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"Vergewaltigung ist ein Verbrechen", heißt es in dem Text, den Catherine Deneuve unterschrieben hat. "Aber eine beharrliche oder ungeschickte Anmache ist nicht strafbar."
"Vergewaltigung ist ein Verbrechen", heißt es in dem Text, den Catherine Deneuve unterschrieben hat. "Aber eine beharrliche oder ungeschickte Anmache ist nicht strafbar."
Frankreich diskutiert #MeToo
Deneuve erzürnt Frankreichs Frauenrechtlerinnen
Filmstar Catherine Deneuve hat mit ihrer Kritik an Folgen der #MeToo-Debatte einen Sturm der Entrüstung bei Frankreichs Feministinnen entfacht. Gemeinsam mit rund 100 weiteren Frauen hatte sie einen Zeitungsartikel in "Le Monde" unterzeichnet, der kritisiert, die #MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung habe eine "Kampagne der Denunziation" nach sich gezogen, und der vor einem "Klima einer totalitären Gesellschaft" warnt.
Die Unterstützerinnen - darunter etwa Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Journalistinnen - erkennen in dem von der Schriftstellerin Catherine Millet verfassten Text an, dass es notwendig gewesen sei, ein Bewusstsein für sexuelle Gewalt gegen Frauen zu schaffen, sie verteidigen aber "eine Freiheit, jemandem lästig zu werden, die für die sexuelle Freiheit unerlässlich ist" - "hartnäckiges Flirten" sei kein Delikt und "eine Galanterie auch keine chauvinistische Aggression".

"Als Frauen erkennen wir uns nicht in diesem Feminismus, der über die Anprangerung von Machtmissbrauch hinaus das Gesicht eines Hasses auf Männer und die Sexualität annimmt."

(Auszug aus dem Gastbeitrag in "Le Monde")

"Die Unterzeichner dieses Gastbeitrags vermischen vorsätzlich ein Verhältnis der Verführung, das auf Respekt und Lust basiert, mit Gewalt", heißt es nun in einer Reaktion der Aktivistin Caroline De Haas, die von rund 30 Frauen unterschrieben wurde und am 10. Januar 2018 beim Nachrichtenportal Franceinfo erschien. Flirten und Belästigung seien nicht einfach eine Abstufung, sondern in ihrer Natur verschieden.

"Dieser Gastbeitrag ist ein bisschen der lästige Kollege oder der anstrengende Onkel, der nicht versteht, was gerade passiert. [...] Wie kann man sich auch nur für einen Augenblick eine befreite Gesellschaft vorstellen, in der die Frauen frei und vollständig über ihren Körper und ihre Sexualität verfügen, wenn jede Zweite angibt, schon sexuelle Gewalt erlitten zu haben?"

(Caroline De Haas, Aktivistin)

Kritik aus Politik und Film
Die frühere Ministerin und Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal (64) bezeichnete es auf Twitter als "schade, dass unsere große Catherine Deneuve sich diesem bestürzenden Text anschließt". Die französische Staatssekretärin für Frauenrechte, Marlène Schiappa, sagte dem Radiosender France Culture, in dem offenen Brief gebe es "einige Dinge, die zutiefst beleidigend und falsch sind". Die italienische Filmemacherin und Schauspielerin Asia Argento, die Weinstein Sexvorwürfe zur Last gelegt hat, bezeichnete den Brief in einem Tweet als "bedauernswert".

Deneuve und die anderen Unterzeichner des Briefs nutzten Medienpräsenz, um sexuelle Gewalt normal aussehen zu lassen, kritisierten die Aktivistinnen um Caroline De Haas. Die #MeToo-Debatte um Sexismus und sexuelle Übergriffe war ins Rollen gekommen, als im Oktober Vorwürfe gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein bekanntwurden. Auch in Frankreich haben die Vorwürfe große Aufmerksamkeit entfacht. Unter dem Hashtag #balancetonporc ("Verpfeif' das Schwein") berichteten auf Twitter tausende Frauen über unerwünschte Anmache oder Missbrauch.

Sendedaten
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Kulturzeit-Nachrichten
Deneuve und andere werben für "Freiheit zu belästigen"
Kulturzeit-News vom Dienstag, 09.01.2018
Schwerpunkt
Nein heißt Nein
Die #MeToo-Debatte zum Thema sexuelle Belästigung