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Der Österreicher Menasse wählte für "Die Hauptstadt" Brüssel und die EU-Bürokratie als Thema.
Menasse gewinnt Deutschen Buchpreis 2017
Der "Roman des Jahres" heißt "Die Hauptstadt"
Der Deutsche Buchpreis 2017 geht an Robert Menasse. Sein Roman "Die Hauptstadt", für den der Österreicher Brüssel und die EU-Bürokratie als Thema wählte, mache "unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können", so die Jury.
Menasse zählt inzwischen wohl zu den erlesensten Kennern der Europäischen Union und hat sich in den letzten Jahren mehrfach essayistisch dazu geäußert. Im März 2017 hielt er anlässlich von "60 Jahren Römische Verträge" im Europäischen Parlament eine viel beachtete Rede. "Kritik der europäischen Vernunft" lautete der Titel, darin plädierte er zum wiederholten Mal für die Entwicklung einer Europäischen Republik.

 

<b>BEITRAG: Robert Menasse"Die Hauptstadt"</b>(12.09.2017) © dpa
BEITRAG: Robert Menasse"Die Hauptstadt"(12.09.2017)
<b>GESPRÄCH: Robert Menasse über Österreich & Europa</b> (30.05.2017) © ZDF
GESPRÄCH: Robert Menasse über Österreich & Europa (30.05.2017)
<b>STATEMENT: Buchpreisträger Robert Menasse</b> (09.10.2017) © dpa
STATEMENT: Buchpreisträger Robert Menasse (09.10.2017)

 

"Die Hauptstadt" nun ist Robert Menasses Versuch, das, was zur Zeit geschieht, in einen gültigen literarischen Text zu gießen. Menasses Roman bevölkern auf ihre Karriere fokussierte Beamte der EU-Institutionen und Beamte, die nach wie vor getrieben sind von der Idee Europa. Aus diesem Widerspruch erwächst auch die spannungsreiche Dynamik dieses geschichten- und geschichtsreichen Werk. "Wenn man sich mit der Geschichte und der Entwicklung der EU beschäftigt, vor allem seit den Römischen Verträgen, dann wird klar: das ganze europäische Einigungsprojekt war die Antwort auf die Katastrophen in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts ", so Menasse, "und im Wesentlichen auf die Katastrophen, die hervorgerufen wurden durch Nationalismus und Rassismus."

Sechs Nominierte auf der Shortlist
Zwei Autorinnen und drei Autoren waren - neben Menasse - für die Shortlist nominiert: Gerhard Falkner ("Romeo oder Julia"), Franzobel ("Das Floß der Medusa"), Thomas Lehr ("Schlafende Sonne"), Marion Poschmann ("Die Kieferninseln") und Sasha Marianna Salzmann ("Außer sich").

Nur vordergründig eine historische Geschichte ist etwa "Das Floß der Medusa" von Franz Stefan Griebl, alias Franzobel. Die Katastrophen, die Europa geformt und deformiert haben, kann man in Lehrs Buch "Schlafende Sonne" nachlesen. In "Außer sich" erzählt Sasha Marianna Salzmann von Zwillings-Geschwistern, die - wie die Autorin selbst - aus Russland nach Deutschland fliehen und dann weiter nach Istanbul. Etwas aus der Reihe fallen Gerhard Falkners "Romeo oder Julia" und Marion Poschmanns "Die Kieferninseln" - eine Schriftsteller-Komödie das eine, eine Akademiker-Posse das andere, im Zentrum mittelalte Männer in der Krise. Lehr und Poschmann standen in den vergangenen Jahren mit früheren Titeln bereits auf der Shortlist. Falkner war 2016 mit einem Roman auf der Longlist vertreten. Salzmann hat einen Debütroman geschrieben.

Deutscher Buchpreis ...

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Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 2005 jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die fünf Finalisten jeweils 2500 Euro. Die Jury hatte aus 200 Romanen zunächst 20 auf die Longlist gesetzt. Dann wurde die Liste auf eine sechs Titel umfassende Shortlist verkürzt. 2016 hatte der Roman "Widerfahrnis" von Bodo Kirchhoff das Rennen gemacht.

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© ZDFVideoHubert Winkels, Literaturkritiker
(09.10.2017)
Literatur
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