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Der Wandel wird von vielen Menschen als Zerreißprobe für die Gesellschaft wahrgenommen. Die Literatur sucht nach Erklärungen und Lösungen.
Frankreich lesen
Kulturzeit erkundet das Gastland der Frankfurter Buchmesse
Frankreich, für das Savoir-vivre bekannt, muss sich Terror, Rechtspopulismus und Migrationsproblemen stellen. "Kulturzeit" zeigt, wie sich diese Konflikte in der französischen Literatur widerspiegeln.
Viele Stimmen aus verschiedenen Ländern, die sich alle der französischen Sprache bedienen, zeichnen ein facettenreiches Bild des Landes, das auf eine wechselvolle Geschichte zurückblickt und auch heute wieder einen intensiven Wandel erlebt.

 

<b>BEITRAG:</b> Frankreich - Politik © dpa
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<b>BEITRAG:</b> Frankreich - Literatur © ZDF
BEITRAG: Frankreich - Literatur
<b>BEITRAG:</b> Frankreich - Kolonialismus © ZDF
BEITRAG: Frankreich - Kolonialismus
<b>BEITRAG:</b> Frankreich - Identität © ZDF
BEITRAG: Frankreich - Identität

 

Französische Sprache als Bindeglied für die Gesellschaft
Der Wandel wird von vielen Menschen als Zerreißprobe für die Gesellschaft wahrgenommen. Die Literatur sucht nach Erklärungen und Lösungen. "Wir befinden uns in einer totalen, beschämenden Paranoia", sagt etwa der Schriftsteller Jérôme Ferrari und regt sich über die Franzosen auf, die Angst vor Überfremdung haben. Diese Angst und eine fehlende Willkommenskultur sind für ihn Gründe für den Erfolg des Front National. Er lebt auf Korsika, der immer noch nach Unabhängigkeit strebenden französischen Insel. Mehr als alles andere ist für Ferrari die französische Sprache das Bindeglied für die Gesellschaft. Auch sein Denken, Fühlen und Schreiben sind von ihr geprägt, genauso wie für den Algerier Kamel Daoud. Nach dem Algerienkrieg geboren, kritisiert Daoud nicht nur die Kolonialherrschaft Frankreichs, sondern auch die selbst angenommene Opferhaltung seiner muslimischen Landsleute, weshalb er mit einer Fatwa belegt worden ist.

Für den auf der Karibikinsel Martinique, im Übersee-Département, geborenen Patrick Chamoiseau sind nach wie vor "die Kinder der Kolonisation lebendig, auch wenn die koloniale Macht längst beendet ist". So ist der Blick von außen auf Frankreich für viele Autoren ebenso wichtig wie die Analyse der Gesellschaft von innen. Das kann wie bei der in Marokko geborenen Leila Slimani das tragische Aufeinandertreffen verschiedener sozialer oder ethnischer Gruppen sein, oder wie bei Tristan Garcia die Suche nach einer sinnstiftenden Identität. Auch in den Comics, denen in Frankreich ein hoher literarischer Stellenwert eingeräumt wird, werden gesellschaftliche Probleme behandelt. Andere Comics, wie die des bekannten Autors Bastien Vivès, erzählen auf poetisch eindringliche Weise eher Abenteuer, Liebes- und moderne Fantasiegeschichten.

Sendedaten
"Kulturzeit extra: Frankreich lesen - Kulturzeit erkundet das Gastland der Frankfurter Buchmesse"
Ein Film von Susan Christely
Samstag, 14.10.2017
um 22.30 Uhr in 3sat