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"Ich bin immer noch ein Punk, nur habe ich jetzt einen Schneider." Nick Cave wird 60.
"Ich bin immer noch ein Punk, nur habe ich jetzt einen Schneider." Nick Cave wird 60.
Die Kraft der Melancholie
Nick Cave zum 60. Geburtstag
Der "Rolling Stone" nennt ihn einen "dunklen Romantiker", einen "romantischen Existenzialisten": Die Rede ist von Nick Cave, Punk, Musiker, Filmmusikkomponist, Drehbuchautor und Romancier. Schon als er 50 wurde, dachten viele, das überlebe er nicht. Doch nun, am 22. September 2017, wird Nick Cave 60.
"Ich bin immer noch ein Punk, nur habe ich jetzt einen Schneider", sagte Nick Cave 2014 dem "SZ-Magazin" - vielleicht in Anspielung auf ein bewegtes Leben. Caves Kunst handelt vom Überleben nach dem Schmerz, von der Suche nach einem Gott, den er nicht findet. "Ich hatte dunkle Zeiten, aber jeder hat mal dunkle Zeiten", sagte er 2014 dem "SZ-Magazin". Und: "Ich erlaube meinen Gefühlen nicht mehr, mich an meiner Arbeit zu hindern." Nick Cave hat viel erlebt, doch gerade aus dem Abgrund, der Melancholie, scheint er Kraft zu schöpfen.

Die wilden 1980er in Berlin
Am 22. September 1957 wird er in Warracknabeal geboren, einem kleinen Ort im australischen Staat Victoria. Seine Mutter arbeitet als Bibliothekarin, sein Vater, ein Lehrer, kommt bei einem Autounfall ums Leben, als er 18 Jahre alt ist. Auf der High School lernt Cave Mick Harvey kennen, mit dem er seine erste Band The Boys Next Door gründet. Harvey, heute selbst anerkannter Musiker mit zahlreichen Projekten, bleibt über die Jahre sein treuester Weggefährte. Bei ihrem Umzug nach London 1980 benennen sich die beiden in The Birthday Party um. 1983 zieht Cave nach West-Berlin und löst die Band kurz darauf auf. Mit Harvey, dem Sänger der Einstürzenden Neubauten, Blixa Bargeld, und Barry Adamson gründet er die Band The Bad Seeds. In den 1980er Jahren prägt der Sänger das Musik- und Kunstleben Berlins.

"Besonders habe ich die Bars in Berlin geliebt, die nie zugemacht haben", sagt er einmal in einem Interview. "Ich habe dort Filmemacher, Musiker und Maler getroffen, wir haben Ideen ausgetauscht, bis in die frühen Morgenstunden." Ein Leben, das seinen Tribut zollt: Cave trinkt zu viel, ist auf harten Drogen. Doch die Drogen spielen auch eine Rolle für seine Kreatitivität. In seiner Berliner Zeit beginnt die Zusammenarbeit mit Wim Wenders. Cave komponiert Filmmusik, Wenders verwendet sie in einigen seiner Filme, etwa in "Der Himmel über Berlin", in dem Cave einen großen Auftritt hat.

Größter Einfluss: die Bibel
Insgesamt hat der Musiker für mehr als 30 Filme Soundtracks komponiert, wie auch 2007 für "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford". Film reizt den Allroundkünstler Cave auch als Schauspieler. Schon 1988 debütiert er in "Ghosts Of The Civil Dead". Auch an der Literatur versucht er sich, etwa mit dem Roman "Die Eselin sah den Engel", benannt nach einem Zitat aus dem 4. Buch Mose. Die Bibel ist bis heute einer der größten Einflüsse des Nick Cave.

2015 ereilt ihn ein schwerer Schicksalsschlag: Sein 15-jähriger Sohn Arthur stürzt unter LSD-Einfluss von einer Klippe. "Ich würde es gern auf eine Grußkartenplattitüde reduzieren - wie 'Er lebt in meinem Herzen'", sagt Cave dem "Rolling Stone". "Die Leute sagen es mir immerzu: 'Er lebt in deinem Herzen.' Ja. Er ist in meinem Herzen. Aber er lebt nicht." Selbst aus diesem Erlebnis entsteht etwas: das Album "Skeleton Tree", ein Album der Düsternis, doch voller Kraft. Nun, pünktlich zum 60. Geburtstag, ist ein Werk über Nick Cave erschienen: die Graphic Novel "Nick Cave - Mercy on me". Chapeau!

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags
live um 19.20 Uhr
Arte-Mediathek
© Arte"Nick Cave als Comic"
"Metropolis"-Beitrag vom 03.09.2017
Graphic Novel
"Mercy On Me"
von Reinhard Kleist
Carlsen 2017
ISBN-13: 978-3551764669
SRF.ch
© ap"Nick Caves großes Trauerstück"
(14.09.2016)