© Barbara Gindl, apa, dpa
Einer der Superstars auf der Festspielbühne ist einmal mehr Anna Netrebko.
Einer der Superstars auf der Festspielbühne ist einmal mehr Anna Netrebko.
Salzburger Festspiele 2017
"Kulturzeit extra" zieht erste Bilanz
Die Salzburger Festspiele zünden im ersten Jahr der Intendanz von Markus Hinterhäuser ein opulentes Feuerwerk: Mit Moderator Peter Schneeberger berichtet "Kulturzeit extra" von den künstlerischen Höhepunkten und zieht eine erste Bilanz.
Sendedaten
"Kulturzeit extra - Salzburger Festspiele"
Freitag, 11.08.2016
um 19.20 Uhr in 3sat


Wiederholung:
Montag, 14.08.2017
um 06.20 und 09.05 Uhr in 3sat
Aida
© Salzburger Festspiele,Monika Rittershaus
Millionen lieben diese Oper über verbotene Liebe im Zeichen der Politik: "Aida" von Giuseppe Verdi, der geplante Publikumsmagnet der Festivalsaison 2017. Anna Netrebko gibt die Titelrolle, Regie führt die international renommierte iranische Foto- und Filmkünstlerin Shirin Neshat. Für sie ist es ihre erste Operninsznierung. Neshat hat in Wien Videosequenzen gedreht, die sie als Teil des Bühnenbilds einsetzt. Syrische und afrikanische Flüchtlinge, aber auch Österreicher stellen die mächtigen Priester dar. Sie sprechen am Ende das Todesurteil. "Meine Interpretation ist schlüssig, wird aber vielleicht provozieren", sagt Shirin Neshat. "Denn ich will die westliche Kultur in einen Dialog mit der östlichen bringen. Ich will klar machen, dass auch die muslimische Welt eine kultivierte ist, die nicht immer nur als die barbarische, gewalttätige angesehen werden sollte. Denn auch die westliche Kultur trägt große Schuld an den Gräueln der Geschichte, die von Gewalt durchzogen ist." Neshat inszeniert Aida als eine starke Frau, die über sich hinauswächst.
Salzburger Festspiele
© Salzburger Festspiele, Monika Rittershaus "Aida"
von Giuseppe Verdi
Regie: Shirin Neshat
Musikalische Leitung: Riccardo Muti
Weitere Aufführungen:
12., 16., 19., 22. und 25.08.2017

Jedermann
© Salzburger Festspiele, Matthias Horn
2017 kommt der "Jedermann" im Pyjama mit Goldkettchen und Sonnenbrille auf die Bühne. Tobias Moretti gibt die Titelfigur aus Hugo von Hofmannsthals Stück, mit dem traditionell die Salzburger Festspiele eröffnet werden, nicht wie gewohnt als Lebemann und Partytiger, sondern vielmehr als einsam-traurigen Melancholiker. An seiner Seite: eine Frau von heute, selbstbewusst und erwachsen, die weiß, was sie will, nämlich leben. Stefanie Reinsperger schlüpft in die Rolle der Buhlschaft. Regisseur Michael Sturminger hat den Originaltext neu bearbeitet und bricht mit mehr oder weniger allen Aufführungstraditionen des Stücks, die noch auf den Regisseur und Festspielgründer Max Reinhardt zurückgehen. Sein "Jedermann" ist im Hier und Jetzt angekommen.
Salzburger Festspiele
© Salzburger Festspiele, Matthias Horn "Jedermann"
von Hugo von Hofmannsthal
Regie: Michael Sturminger
Weitere Aufführungen:
12., 14., 18., 20., 24., 26. und 28.08.2017

Kasimir und Karoline
© Salzburger Festspiele, Alexi Pelekanos
Soviel steht fest: Diese Inszenierung setzt nicht auf visuelle Effekte, sondern auf die Kraft der Darsteller. In Ödön von Horváths Stück wollen sich zwei Menschen auf dem Jahrmarkt so richtig amüsieren, schaffen dies aber nicht. "Kasimir und Karoline" - zwei Antihelden. Neben professionellen Schauspielern stehen 23 Laien auf der Bühne. Ausgewählt wurden sie aus 350 Bewerbern. Das US-amerikanische Regieduo 600 HIGHWAYMEN setzt auf diese offenere Form von Theater. "Wir mögen, was es mit dem Raum macht, mit der Idee von Theater, mit dem Zugehörigkeitsgefühl und wir mögen, was es mit der Empathie der Zuschauer macht"; sagt Regisseur Michael Silverstone. Die Hauptrollen sind mehrfach besetzt. "Die Geschichte betrifft uns doch alle", so die Regisseure. "Die Mischung ist aufgregend, die Kombination des persönlichen sich Entliebens und der großen Frage des Wiederbeginns nach dem Auseinanderbrechen."
Salzburger Festspiele
© Salzburger Festspiele, Alexi Pelekanos "Kasimir und Karoline"
von Ödön von Horváth
Regie: Abigail Browde & Michael Silverstone, 600 HIGHWAYMEN
Weitere Aufführungen:
13., 14., 15., 16. und 18.08.2017

