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Der Friedensnobelpreis 2016 geht an Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos.
Der Friedensnobelpreis 2016 geht an Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos.
Vom Kriegsminister zum Friedenspräsidenten
Juan Manuel Santos bekommt den Friedensnobelpreis 2016
Der Friedensnobelpreis 2016 geht an Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos. Das teilte das norwegische Nobelpreiskomitee am 7. Oktober 2016 in Oslo mit. Santos erhält den Preis für seine Bemühungen um einen Friedensvertrag mit den Farc-Rebellen.
Die kolumbianische Bevölkerung hatte den Friedensvertrag am 2. Oktober 2016 in einem Referendum überraschend abgelehnt. Das Nobel-Komitee betonte, dass dies kein Ende der Friedensverhandlungen bedeute und die Auszeichnung als Unterstützung für den Prozess dienen solle.

 

Santos habe nicht nur seinem Land, sondern der ganzen Region "dringend benötigte neue Hoffnung verliehen auf ein Ende des Blutvergießens", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am 7. Oktober 2016 in Berlin. Die Verleihung der hohen Auszeichnung sei eine Ermutigung, diesen Weg weiter zu beschreiten.

 

Bei der Volksabstimmung über den Friedensvertrag mit den "Revolutionären Streitkräften Kolumbiens" ("Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia" - Farc) erlitt Santos eine herbe Niederlage, 50,2 Prozent stimmten dagegen. Der Friedensnobelpreis stärkt ihm nun den Rücken, doch noch ein Abkommen zu erzielen. Den Gegnern sind vor allem die Strafnachlässe ein Dorn im Auge - und dass sich für Verbrechen verantwortliche Guerilleros demnächst zur Wahl stellen können. Die marxistisch orientierten Farc wollen ihre Ziele künftig auf legalem politischen Wege erreichen.

Vom Kriegsminister zum Friedenspräsidenten
Santos gehörte als Handels- und Finanzminister verschiedenen Regierungen an. Unter Präsident Álvaro Uribe war er als Verteidigungsminister für eine Militäroffensive gegen die Farc verantwortlich. Bei den Präsidentenwahl 2010 präsentierte er sich als Erbe seines politischen Ziehvaters Uribe. Als er dann aber 2012 die Friedensgespräche mit den Farc einleitete, überwarf er sich mit dem konservativen Hardliner, der zum erbitterten Gegner des Abkommens mit der Farc wurde - und mit seinern "No"-Kampagne siegte. Nun muss Santos auch mit dem Uribe-Lager verhandeln.

Santos studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität von Kansas in den USA und öffentliche Verwaltung in Harvard. Später stieg er in das Verlagsgeschäft seiner Familie ein, die lange die größte kolumbianische Tageszeitung "El Tiempo" kontrollierte. Er stammt aus einer der einflussreichsten Familien des Landes. Sein Großonkel Eduardo Santos war von 1938 bis 1942 Präsident Kolumbiens, sein Cousin Francisco Santos war Vizepräsident unter Uribe, auch er ist ein Gegner des Vertrages mit der Farc.

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Friedensnobelpreis
Der Friedensnobelpreis ist die einzige der renommierten Nobel-Auszeichnungen, die in Oslo überreicht wird. Die Verleihung findet am 10. Dezember statt - dem Todestag des schwedischen Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel. Alle Nobelpreise sind mit einem Preisgeld von acht Millionen Schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert.