/Farid Bang ist schäbig, feige und falsch und leistet mit ihrer Tragweite und öffentlichen Wahrnehmung Antisemitismus und Rechtsextremismus Vorschub." Heubner erinnerte daran, dass am 12. April der Gedenktag für die Opfer des Holocaust in Israel begangen werde. "In diesem Zusammenhang und gerade an diesem Tag mutet der deutsche Beitrag zum Gedenken, so wie er sich beim Echo widerspiegelt, mehr als makaber an."

"Die Künstler wollen mit ihren Texten provozieren, das ist klar", erklärte auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. "Doch auch für sie sollte gelten, dass diskriminierende oder antisemitische Inhalte nicht zu tolerieren sind. Eine Relativierung des Leidens der Opfer der Schoa ist völlig inakzeptabel und geschmacklos." Die Musiker müssten sich bewusst sein, wie groß ihr Einfluss auf viele junge Menschen sei, und ihrer Verantwortung gerecht werden. "Wenn jedoch ausgerechnet Alben mit solchen Texten für einen Preis wie den Echo nominiert werden, wirkt dies geradezu wie ein Freifahrtschein, genauso weiterzumachen. Deshalb ist es höchste Zeit, ein Stoppschild hochzuhalten."

Echo zeichnet erfolgreichste Künstler des Jahres aus
Die Debatte werde "voraussichtlich auch ein Thema in der Sendung sein", hatte Echo-Geschäftsführerin Rebecka Heinz zuvor erklärt. In welcher Form, sei noch unklar. Auch ein Live-Auftritt der beiden Rapper ist geplant. Forderungen nach einer generellen Veränderung der Auswahl der Nominierten, um ähnliche Vorfälle künftig zu vermeiden, steht Heinz skeptisch gegenüber. "Der Echo ist seit seiner Entstehung ein Publikumspreis, bei dem abgebildet wird, welche Künstler im vergangenen Jahr am erfolgreichsten waren." Diese Anforderungen erfüllten die beiden Rapper mit ihrem gemeinsamen Album "Jung, brutal, gutaussehend 3" genauso wie alle anderen Nominierten. Die 27. Verleihung des Musikpreises wird am 12. Apri 2018 live im Fernsehen übertragen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr