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In "Isle of Dogs" verbannt eine autoritäre Stadtverwaltung sämtliche Hunde auf eine Müllinsel, um die Einwohner vor Krankheiten und Ungeziefer zu schützen.
Underdogs aller Länder vereingt euch!
Wes Andersons "Isle of Dogs" eröffnet die Berlinale 2018
Die Berlinale hat es nicht leicht, immer im Schatten von Cannes und Venedig. Die mediterrane Konkurrenz lockt mit Sonne, Meer und Glamour. Im Berliner Winter schickt man frierende Stars auf den Roten Teppich. Was liegt da näher, als zur Eröffnung der Berlinale einen echten Underdog-Film zu präsentieren? Mit Wes Andersons "Isle of Dogs" fand man das perfekte Stück. "Kulturzeit"-Redakteur Peter Paul Huth mit einer Einschätzung ...
Als vor Jahren Wes Anderson, damals noch das Wunderkind des US-amerikanischen Kinos, seine Filme "The Royal Tenenbaums" (2001) und "The Life Aquatic With Steve Zizou" ("Die Tiefseetaucher", 2004) auf der Berlinale präsentierte, gab es nicht wenige Hardcore-Cineasten, die über seine schrägen Humor die Nase rümpften. Die Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen gilt Wes Anderson als Kultregisseur. Sein neues Werk "Isle of Dogs" ist ein opulenter Animationsfilm in klassischer Stop-Motion-Technik der als Eröffnungsfilm Kritiker wie Zuschauer begeisterte. Zu Recht, denn "Isle of Dogs" verbindet Andersons Liebe zu abseitigen Figuren mit seiner Lust an exotischen Settings. Während er in "Grand Budapest Hotel" bei der Rekonstruktion eines imaginären alten Europas manchmal daneben lag, wirkt seine Entwurf einer futuristischen japanischen Stadt in sich stimmig.

Auf der Suche nach dem verschollenen Hund
In "Isle of Dogs" verbannt eine autoritäre Stadtverwaltung sämtliche Hunde auf eine Müllinsel, um die Einwohner vor Krankheiten und Ungeziefer zu schützen. Elend vegetieren die Hunde auf Insel, bis eines Tages dort ein zwölfjähriger Junge mit seinem selbst gebastelten Flugzeug landet - in der Hoffnung, seinen Hund Spots zu finden. Zusammen mit einem wilden Haufen echter "Underdogs" macht er sich auf die Suche nach dem verschollenen Hund. Die Meute mit so klangvollen Namen wie Rex, Duke, King, Boss hat früher einmal bessere Zeiten gesehen, was man von dem Straßenköter Chief nicht behaupten kann. Gesprochen werden die Hunde von einer Riege erstklassiger Schauspieler - Bryan Cranston, Bill Murray, Jeff Goldblum, Liev Schreiber und Scarlett Johansson. Ein Hörvergnügen, das in der deutschen Fassung natürlich verloren geht. Kurioserweise sprechen im Original die Hunde englisch - während die Menschen japanisch reden. Was manchmal untertitelt, aber nicht immer übersetzt wird.

Als Inspiration dienten Wes Anderson die Animationsfilme von Hayao Miyazaki und die frühen Sozialdramen von Akira Kurosawa. Aber auch klassischen Holzschnitte der späten Edo-Zeit des 19. Jahrhunderts kommen ins Spiel. In "Isle of Dogs" kann Anderson seinen kindlich abgründigen Humor perfekter ausleben als bei einem inszenierten Spielfilm. Beklemmender als sonst bei Wes Anderson wirken das düstere Bild einer "Junkotopia", und das Beispiel des autoritären Bürgermeisters Kobayashi, die von populistischer Angstmache und Strategien der Ausgrenzung erzählen. Die "Anderen" sind hier die Hunde, die für alle Übel verantwortlich gemacht und auf die Müllinsel abgeschoben werden. "Es ist erstaunlich wie dieser Film, an dem Wes mehr als drei Jahre lang gearbeitet, als Parabel auf unseren heutigen Verhältnisse eine solche Aktualität gewinnt", meint Bryan Cranston, der dem Streuner "Chief" seine Stimme gibt.

Was unterscheidet die Eröffnung der Berlinale sonst noch von Cannes und Venedig? Während anderswo Schauspieler mit Stil und Eleganz durch den Abend führen, vertraut man in Berlin auf den TV-Humor von Anke Engelke, die mit "routinierter Flapsigkeit" - wie die "Berliner Zeitung" schreibt - den Festivalleiter Dieter Kosslick auf die Bühne bittet und das Publikum im Saal bei Laune hält. Eine Gala für Underdogs.

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© dpaDie Berlinale in 3sat
Film
© Berlinale"Isle of Dogs - Ataris Reise"
US 2018
Regie: Wes Anderson
Kinostart DE: 10.05.2018