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Jeff Koons will Paris eine Tulpen-Skulptur, ähnlich dieser in Bilbao, schenken.
Jeff Koons will Paris eine Tulpen-Skulptur, ähnlich dieser in Bilbao, schenken.
Geschenk? Nein, danke!
Pariser Künstler protestieren gegen Jeff-Koons-Skulptur
US-amerikanische Star-Künstler Jeff Koons will Paris eine Riesenskulptur zum Gedenken an die Opfer der Terroranschläge von 2015 schenken. Die mehr als elf Meter hohe Tulpen-Plastik soll ein Zeichen der Solidarität zwischen den USA und Frankreich sein, doch viele wollen das Geschenk gar nicht haben.
Die fast 30 Tonnen schwere Skulptur aus Stahl-Aluminium namens "Bouquet of Tulips" soll einen bunten Tulpenstrauß darstellen, der von einer riesigen Hand gehalten wird, in Anspielung auf die Hand der US-amerikanischen Freiheitsstatue. Die Blumen erinnern dabei stark als Koons Arbeiten "Tulips", die im Innenhof der Hannoveraner Nord-LB, vor dem Rockefeller Center in New York und vor dem Guggenheim Museum in Bilbao installiert sind oder waren.

Symbol einer spekulativen Kunst
Prominente aus der Kunstszene wie der Regisseur Olivier Assayas, der Installationskünstler Christian Boltanski und Ex-Kulturminister Frédéric Mitterrand sehen darin jedoch das Symbol einer industriellen, spektakulären und spekulativen Kunst. Auch der Galerist und Experte für zeitgenössische Kunst Stéphane Corréard sieht darin eine Art "Product Placement", versteckte Werbung für das multinationale Luxus-Unternehmen Jeff Koons. Corréard hat eine Petition gegen das Projekt gestartet.

Verärgert sind viele auch über den Ort, an dem die Skulptur aufgestellt werden soll: Der Vorplatz zwischen dem Palais de Tokyo - Ausstellungsort für junge Künstler - und dem Museum für moderne Kunst der Stadt Paris, habe keinerlei Bezug zu den Terroranschlägen vom 13. November 2015, kritisieren viele Gegner. Trotz anderer Vorschläge besteht der 63-jährige Künstler auf dem Vorplatz. Hier wäre seine Plastik gut sichtbar und würde wohl die Sicht auf den Eiffelturm und die Seine versperren.

Paris muss Herstellung selbst finanzieren
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Koons nicht ein fertiges Denkmal, sondern nur die Idee dazu stiften wird. Die auf rund drei Millionen Euro geschätzten Herstellungskosten werden vom "Fonds de Paris" finanziert. Der 2015 auf Initiative der Stadt gegründete Topf dient dazu, für die unterschiedlichsten Projekte Mäzene zu finden. Geplant ist, dass die Staute im Frühjahr aufgestellt werden soll. Ihre Kritiker fordern jedoch, eine offizielle Ausschreibung für ein würdiges Denkmal zum Gedenken an die Terroropfer.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr
ORF-TVthek
Streit um Koons-Skulptur
("Zeit im Bild", ZIB2, 19.02.2018, 22.00 Uhr)
Kunst
Perfektion & Kitsch
Jeff Koons im Whitney Museum New York (2014)