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Gespräch (16.03.2018)Gespräch (16.03.2018)
Esther Kinsky zeigte sich überrascht und sehr bewegt ob der Entscheidung der Jury.
Preis der Leipziger Buchmesse für Esther Kinsky
"Hain. Geländeroman" in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet
Esther Kinsky gewinnt den Deutschen Buchpreis 2018 für ihren Roman "Hain. Geländeroman" in der Kategorie Belletristik. Sie zeigte sich überrascht und sehr bewegt ob der Entscheidung und dankte in ihrer kurzen Rede ihrer "tollen" Lektorin.
Nach Überzeugung der siebenköpfigen Jury bietet Kinskys Buch fast "übersinnlich präzise Beobachtungen, die ihre Tiefe ganz aus der Versenkung in die Oberfläche gewinnen". In dem im Suhrkamp-Verlag erschienen Buch unternimmt die Ich-Erzählerin italienische Reisen eigener Art, bei denen Landschaftsmeditation, Kindheitserinnerungen und Trauer zusammenkommen. Mit einem genauen, behutsamen Blick erkundet Kinsky die Landschaften und den Alltag ihrer Bewohner - und stößt dabei immer wieder auf Spuren und Bilder der eigenen Vergangenheit. Dass diesmal der Roman eine besondere Tiefe bekommt, liegt an der Selbstverständlichkeit, mit der sich hier Leben und Tod, Schönheit und Trauer begegnen.

Tausende Seiten hatte die Jury für den Preis der Leipziger Buchmesse gelesen, wochenlang diskutiert und verworfen - und sich dann auf eine Shortlist geeinigt. Die Belletristik-Liste war eine "Wundertüte", die Literaturkritiker nicht unbedingt erwartet hatten: Neben Esther Kinsky mit "Hain. Geländeroman" standen in der engeren Auswahl: Isabel Fargo Cole mit "Die Grüne Grenze", Georg Klein mit "Miakro" sowie Matthias Senkel mit "Dunkle Zahlen". Als Überraschung auf der Liste für den renommierten Buchpreis war zudem der Debütroman von Anja Kampmann - "Wie hoch die Wasser steigen" - ins Rennen gegangen.

Sachbuch/Essayistik-Preis für Karl Schlögel
In der Rubrik Sachbuch/Essayistik wurde Karl Schlögel für sein Werk "Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt" geehrt. Weiterhin nominiert waren: Martin Gecks "Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum", ebenso Gerd Koenen mit "Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus", Andreas Reckwitz' "Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne" sowie Bernd Roecks "Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance".

Übersetzer-Preis an Sabine Stöhr und Juri Durkot für "Internat"
In der Kategorie Übersetzungen gewannen Sabine Stöhr und Juri Durkot für "Internat" von Serhij Zhadan, das sie aus dem Ukrainischen übersetzt haben. Nominiert waren zudem Robin Detje für "Buch der Zahlen" von Joshua Cohen, aus dem amerikanischen Englisch, Olga Radetzkaja mit "Sentimentale Reise" von Viktor Schklowskij, aus dem Russischen, Michael Walter mit der Werkausgabe in drei Bänden von Laurence Sterne, aus dem Englischen und Ernest Wichner mit "Oxenberg & Bernstein" von Catalin Mihuleac, aus dem Rumänischen.

Sendedaten
Kuturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr
Info
Die 1956 in Engelskirchen geborene Kinsky lebt und arbeitet in Berlin. Für ihr umfangreiches Werk wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Preis der SWR-Bestenliste 2015 und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis 2016.
Schwerpunkt
BUCHMESSE LEIPZIG
15.-18.03.2018
Info
Preis der Leipziger Buchmesse
Der Preis der Leipziger Buchmesse ist insgesamt mit 60.000 Euro dotiert. Jeweils fünf Kandidaten sind in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung nominiert.
Hintergrund
Träger des Preises der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik:

2018: Esther Kinsky:
"Hain. Geländeroman"
2017: Natascha Wodin:
"Sie kam aus Mariupol"
2016: Guntram Vesper:
"Frohburg"
2015: Jan Wagner:
"Regentonnenvariationen"
2014: Sasa Stanisic:
"Vor dem Fest"
2013: David Wagner:
"Leben"
2012: Wolfgang Herrndorf:
"Sand"
2011: Clemens J. Setz:
"Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes"
2010: Georg Klein:
"Roman unserer Kindheit"
2009: Sibylle Lewitscharoff:
"Apostoloff"
2008: Clemens Meyer:
"Die Nacht, die Lichter"
2007: Ingo Schulze:
"Handy"
2006: Ilija Trojanow:
"Der Weltensammler"
2005: Terézia Mora:
"Alle Tage"