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Peter Härtling hat sich mit seinem Werk ins Herz von Kindern und Erwachsenen geschrieben. Jetzt ist der Autor 83-jährig gestorben.
Unverwechselbare Stimme
Der Schriftsteller Peter Härtling ist gestorben
Er zählte zu den großen Schriftstellern in Deutschland: Peter Härtling. Am 10. Juli 2017 ist der vielfach ausgezeichnete Autor im Alter von 83 Jahren in Rüsselsheim gestorben, wie der Verlag Kiepenheuer & Witsch mitteilte.
In den Zeitungen wird an diesem 10. Juli noch Exegese und Kritik zu den gerade zu Ende gegangenen "41. Tagen der deutschsprachigen Literatu" betrieben; am Tag danach wird in Würdigungen Peter Härtlings, der nach kurzer schwerer Krankheit verstorben ist, sicher auch daran erinnert werden, dass er als Juror in Klagenfurt in den frühen Jahren des Wettlesens um den Ingeborg Bachmann-Preis eine herausragende Rolle gespielt hat.

Prämierter Juror in Klagenfurt
In den Zeiten nämlich, als das Wettlesen noch seine Struktur und seine Rituale gesucht und ausprobiert hat, als die Schriftsteller sich den Juroren nicht nur auslieferten, sondern sich beispielsweise im zweiten Jahr, 1978, für die Kritik an ihren Texten revanchierten, indem sie den Klagenfurter Lindwurm-Preis an die Juroren verliehen, die am genauesten und am konstruktivsten auf ihre Wettbewerbstexte eingegangen waren. Und einer dieser prämierten Juroren war eben Peter Härtling.

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Das war kein Zufall, das beschreibt die Rolle und den Charakter von Peter Härtling - und von seiner Auffassung vom Umgang mit der Literatur aufs Genaueste. Peter Härtling hat auf vielen Feldern Erfahrungen gesammelt, in frühen Jahren als Journalist, dann als Cheflektor und Geschäftsführer des S. Fischer-Verlages um 1970, ab 1974 als freier Schriftsteller. Er hat die Künstler, die Schriftsteller und Komponisten der deutschen Romantik in Romanbiografien gefeiert, hat die eigene Lebensgeschichte in seinen Büchern erkundet und diese persönliche Geschichte stets in Beziehung zu seinem gesellschaftlichen Umfeld gesetzt; hat sich als politisch denkender Bürger anfangs für die SPD, später für die Friedensbewegung oder auch im Kampf gegen die Startbahn West des Frankfurter Flughafens engagiert.

Ruhig, gelassen, abgewogen, aber eindringlich
Peter Härtling verfügte über eine eigene Stimme, die man in seinen Büchern genauso unverwechselbar erkannte wie bei seinen Auftritten vor meist großem Publikum, ruhig, gelassen, abgewogen, aber von erheblicher Eindringlichkeit. Und er war zugleich - und das machte seine Qualitäten als Kritiker, als Juror aus - eben auch durchlässig für die Stimmen anderer, die er im Detail analysieren, auch heftig kritisieren konnte, denen er aber ihr Eigenrecht niemals bestreiten wollte. Seine Maxime war, das hat er mehr als nur einmal erklärt, er wolle mit den Texten anderer mitgehen, nicht von vorneherein ein Instrumentarium, ein Muster anlegen, an dem sie zu messen seien.

So zurückhaltend wie das klingt, so weitreichend haben die Werke von Peter Härtling über Jahrzehnte ihre Wirkung entfaltet, nicht zuletzt auch in der Kinder- und Jugendliteratur, denn auch das zählt zu seiner Lebensleistung: Peter Härtling ist in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren einer der ersten Schriftsteller, die sich neben ihren Büchern für Erwachsene auch den jungen Lesern zuwenden, ohne Berührungsängste zu haben. 1969 hält er eine Laudatio auf einen Roman des tschechischen Kinderbuchautors Jan Procházka, schon im Jahr darauf arbeitet er an seinem ersten eigenen Buch für diese Lesergruppe und trägt mit Büchern wie "Das war der Hirbel" (1973) maßgeblich zu den Aufbrüchen der Kinder- und Jugendliteratur in die modernen Zeiten bei, weg von verzopfter Pädagogik und altmodischer Bevormundung.

Immer unverwechselbar er selbst
All diesen Themen, all diesen Engagements, ist er bis zuletzt treu geblieben, in den vergangenen Jahren manchmal schon im Rollstuhl sitzend, aber immer unverwechselbar er selbst. Als Künstler, als Vermittler, als Gesprächspartner - so jemand wie Peter Härtling ist nicht zu ersetzen.

Übersicht
"Kulturzeit kompakt" am 10. Juli 2017
Die Themen der Sendung im Überblick
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Peter Härtling zu Gast am 3sat-Stand zu seinem Roman "Verdi" (16.10.2015)