© Shelly Mosman
Die international bekannte Pianistin Gabriela Montero engagiert sich auch als Menschenrechtlerin.
Die international bekannte Pianistin Gabriela Montero engagiert sich auch als Menschenrechtlerin.
"Musiker können mehr tun als musizieren"
Die Pianistin Gabriela Montero über ihr Heimatland Venezuela
Venezuela steckt seit Monaten in einer dramatischen Krise, die Politik und Wirtschaft trifft. Täglich gibt es Bürgerproteste gegen Präsident Nicólas Maduro, bei denen es immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen kommt. Die in Barcelona lebende Pianistin Gabriela Montero beobachtet als Menschenrechtlerin und "Honorary Consul" von Amnesty International die politischen Vorgänge in ihrem Heimatland. In "Kulturzeit" haben wir mit ihr über Venezuela gesprochen.
Geboren 1970 in Caracas, stand Gabriela Montero schon als Fünfjährige zum ersten Mal auf der Bühne. Mit acht Jahren gab sie ihr Konzertdebüt mit Simón Bolivar und dem Nationalen Jugendorchester von Venezuela. 1980 zog sie mit ihren Eltern nach Miami, um dort mithilfe eines Stipendiums des venezolanischen Staates Musik zu studieren. Mit Anfang 20 studierte sie Klavier an der Royal Academy of Music in London. Als sie 1995 den dritten Preis beim Warschauer Chopin-Wettbewerb gewann, zog Gabriela Montero die Aufmerksamkeit der berühmten argentinischen Konzertpianistin Martha Argerich auf sich, die für sie eine wichtige Mentorin wurde. Sie war es auch, die Montero immer wieder zum öffentlichen Improvisieren ermutigte - inzwischen wird Gabriela Montero als Improvisationsgenie gefeiert.

Heimat an "staatliche Gewalt und Korruption" verloren
Gabriela Montero hat mit vielen renommierten Orchestern und Solisten musiziert. Doch sie will nicht "nur" Klavier spielen. Ihre erste eigene Komposition war ein Klavierkonzert mit dem Titel "Ex Patria", das vom "moralischen Verfall" Venezuelas handle, so die Künstlerin 2015 in einem Interview gegenüber der "Zeit". Auch wenn sie die meiste Zeit in den USA lebte, kehrte Gabriela Montero regelmäßig in ihre Heimat zurück und lebte dort auch von 2003 bis 2006 mit ihren beiden Töchtern. Inzwischen glaubt sie aber, ihre Heimat an "staatliche Gewalt und Korruption" verloren. "Als ich Kind war", sagte Gabriele Montero der "Zeit", "gab es auch Korruption, aber man konnte sich immerhin noch frei bewegen. Das ist längst vorbei." Bei ihrem letzten Besuch habe es sogar ernst zu nehmende Entführungs- und Morddrohungen gegen sie gegeben.

"Musiker können mehr tun als musizieren", sagt Montero, die als Botschafterin für Amnesty International auftritt. Ihrem Landsmann, dem Dirigenten Gustavo Dudamel, hat sie jahrelang vorgeworfen, sich zum Aushängeschild der Propaganda der Maduro-Regierung zu machen. Erst in den letzten Monaten hat sich dies geändert und auch Dudamel, der immer betonte nur Musiker und kein Politiker oder Aktivist zu sein, hat sein Schweigen gebrochen. "Es reicht", schrieb er im Mai in einem öffentlichen Brief nach dem Tod eines jungen Geigers aus dem Simón-Bolívar-Orchester bei Straßenprotesten. "Nichts kann dieses Blutvergießen rechtfertigen." Dieser Meinung ist Gabriela Montero schon lange.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags
live um 19.20 Uhr
Kulturzeit-Gespräch mit ...
© _Shelley_Mosman_300dpiVideoGabriela Montero, Pianistin
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