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30 Tage ist die österreichische Autorin derzeit auf Facebook gesperrt.
Streit um Sargnagel
Text-Zoff um österreichische Autorin
"Über Babykatzen macht man keine Witze", konstatiert Stefanie Sargnagel am 17. März 2017 im ORF-Interview. "Da kriegt man dann wirklich Morddrohungen, Vergewaltigungsdrohungen." Bei ihr war der Shitstorm unlängst so heftig, dass sogar der österreichische Verfassungsschutz Ermittlungen aufnehmen musste.
Was war passiert: Die Autorin, die mit bürgerlichem Namen Sprengnagel heißt und 2016 den Bachmann-Publikumspreis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gewann, war im Januar 2017 mit anderen Kreativen in Essaouira, Marokko, um in einem Haus in Ruhe zu schreiben. Gefördert mit einem Literaturstipendium. Es entstand auch ein Reisetagebuch, das auf Standard.at auszugsweise veröffentlicht wurde. Inhalt: auch "flache Witzchen und ein paar G'schichten", wie Sargnagel in einem FM4-Interview am 12. März erklärte. Ironisch. Satirisch. Es geht unter anderem um Haschisch und Wein. Und eben um Babykatzen. Zum Beispiel schrieb Sargnagel am 5. Januar 2017:


"Lydia ist die einzige Vegetarierin der Gruppe, aber im Unterschied zu den anderen VegetarierInnen, die ich kenne, ist sie es nicht, weil sie Tiere liebt, sondern weil sie Tiere zutiefst hasst. Heute hat sie eine Babykatze zur Seite getreten mit der Behauptung, sie habe Tollwut, danach biss sie selbstzufrieden in eine vegetarische Crêpe."

Eine andere Mit-Autorin, Lydia Haider, schrieb:

"Leider bin ich die Einzige, die arbeitet und dazu fleißig sauft. Steffi ist abstinent, Maria gemäßigt unterwegs, die anderen kiffen ab und zu und kudern dann herum und denken nur ans nächste Restaurant mit WiFi."

Links zum Thema:

Morddrohungen und Shitstorm
Das Problem: Die "Kronen-Zeitung" nahm die überspitzten Formulierungen - so Sargnagel - als bare Münze und titelte: "Saufen und Kiffen auf Kosten der Steuerzahler". Die Folge: Morddrohungen und ein Shitstorm sondergleichen. Die Autorin wurde als "willig" bezeichnet, ein "Zwangssterilisieren dieser Drecksau" gefordert. Andere kommentierten: "Was ist das eine Schlampe und sowas wrd gefördert!!!!!". Auf ihrer Facebookseite veröffentlichte Sargnagel in einer Bildergalerie noch etliche dieser Kommentare. Daraufhin wurde ihr Facebook-Account gesperrt - allerdings nicht 30, sondern letztlich nur zwei Tage. "Man hetzt gezielt gegen mich", sagte sie in der SZ, "weil ich zu viel ausspreche, das reaktionären Männern missfällt."

"Mich ärgert einfach, dass das bewusst so gesteuert wird"
"Mich ärgert gar nicht so sehr dieser Hass, den die Leute kanalysieren", sagt Sargnagel im ORF. "Ich weiß, das geht nicht wirklich gegen mich, da lassen sie halt irgendwelche Frustrationen raus. Mich ärgert einfach, dass das bewusst so gesteuert wird von rechten Medien und von der 'Kronen'-Zeitung." Schon 2016 wurde Sargnagel bei Facebook gemeldet und gesperrt. Die Autorin hätte sich - so der Vorwurf damals - über ein Mitglied der rechtsextremen Identitären Bewegung lustig gemacht. Über die aktuelle Debatte sagt sie: "Viele der Leute haben den Bericht überhaupt nicht gelesen, sondern nur gelesen: Stefanie Sargnagel quält Babykatzen in Marokko auf Hasch."

Die Hetze wird nun polizeilich geprüft. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich gegen die einzelnen Kommentatoren vorgehe", sagt Sargnagel im ORF-Interview. "Das macht sowieso der Verfassungsschutz, weil das strafrechtlich relevant ist. Abner es wurden auch Bildrechte missbraucht von uns - und wir freuen uns schon auf das Geld für den nächsten Marokko-Urlaub."

Von Avaaz.org wurde zudem eine Petition ins Leben gerufen, die die Kündigung des "Krone"-Journalisten Fritz Kimeswenger fordert, der - so der Vorwurf: "trotz des Wissens um die Gewaltaufrufe die aktuelle Wohnadresse der Künstlerin" veröffentlicht und mit einem Zitat suggeriert hatte, "sie stehe derartigen Übergriffigkeiten 'willig' gegenüber".

Sendedaten
Kulturzeit: montags bks freitags, live um 19.20 Uhr
Mediathek
© ZDFVideoStefanie Sargnagel im "Kulturpalast"
(12.03.2016)
Info
Gesperrt zu werden, passiert vielen Facebook-Usern. Wie vielen genau, ist jedoch nicht klar. "Wir machen zu der Anzahl von gelöschten oder gesperrten Postings keine Angaben", erklärte eine Sprecherin von Facebook noch 2016.
Info
Facebook-Gemeinschaftsstandards:
Was wird auf Facebook gesperrt?

Facebook hat Gemeinschaftsstandards formuliert, damit sich "die Menschen sicher fühlen, wenn sie Facebook verwenden". Erläutert wird hier unter anderem, wie bei Nacktheit, Hassbotschaften und gewaltexpliziten Inhalten vorgegangen wird. "Humor, Satire oder soziale Kommentare zu diesen Themen sind zulässig", steht da explizit.

Denn: "Manchmal teilen Menschen Inhalte, die Hassbotschaften anderer Personen enthalten, um das Bewusstsein für ein bestimmtes Thema zu erhöhen oder andere über solche Hassbotschaften aufzuklären." Man erwarte aber, "dass diese Personen ihr Ziel eindeutig vermitteln, sodass wir besser verstehen können, weshalb sie diese Inhalte geteilt haben."