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Die Meinungsfreiheit ist zu seinem Lebensthema geworden: Salman Rushdie. Nun wird er 70.
Die Meinungsfreiheit ist zu seinem Lebensthema geworden: Salman Rushdie. Nun wird er 70.
Schreiben unter Polizeischutz
Salman Rushdie zum 70. Geburtstag
"Ich denke, man kann nur in einer freien Gesellschaft leben, wenn man das Gefühl hat, man darf Dinge aussprechen", sagte der britisch-indische Schrifsteller Salman Rushdie einmal. Jahrzehntelang musste er sich nach den Todesdrohungen für sein Buch "Die satanischen Verse" verstecken, am 19. Juni 2017 wird Salman Rushdie 70 Jahre alt.
Das Licht der Welt erblickt er 1947 im indischen Mumbai. Sein Vater, ein muslimischer Geschäftsmann, schickt ihn nach England auf ein Elite-Internat. Im Anschluss studiert er am King's College in Cambridge. Seine Brötchen verdient er zunächst als freier Journalist, Theatermitarbeiter, Schauspieler und Werbetexter. Um 1973 beginnt er mit dem Schreiben. 1981 wird er mit seinem Roman "Mitternachtskinder" bekannt und dafür später mit dem Booker-Preis ausgezeichnet.

Zehn Jahre auf der Flucht
© AP "Ich bin sehr stolz auf dieses Buch."
"Ich bin sehr stolz auf dieses Buch."
1988 erscheinen die "Satanischen Verse", ein Jahr später verhängt der iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini die Fatwa über Salman Rushdie. Das gotteslästerliche Buch richte sich "gegen den Islam, den Propheten und den Koran", heißt es zur Begründung. "Ein mächtiger Stamm der Kleriker hat den Islam übernommen, das ist die zeitgenössische Gedankenpolizei", hat Rushdie kurz zuvor im britischen "Guardian" verlauten lassen. "Ich bin sehr stolz auf dieses Buch", sagt Rushdie der BBC. "Ich denke, es ist vielleicht eines der besten Bücher, die ich je geschrieben habe." Doch Rushdie muss untertauchen, zehn Jahre lang verstecken er und seine Frau sich, wechseln ihren Standort, fürchten ständig um ihr Leben. Auf mehrere Buchläden, die die "Satanischen Verse" verkaufen, werden Brandbomben geworfen. Ein Attentäter verliert sein Leben, als er eine Bombe in einem Hotelzimmer scharf macht.

Rushdie will den Alptraum beenden. Er bekennt sich 1990 erneut zu seinem muslimischen Glauben und distanziert sich zudem vom eigenen Buch. Trotzdem werden in den darauffolgenden Jahren mehrere Übersetzer und Verleger seines Buchs in Italien, Japan, Norwegen und der Türkei schwer verletzt oder sogar getötet. Doch Rushdie schreibt weiter - unter Polizeischutz. Er verfasst unter anderem seine Autobiografie. In ihr setzt er sich mutig mit seinem Leben auf der Flucht, mit der frühen Eifersucht auf erfolgreichere Schriftsteller, mit seinen Beziehungen auseinander. Seine schonungslose Offenheit überzeugt die Kritiker. Schon lange kommt er ohne Leibwächter aus, obwohl 2016 das Kopfgeld umgerechnet auf dreieinhalb Millionen Euro aufgestockt worden ist.

Neues Buch im September 2017
Salman Rushdie ist mit vielen Preisen geehrt worden, darunter der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur. Seinen 70. Geburtstag hat der Schriftsteller schon bei einem Abendessen mit befreundeten Literaten gefeiert, darunter Ian McEwan und Antonia Fraser. Ein neues Buch von Rushdie ist kurz vor der Vollendung: Im September 2017 kommt "Das Goldene Haus" heraus, die Geschichte eines jungen amerikanischen Filmemachers, angefangen mit der Amtseinführung von Barack Obama bis zur Wahl Donald Trumps.

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