© dpa
VideoVideo
Carla Del Ponte hat am 23. Februar 2018 den Hessischen Friedenspreis erhalten.
"Es ist eine unglaubliche Tragödie"
Carla Del Ponte gegenüber "Kulturzeit" über den Krieg in Syrien
Die ehemalige UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte hat am 23. Februar 2018 den Hessischen Friedenspreis erhalten. Sie habe keinen Konflikt gescheut, um Opfern von gravierenden Menschenrechtsverletzungen zu Gerechtigkeit zu verhelfen, hieß es in der Begründung.
Die Schweizerin war von 1999 bis 2007 Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien und danach für die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen in Ruanda zuständig. Zuletzt war sie Sonderermittlerin in einer Untersuchungskommission zu Kriegsverbrechen in Syrien. Diesen Posten gab sie jedoch im August 2017 mit der Begründung auf, dass die Kommission nicht das leisten könne, wofür sie eingerichtet wurde, weil die Politik ihre Arbeit nicht hinreichend unterstütze. Gegenüber "Kulturzeit" sagte sie vor der Preisverleihung in Wiesbaden, dass die Arbeit der Kommission in ein Tribunal hätte münden müssen. Das sei über sieben Jahre hinweg nicht geschehen. "Diese Kommission sollte nicht existieren", so del Ponte. "Ein internationaler Gerichtshof hätte es sein müssen." Aber: "Niemand hat uns zugehört."

"Krieg geht weiter, weil die Staaten es wollen"
Auf die Frage, warum der Krieg in Syrien immer noch bestehe, sagte die ehemalige Chefanklägerin, die selbst mehrfach vor Ort gewesen ist, im "Kulturzeit"-Interview: "Dieser Krieg geht weiter, weil die Staaten es wollen." Mächtige Staaten wie Russland, die USA und Iran hätten keinen politischen Willen für den Frieden in Syrien. Der Krieg sei "eine unglaubliche, nicht ertragbare Tragödie".

Sie und ihre Kollegen hätten in Syrien Gräuel gesehen, die sie nie zuvor in anderen Kriegsgebieten erlebt hätten. Besonders schlimm beschrieb sie die Situation der Kinder in Syrien ("eine traumatisierte Jugend") und die unbeschreiblich grausamen Foltermethoden. Jedoch gäbe sie die Hoffnung auf Frieden in Syrien nicht auf. Sie schreibe an einem Buch, über "die Wahrheit" der Zustände dort. Das Preisgeld des Hessischen Friedenpreises von 25.000 Euro möchte sie ihrer Arbeit für syrische Kinder zugute kommen lassen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr in 3sat