Wozzeck
© Salzburger Festspiele, RuthWalz
Vom Publikum bewundert wird die außergewöhnliche Handschrift des William Kentridge. Der südafrikanische Animationskünstler hat Alban Bergs Oper "Wozzeck" auf die Bühne gezeichnet. "Lass uns an ein Bild denken - 15 Meter breit und 12 Meter hoch", sagt William Kentridge. "Nur hast du nicht nur einen, der die Leiter hält, sondern ein ganzes Team für die Bühne. Und dazu bekommst du noch die 20 besten Sänger." Eindringlich ist der Bariton Matthias Goerne, leuchtend die Sopranistin Asmik Grigorian. Begonnen hat Alban Berg die Oper über Wozzeck, der aus Eifersucht seine Frau umbringt und dann selbst umkommt, mitten im Ersten Weltkrieg. Die Bühne zeigt die Ausweglosigkeit aus einem Kreislauf von Gewalt und ist eine starke Mahnung. Was er mit seiner Regie aussagen will, legt William Kentridge vorher nicht fest. Zwei Jahre lang hat er sie im Atelier entwickelt. Wohl proportioniert hat er die Wimmelbilder eingesetzt, sodass ein Sog entsteht. Das Ringen, ob Bild oder Musik wichtiger ist, löst er auf, indem er beides kongenial zu einem Paar werden lässt.
Salzburger Festspiele
© Salzburger Festspiele, Ruth Walz "Wozzeck"
von Alban Berg
Regie: William Kentridge
Musikalische Leitung: Vladimir Jurowski
Weitere Aufführungen:
14., 17., 24. und 27.08.2017

Lulu
© Screen Eye
Sexualität, Machtspiele und Abhängigkeiten - das sind die Themen der "Lulu", Titelfigur von Frank Wedekinds Schauspiel. Männer und Frauen verfallen ihr gleichermaßen. Wer wen wie in den tödlichen Abgrund reißen wird? Das gilt in der ersten Theaterinszenierung der Filmemacherin Athina Rachel Tsangari knapp eine Woche vor der Premiere als gut gehütetes Festspiel-Geheimnis. "Lulu selbst ist ein sehr rätselhafter Charakter, sie ist alles und nichts", sagt die Regisseurin. Sie werde definitiv kein konventionelles Theater abliefern, kündigte Athina Rachel Tsangari vorab an. Ihre Filme gelten als pointiert und höchst unkonventionell inszeniert. "Ich versuche, die Interaktion zwischen meinen Charakteren sehr physisch zu halten", so Tsangari. "So wird viel Energie frei, die sich dann im guten Zusammenspiel heftig entladen kann. Ich mag es, wenn es explosiv wird." Wir sind gespannt.
Salzburger Festspiele
"Lulu"
von Frank Wedekind
Regie: Athina Rachel Tsangari
Weitere Aufführungen:
19., 20., 22., 24., 25., 27. und 28.08.2017

Lear
© ORF, Stephanie Holzschuster
Weil ein König den Falschen vertraut, kommt das Unheil in Gang. Nur unter den Töchtern, die ihm schmeicheln, verteilt er sein Reich. Die ehrliche Tochter verstößt er. Was folgt sind Neid, Gier und jede Menge Tote. "Lear" von Aribert Reimann ist eine Oper über einen Mann, dessen Identität nur auf Ruhm und Arbeit basiert und dem im Ruhestand wenig bleibt, so sieht es jedenfalls Regisseur Simon Stone: "In dieser Inszenierung erkennt Lear, dass er sich zu wenig, um sein Vermächtnis gekümmert hat. Er hat viel zu lange an seiner Macht festgehalten. Als seine Kinder beginnen, sein Vermächtnis zu zerstören, realisiert er, dass ihm im Leben das Falsche wichtig war." Viel Blut und 3000 frische Blumen soll es geben. Doch was Stone mit den mehr als 100 Statisten vorhat, behält der in der Schweiz geborene Australier für sich.
Salzburger Festspiele
© ORF, Stephanie Holzschuster "Lear"
von Aribert Reimann
Regie: Simon Stone
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Weitere Aufführungen:
20., 23., 26. und 29,08.2017

Lady Macbeth von Mzensk
© Salzburger Festspiele, Thomas Aurin
Nochmal das Thema Macht bei den Salzburger Festspielen: Dmitri Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth von Mzensk". Gefeiert für die Musik wird Dirigent Mariss Jansons. Für die wenig satrische, aber kluge Regie: Andreas Kriegenburg. Er hat die Lady nicht nur als Opfer inszeniert, sondern als eine gegen die vorherrschenden Verhältnisse rebellierende Frau. "Es gibt ganz simpel die Macht durch Gewalt, die Macht durch Angst und die Macht der Lust", so Kriegenburg. Vom Schwiegervater gedemütigt, vom Ehemann missachtet, lässt sich Katerina auf einen vulgären Taugenichts ein - Lust als Ausweg. Gewaltgeladene Orte machen die Macht der Angst spürbar. Stalin hatte die Oper lange verboten. Schostakowitsch selbst lebte in Furcht vor dem sowjetischen Regime. Der Weg Katarinas zur dreifachen Mörderin steht im Mittelpunkt von Andreas Kriegenburgs Inszenierung.
Salzburger Festspiele
© Salzburger Festspiele, Thomas Aurin "Lady Macbeth von Mzensk"
von Dmitri Schostakowitsch
Regie: Andreas Kriegenburg
Musikalische Leitung: Mariss Jansons
Weitere Aufführungen:
15. und 21.08.2017

La clemenza di Tito
© dpa
VideoVideo
Während unseres "Kulturzeit kompakt" haben wir schon über Peter Sellars' Inszenierung von "La clemenza di Tito" berichtet. Ein Werk, das Mozart zur Krönung von Kaiser Leopold II. in weniger als zwei Monaten komponierte - und das jetzt bei den Salzburger Festspielen gezeigt wird.
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