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Das Piano von Thelonious Monk soll im neu eröffneten National Museum of African American History and Culture in Washington D.C. seinen Platz finden.
Das Piano von Thelonious Monk soll im neu eröffneten National Museum of African American History and Culture in Washington D.C. seinen Platz finden.
Der Jazzzentriker
Thelonious Monk zum 100.
Der Jazz des Pianisten und Komponisten Thelonious Monk ist avantgardistisch, karg, dissonant. Zusammen mit Dizzy Gillespie oder John Coltrane wird sein Name oft genannt. Vor 100 Jahren, am 10. Oktober 1917, wurde Thelonious Monk in Rocky Mount, North Carolina, geboren. Wir erinnern an ihn.
Thelonious Monk zieht es schon als Sechsjährigen hin zu den Klaviertasten, er beginnt als Autodidakt ganz von selbst mit dem Spielen. Erst als er elf Jahre alt ist, bekommt er Klavierunterricht, doch seine Spieltechnik bleibt zeitlebens unvollkommen. Dafür besitzt Monk die Fähigkeit, mit skizzenhaft hingeworfenen Tönen eine künstlerisch-musikalische Aussage zu komprimieren. Mit 13 spielt er bereits in New Yorker Jazzbands mit, mit 16 tingelt er gemeinsam mit einer Gesundbeterin durchs Land, begleitet sie musikalisch, um dann wieder in Harlem, New York zu landen, dem Zentrum des US-amerikanischen Jazz.

Mitbegründer des Bebop
Dort entwickelt Thelonious Monk seine kompositorischen Fähigkeiten und fällt auch schon mal aus der Rolle, wenn er etwa unter dem Klavier herum krabbelt, scheinbar auf der Suche nach irgendetwas, und dort das Pedalbrett abbaut. Und dort trifft er alle anderen, deren Namen gemeinsam mit seinem in einem Atemzug genannt werden, allen voran Dizzy Gillespie. "Hier passierte die Musik einfach so", erinnert Monk sich einmal in einem Interview. "Ich spielte nur so, wie ich dachte. Ich hatte nicht vor, die Richtung des Jazz zu verändern. Ich wollte nur etwas spielen, was gut klang." Aus dieser Musik, die für ihn gut klingt, entwickelt sich der Bebop, eine Spielart des Jazz, die in Kontrast zur Tanzmusik des glatten Swing und zum technischen Schliff des "Commercial Jazz" steht. Monk findet sein Ding.

"Mad Monk" wird er auch genannt - und er gebärdet sich manchmal wie ein wahrer Irrer. Monk verschmilzt förmlich mit seiner Musik, kann tagelang am Stück arbeiten ohne zu schlafen. Seinem Neffen gegenüber erwähnt er einmal: "Wenn die Leute denken, du bist verrückt, dann kommen sie nicht dauernd und bitten dich um Geld oder Autogramme. Dann kann ich einfach so leben, wie ich will, und niemand schert sich um mich." Monk wird zum Jazzzentriker: Seine Musik ist avantgardistisch, karg, dissonant. Auf dem Kopf trägt er selbst im heißesten Sommer abenteuerliche Hüte und Mützen - nur wenige goutieren das, doch einer, der es tut, ist ein gewisser Miles Davis, der regelmäßiger Gast in Monks Wohnung ist und dort unbedingt die neuesten Kompositionen des genialen Kollegen hören will.

Letztes Konzert 1976 in der Carnegie Hall
Drogen führen dazu, dass Monk 1951 zwei Monate im Knast sitzt, danach verliert er seine New Yorker Musikerlizenz. Doch Monk komponiert, darunter Klassiker wie "Round Midnight", "Blue Monk", "Straight no chaser", "Well, you needn't", "Epistrophy", "Bemsha Swing", "Little Rootie Tootie" und "Pannonica". 1957 vermitteln einflussreiche Freunde und er darf wieder auftreten. In Clubs, auf Bühnen, im Fernsehen. In einer zehnköpfigen Band. Zusammen in einem Quartett mit John Coltrane. 1961 schreibt er die Musik zu Roger Vadims Film "Gefährliche Liebschaften"- der eher zufällige Fund der kompletten Studioaufnahmen gilt 2014 als Sensation. Monk tourt durch Japan, durch Europa. Dann bekommt er ein Leberleiden und zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Sein letztes Konzert gibt er 1976 in der Carnegie Hall. 1982 stirbt er an den Folgen einer Gehirnblutung im Alter von 64 Jahren.

© AP Monks Sohn will das Image des Vaters aufpolieren.
Monks Sohn will das Image des Vaters aufpolieren.
Thelonious Monk hinterlässt ein Werk aus lediglich 71 Kompositionen - seine Genialität indes wird erst später gewürdigt: 2006 erhält er posthum den Pulitzer-Preis für sein Lebenswerk. Entgegen nimmt diesen sein Sohn Thelonius Monk jr., der selbst Musiker ist, ein Jazz-Schlagzeuger. "Ihm ist so viel Unrecht widerfahren", sagte er 2017 gegenüber "Zeit online". "Wenn ich all diese Dinge lese vom durchgeknallten Genie, dann macht mich das wütend." Ihm ist nun daran gelegen, das Image seines Vaters aufzupolieren. "Ihn zu hören, ist immer noch etwas Einzigartiges. Er klingt jedes Mal anders."

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Kulturzeit: montags bis freitags,
live um 19.20 Uhr