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Am Wochenende kursierte ein Video von Deadspin im Netz: ein Zusammenschnitt verschiedener Nachrichtensendungen, in denen die Moderatoren alle den selben Text sprechen.
Am Wochenende kursierte ein Video von Deadspin im Netz: ein Zusammenschnitt verschiedener Nachrichtensendungen, in denen die Moderatoren alle den selben Text sprechen.
Alle den selben Text
US-Nachrichtensprecher verkünden Fake News
Ein TV-Nachrichtensprecher liest einen Text vom Teleprompter ab, den er nicht selbst geschrieben hat. Das ist normal. Dass sich die Nachrichten in manchen Sendungen doppeln - auch das ist normal. Merkwürdig wird es, wenn hunderte lokale Nachrichtensender dieselbe Meldung verbreiten - und sich dabei sogar Wort für Wort spiegeln. So geschehen in den USA.
Am Wochenende kursierte ein Video von Deadspin im Netz: ein Zusammenschnitt verschiedener Nachrichtensendungen, in denen die Moderatoren alle den selben Text sprechen. Das Thema: Fake News. Die Journalisten rufen allesamt zu einem vorsichtigeren Umgang mit "besorgniserregenden, falschen" Nachrichten auf. Diese seien "extrem gefährlich für unsere Demokratie". All diese Sendungen gehören zur Sinclair Broadcast Group. Das Unternehmen umfasst 173 lokale Nachrichtenstationen in den USA und gehört zu den größten Fernsehanstalten des Landes. Jetzt gerät sie aufgrund der Trump-nahen Äußerungen über Fake News in die Kritik.


Boris Epshteyn, ehemaliger Wahlhelfer von Donald Trump, ist seit 2017 als politischer Stratege bei der Sinclair Broadcast Group tätig. Er ist auch derjenige, der sogenannte Must Runs - also jene Meldungen, die in möglichst allen Sendungen laufen sollen - anstößt. Die Verbindung zwischen den konservativen Äußerungen Trumps zu den Nachrichtensendungen erreicht in der Fake-News-Meldung ihren Höhepunkt. Es stellt sich nun die Frage der journalistischen Ethik: Darf ein Unternehmen solche Nachrichten über das ganze Land verstreuen? Und handelt es sich hier noch tatsächlich um Nachrichten oder schon um gezielte Meinungsmache? Das Video wurde seit seiner Veröffentlichung am 1. April 2018 mehr als 7,5 Millionen Mal geklickt.

Jetzt äußerte sich das Unternehmen auf seiner Webseite zu den Vorwürfen: Sie empfinden die Kritik als unbegründet. Die Meldung habe keiner politischen Agenda gedient. Viel eher habe es sich um einen Versuch gehandelt, preisgekrönte Nachrichtenprogramme von anderen, weniger zuverlässigen Quellen, unterscheiden zu können.

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