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Dokumentation "Inside Nobel" (2017)Dokumentation "Inside Nobel" (2017) Beitrag (12.04.2018)Beitrag (12.04.2018)
Sollten nur noch zwölf Mitglieder von den ursprünglich 18 übrig sein, ist das Gremium nicht mehr beschlussfähig. Weder um neue Mitglieder zu wählen noch einen neuen Nobelpreisträger.
Nobel-Krise
Weitere Rücktritte im Gremium
Vorwürfe sexueller Belästigung, Verdacht auf Korruption - die Schwedische Akademie in Stockholm, die unter anderem für die Vergabe des Literaturnobelpreises zuständig ist, droht auseinander zu fallen. Was ist passiert?
"De Aderton" - auf Deutsch "die Achtzehn" - steht für die Anzahl der Stühle, auf denen die 18 Gremienmitglieder Platz nehmen, die aus rund 250 Vorschlägen die jährlichen Nominierten für die Preise aussuchen. Nun aber verlassen immer mehr Mitglieder das Gremium: Bereits vor längerer Zeit waren zwei Mitglieder der Akademie gegangen. Am 6. April 2018 nun waren drei weitere Mitglieder - Klas Östergren, Kjell Espmark und Peter Englund - zurückgetreten - weil das langjährige Mitglied Katarina Frostenson nicht, wie von ihnen gefordert, entlassen worden war. Jetzt kam es Schlag auf Schlag: Erst trat Sara Danius, Ständige Sekretärin der Akademie, zurück. Und dann doch Katarina Frostenson.

Frostensons Ehemann Jean-Claude Arnaud soll Namen von Nobelpreisträgern vorab durchgesteckt haben, insgesamt sieben Mal, wie die Tageszeitung "Dagens Nyheter" berichtet hatte. Darunter die von Bob Dylan und der weißrussischen Journalistin Swetlana Alexijewitsch. Wie er die vorab erfahren haben soll, wurde nicht enthüllt. Zudem war Frostensons Ehemann im Dezember 2017 von der Schwedischen Akademie verboten worden, an einem Nobelpreis-Bankett teilzunehmen, nachdem die Zeitung "Dagens Nyheter" berichtet hatte, dass ihm in insgesamt 18 Fällen zwischen 1996 und 2017 sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen werde. Arnaud bestritt die Vorwürfe.

Wie geht es nun weiter?
Danius hatte erklärt, sie lege ihr Amt auf Wunsch der Akademie mit sofortiger Wirkung nieder. Sie selbst hätte ihre Arbeit gerne fortgeführt, betonte sie. Die Krux ist nun: Die Mitgliedschaft im Gremium wird bislang auf Lebenszeit vergeben, formell ist ein Austritt nicht möglich. Sollten nur noch zwölf Mitglieder von den ursprünglich 18 übrig sein, ist das Gremium nicht mehr beschlussfähig. Weder um neue Mitglieder zu wählen noch einen neuen Nobelpreisträger.

In Anbetracht der heiklen Lage erklärte der Schirmherr des Akademie, der schwedische König Carl XVI. Gustav, am 18. April, künftig einen Rücktritt von Mitgliedern des Auswahlgremiums für den Literaturnobelpreis zulassen zu wollen. Die Statuten der Schwedischen Akademie sollten entsprechend geändert werden. "Jeder, der nicht mehr Mitglied einer Vereinigung sein möchte, sollte sich zurückziehen können", sagte er. Die Vorgänge seien "zutiefst unglücklich" und stellten eine Gefahr für Ansehen und die "wichtigen Aktivitäten" des Komitees dar, hatte er zuvor bereits verkündet und gemahnt: Es sei äußerst wichtig, "dass alle Beteiligten nun ihre Verantwortung für die Institution erkennen und zur Lösung von Konflikten beitragen".

Am 19. April beantragte Schriftstellerin Lotta Lotass formell, das aus 18 Mitgliedern bestehende Gremium zu verlassen, wie die Tageszeitung "Dagens Nyheter" berichtete. Damit haben sich sechs Mitglieder der Schwedischen Akademie für den Austritt entschieden.

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