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Liu Xiaobo war der bekannteste politische Gefangene Chinas.
Kämpfer für eine bessere Gesellschaft
Chinesischer Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot
Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot. Der an Leberkrebs erkrankte Dissident starb an mehrfachem Organversagen. Das teilte die Justizbehörde der Stadt Shenyang, wo der 61-Jährige unter Bewachung im Krankenhaus behandelt wurde, am 13. Juli 2017 mit.
Der chinesische Bürgerrechtler, der 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, litt unter Leberkrebs im Endstadium und wurde Mitte Juni aus der Haft in das Krankenhaus verlegt. China lehnte jedoch die Ausreise des Schwerkranken mit seiner Frau für eine Klinikbehandlung im Ausland ab, wofür es von zahlreichen westlichen Politikern und Menschenrechtlern scharf kritisiert wurde.

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<b>Freunde kämpfen um Liu Xiaobo (13.07.2017)</b> © dpa Freunde kämpfen um Liu Xiaobo (13.07.2017)
<b>Berlin zur Aufnahme von Nobelpreisträger Liu Xiaobo bereit (12.07.2017)</b> © dpa Berlin zur Aufnahme von Nobelpreisträger Liu Xiaobo bereit (12.07.2017)
<b>Ai Weiwei fordert Einsatz der Bundesregierung für Liu Xiaobo (11.07.2017)</b> © dpa Ai Weiwei fordert Einsatz der Bundesregierung für Liu Xiaobo (11.07.2017)

 

© Reuters 2010 bei der Nobelpreisverleihung blieb Lius Stuhl leer.
2010 bei der Nobelpreisverleihung blieb Lius Stuhl leer.
Liu Xiaobo hatte 2010 für seinen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte den Friedensnobelpreis erhalten, was Chinas Regierung empörte. Während der Autor die vergangenen Jahre im Gefängnis verbrachte, wurde seine Ehefrau Liu Xia in Peking unter Hausarrest gestellt. Der Gesundheitszustand des Autors hatte sich nach Angaben seiner Ärzte seit vergangener Woche erheblich verschlechtert. Seit 10. Juli schwebte der Patient demnach in Lebensgefahr und wurde intensivmedizinisch behandelt. Einen Tag vor seinem Tod hatten die Ärzte am 12. Juli mitgeteilt, dass seine Atmung versage und er an Organversagen leide. Seine Familie habe eine künstliche Beatmung abgelehnt.

Angaben der chinesischen Zensurbehörden nicht überprüfbar
Die Angaben ließen sich nicht überprüfen, weil sowohl Liu Xiaobo als auch seine Familienmitglieder im Krankenhaus unter Bewachung standen und nicht mit Journalisten sprechen durften. Chinas Zensurbehörden verhinderten, dass inländische Medien über den Fall berichteten. Zwei ausländische Ärzte, die Liu Xiabo am Wochenende in Shenyang besuchen durften, bestätigten die Diagnose, dass er an Leberkrebs im Endstadium litt. Der Heidelberger Experte Professor Markus Büchler und der US-Krebsspezialist Joseph M. Herman kamen jedoch - anders als ihre chinesischen Kollegen - zu dem Ergebnis, dass Liu Xiabo zu diesem Zeitpunkt noch transportfähig gewesen wäre. Die Kliniken der Unis von Heidelberg und Texas erklärten sich bereit, den chinesischen Patienten aufzunehmen - was Peking jedoch ablehnte.

Der Literaturwissenschaftler Liu Xiaobo hatte schon nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in Peking wiederholt in Haft gesessen - insgesamt fünf Jahre lang. Sein Leben lang hat sich der Bürgerrechtler friedlich für Demokratie, Menschenrechte und Toleranz in China eingesetzt. Er war Mitverfasser der 2008 von 300 Intellektuellen unterzeichneten "Charta 08", in der ein "freier, demokratischer und verfassungsmäßiger Staat" in China gefordert wird.

Sinologin: Liu war nicht der radikalste Regimekritiker
Liu Xiaobo sei ein Netzwerker gewesen, der unterschiedliche Generationen von Dissidenten und Gruppen zusammenbringen konnte, sagt die Sinologin Kristin Shi-Kupfer vom Berliner Mercator Institute for China Studies. Er hatte Kontakt zu den Angehörigen der Bewegung von 1989, aber auch mit jungen Bloggern und mit reformwilligen Kräften innerhalb des Apparats. Diese Fähigkeit zum Dialog machte ihn für die chinesische Führung auch gefährlich. Zu den radikalsten Regimekritikern gehörte er nicht. Er sei ein Dissident gewesen, "der gehofft hat, dass man Reformen des politischen Systems mit Teilen der Elite schaffen kann", erläutert Shi-Kupfer, die von 2007 bis 2011 als Korrespondentin aus China berichtete. Liu habe ein anderes System gewollt, aber nicht die ganze Kommunistische Partei einfach hinwegfegen wollen.

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© reutersLupeZitate von Liu Xiaobo

"Ich habe keine Feinde und keinen Hass."

"Feindliche Mentalität vergiftet den Geist einer Nation, stiftet zu brutalen und tödlichen Kämpfen an, zerstört die Toleranz der Gesellschaft und der Menschheit und behindert den Fortschritt einer Nation in Richtung Freiheit und Demokratie."

"Ich sehe dem Tag entgegen, an dem meine Nation ein Land mit Meinungsfreiheit ist."

über Liu Xia, seine Ehefrau:

"Deine Liebe ist das Sonnenlicht, das über hohe Mauern springt und die Gitterstäbe meines Gefängnisfensters durchdringt. Selbst wenn ich zu Pulver zermalmt werde, werde ich noch meine Asche nehmen, um dich zu umarmen."

(Quelle: dpa)