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Am 3. März 2009 brach das Historische Stadtarchiv in Köln zusammen. Bis alle geretteten Dokumente restauriert sind, wird es noch bis zu 40 Jahre dauern.
Am 3. März 2009 brach das Historische Stadtarchiv in Köln zusammen. Bis alle geretteten Dokumente restauriert sind, wird es noch bis zu 40 Jahre dauern.
Wer trägt die Schuld?
Neun Jahre nach dem Kölner Archiveinsturz beginnt die Aufarbeitung
Zwei Tote, Unmengen zerstörter Dokumente und ein Milliardenschaden: Am 3. März 2009 brach das Historische Stadtarchiv in Köln zusammen. Knapp neun Jahre später stehen fünf Mitarbeiter von Firmen vor Gericht, die am Bau der U-Bahn beteiligt waren.
Die Staatsanwaltschaft wirft vier Männern und einer Frau fahrlässige Tötung vor. Sie waren als Mitarbeiter von Baufirmen oder der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) am Ausbau der U-Bahn beteiligt. Fehler bei den Bauarbeiten sollen dazu geführt haben, dass das größte deutsche Kommunalarchiv am 3. März 2009 einstürzte. Zwei Anwohner starben, der Sachschaden beträgt mehr als eine Milliarde Euro. Für den Prozess hat das Kölner Landgericht 126 Verhandlungstage bis 2019 hinein angesetzt. Wegen der Verjährungsfrist bis zum zehnten Jahrestag des Unglücks müsste ein Urteil bis zum Frühjahr 2019 fallen.

Reihe: Köln reloaded (2009)

Teil 1: Albertus Magnus © ZDF
Teil 1: Albertus Magnus
Teil 2: Vilém Flusser © ZDF
Teil 2: Vilém Flusser
Teil 3: Mittelalterliche Urkunden © ZDF
Teil 3: Mittelalterliche Urkunden

Teil 4: Anne Dorn © dpa
Teil 4: Anne Dorn
Teil 5: Nachlass der Familie Unger/Ury © dpa
Teil 5: Nachlass der Familie Unger/Ury
Teil 6: Gefunden dank Findbuch
Teil 6: Gefunden dank Findbuch

 

Hindernis in der Baugrube nicht gemeldet
Laut Anklage waren Bauarbeiter beim Ausschachten auf ein Hindernis gestoßen, das sie nicht beseitigen konnten. Anstatt dies zu melden, hätten sie den Aushub einfach fortgesetzt. Als Folge sei in einer unterirdischen Wand ein Loch entstanden, durch das am Unglückstag schlagartig große Mengen Sand, Wasser und Kies in die Grube eindrangen. Dem Archiv und seinen Nachbargebäuden sei so buchstäblich der Boden entzogen worden.

Unter den Angeklagten ist ein Arbeiter, der auf der Baustelle tätig war. Bei den anderen vier Angeklagten handelt es sich um "Personen mit Prüfungs- und Überwachungsaufgaben", wie es hieß. Sie sollen die Bauarbeiten nicht mit der gebotenen Sorgfalt kontrolliert haben. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft sieben Beschuldigte angeklagt. Einer ist jedoch inzwischen gestorben. Ein weiterer Mann ist so schwer erkrankt, dass das Landgericht das Verfahren gegen ihn vorläufig eingestellt hat. Die Baufirmen bestreiten die Vorwürfe. Ein Sprecher verwies im Vorfeld des Prozesses darauf, dass die Ursache für das Unglück bis heute noch immer ungeklärt sei.

Restaurierung dauert 30 bis 40 Jahre
© dpa Die Restaurierung wird bis zu 400 Millionen Euro kosten.
Die Restaurierung wird bis zu 400 Millionen Euro kosten.
Das Kölner Historische Stadtarchiv hatte in einem Zweckbau aus dem Jahr 1971 an der Severinstraße Originaldokumente aus mehr als 1000 Jahren Kölner und rheinischer Geschichte beherbergt. Darunter waren Testamente, Ratsprotokolle, kaiserliche Privilegien und mehr als 60.000 Urkunden. Bei dem Einsturz versanken 30 Regalkilometer Archivalien in Schutt und Grundwasser. Etwa 95 Prozent der Dokumente konnten durch Einsatzkräfte und freiwillige Helfer geborgen und vorübergehend woanders untergebracht werden.

Bis sämtliche Archivalien restauriert sind, werde es 30 bis 40 Jahre dauern, sagt Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia. Die Kosten für die Restaurierung werden mit 350 bis 400 Millionen Euro veranschlagt. "Einen vergleichbaren Schadensfall im Archivbereich gab es bisher nicht", so Schmidt-Czaia. Bis 2020 entsteht an der Severinstraße in der Südstadt ein neues Stadtarchiv. Der Bau unweit der Universität soll Europas modernstes Kommunalarchiv beherbergen - auf mehr als 20.000 Quadratmetern Fläche.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr
Reihe
Köln reloaded
Anatomie einer archivarischen Katastrophe (2009)
Gesellschaft
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Schätze des Kölner Archivs wieder nutzbar (2015)
Kulturzeit-Nachrichten
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Kulturzeit-News vom Freitag, 17.03.2017