© dpa
Future Islands (hier ein Archivfoto von 2015) sind derzeit mit "The Far Fields" auf Tour.
Future Islands (hier ein Archivfoto von 2015) sind derzeit mit "The Far Fields" auf Tour.
Wenn die Synthesizer Trauer tragen
Future Islands präsentieren "The Far Field"
Auf ihrem fünften Album "The Far Field" bleibt die US-amerikanische Band Future Islands ihrem Sound treu - und überholt damit fast sich selbst, sagt "Kulturzeit"-Mitarbeiter Florian Kölsch.
Es war im März 2014, als die damals noch eher unbekannte Indie-Formation Future Islands aus Baltimore, Maryland, in der Late-Night-Show von David Letterman auftreten durfte - und diese Bühne gekonnt zu nutzen wusste: Bei der Performance des Überhits "Seasons (Waiting on You)" legte Frontmann Samuel T. Herring eine erinnerungswürdige Gesangsdarbietung hin, bei der er seltsam tanzte, sich die Hand ableckte, den Körper verrenkte oder einfach mal Gore-mäßig ins Mikrophon röchelte. Ein Auftritt irgendwo zwischen dem Wahnsinn eines Klaus Kinski und der Bühnen-Exaltiertheit eines David Byrne - der die Band aber in aller Munde brachte.

Tiefer Einblick in zerrüttetes Seelenleben
"Singles" - das 2014er Album - wurde zum Kritikererfolg, die Live-Auftritte der Band schnell legendär. Nun also der Nachfolger zur Erfolgsplatte. Das neue Werk heißt "The Far Field" und bietet den bekannten, energetischen Synth-Pop, der durch den facettenreichen Gesang des Frontmanns Herring eine enorme emotionale Tiefe erhält. Textlich wird dem Hörer auf "The Far Field" ein tiefer Einblick in das zerrüttete Seelenleben des Frontmanns und Textschreibers der Band gewährt. Desillusioniert vom Leben, sehnsüchtig nach der Liebe singt er etwa auf der Single "Ran": "What's a song without you / when every song I write's about?"

Musikalisch wie textlich ist "The Far Field" enorm kohärent: Die 1980er-Anleihen, demonstrativ durch den durchdringen Post-Punk-Bass und den stilprägenden Synthesizer dargeboten, verbinden sich mit den textlichen Leitmotiven um Sehnsucht und Einsamkeit zu einem klangvollen Gesamtwerk, das einen so schnell nicht loslassen will. Kleines Highlight des Albums ist - neben den beiden sehr guten Singles "Cave" und "Ran" - sicherlich der Song "Shadows", für den die Band die Post-Punk-Ikone Debbie Harry (Blondie) als Feature-Gast gewinnen konnte. Fazit: Frontmann Herring hat ein inspirierendes Stück Musik geformt: "I don't believe anymore / because what was gold is gone and cold". "The Far Field" bleibt uns jedenfalls glücklicherweise erhalten. Und Samuel Herring hoffentlich auch noch lange.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr
Zur Person
Florian Kölsch
Unser Autor Florian Kölsch hört, obwohl erst in den 1990ern geboren, sehr gerne Musik mit Anleihen aus den 1980er Jahren.
Musik
"The Far Field"
von Future Islands
4AD 2017

Tourdaten:
23./25.06.2017:
Hurricane Festival, Scheesel
27.06.2017:
Live Music Hall, Köln
06.11.2017:
Docks, Hamburg
08.11.2017:
Theaterfabrik, München