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Chuck Berry war ein großartiges Allroundtalent: einer der erfolgreichsten Songwiter, Sänger, Gitarristen und Entertainer und einer der Gründungsväter des Rock'n'Roll.
Chuck Berry war ein großartiges Allroundtalent: einer der erfolgreichsten Songwiter, Sänger, Gitarristen und Entertainer und einer der Gründungsväter des Rock'n'Roll.
"Der König ist tot"
Rock'n'Roll-Legende Chuck Berry im Alter von 90 Jahren gestorben
Er sei ein "spektakulärer Songschreiber", so die Jury des Polar-Musikpreises 2014 über Chuck Berry. Die Rolling Stones, die Beatles und viele andere hätten ihr Handwerk gelernt, indem sie Chuck-Berry-Songs spielten. Am 18. März 2017 ist das Urgestein des Rock'n'Roll in St. Louis, Missouri, im Alter von 90 Jahren gestorben.
Viele Fans und Kollegen betrauerten den Tod des Musikers im Internet. "Ich bin so traurig zu hören, dass Chuck Berry gestorben ist", twitterte Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger. "Ich möchte mich bei ihm für all die inspirierende Musik bedanken, die er uns gegeben hat. Er hat Licht in unsere Teenager-Jahre gebracht und uns davon träumen lassen, Musiker zu werden. Seine Texte haben andere überstrahlt und ein merkwürdiges Licht auf den amerikanischen Traum geworfen. Chuck, du warst großartig und deine Musik ist in uns für immer eingraviert."

© David Carson/St. Louis post-dispatch via AP "Der König ist tot": Fans trauern um Chuck Berry.
"Der König ist tot": Fans trauern um Chuck Berry.
Bruce Springsteen bezeichnete Berry gar als "besten Fachmann, Gitarristen und puren Rock'n'Roll-Schreiber, der je gelebt hat". Musiker John Mayer würdigte Berry als "Legende" und Autor Stephen King schrieb, die Nachricht habe sein Herz gebrochen: "Aber 90 Jahre alt ist nicht schlecht für Rock'n'Roll". Rocker Lenny Kravitz pries Berrys Einfluss auf die Musik: "Keiner von uns wäre ohne dich hier. Rock on, Bruder!" Und der Comedian Marc Maron schrieb schlicht: "Der König ist tot."

Er prägte er den Rock'n'Roll nachhaltig mit
Auch wenn Chuck Berrys größte Rock'n'roll-Hits bereits in den Jahren zwischen 1955 und 1959 entstanden, so klingt seine Musik bis heute wie eh und je. Als zweiter schwarzer Star neben Little Richard prägte er den Rock'n'Roll nachhaltig mit. Mit seinem Gitarrensound landete Berry auf Platz sechs der "100 besten Gitarristen aller Zeiten" des Musikmagazins "Rolling Stone".

1926 im kalifornischen San José als Sohn einer Lehrerin und eines Mühlenarbeiters geboren, begann Chuck Berrys Interesse an der Musik schon früh: Er sang im Baptistenchor seiner Gemeinde, später im Chor der Highschool und spielte Gitarre, Saxofon und Klavier. Bei einem Auftritt in seiner Highschool mit dem Song "Confessin' the Blues" erntete er großen Applaus. Doch trotz seines Wunsches weiter auf der Bühne zu stehen, machte er eine Friseurausbildung. Ein "Chorknabe" war er jedoch zu dieser Zeit nicht mehr: Wegen eines Raubüberfalls wanderte Berry 1944 für drei Jahre in Jugendhaft. Danach arbeitete er tagsüber als Friseur und spielte abends mit dem Sir John Trio im Cosmopolitan Club in St. Louis. Dort fiel er auch seinem großen Vorbild Muddy Waters auf, der ihm den Kontakt zur Plattenfirma Chess Records herstellte.

Auf und ab
© epa "Roll over Beethoven" wurde sein wohl einflussreichster Song.
"Roll over Beethoven" wurde sein wohl einflussreichster Song.
1955 konnte Berry dort mit "Maybelline" seinen ersten Hit auf Platz fünf der US-Charts landen. Doch der Chef des Labels nutzte Berrys Unerfahrenheit in Geschäftsdingen aus und sicherte sich Autorenrechte an diesem Titel. Auch bereicherten sich Menschen aus Berrys Umfeld immer wieder an seinem Erfolg. Das führte dazu, dass er sich seine Gagen später immer bar und vor dem Auftritt auszahlen ließ.1957 gelang ihm mit "Roll over Beethoven" der vielleicht einflussreichste Song seiner Rock'n'Roll-Geschichte. Berry tourte daraufhin durch die USA und trat im Fernsehen auf. Große Erfolge mit Songs wie "Rock And Roll Music", "Sweet Little Sixteen", "Johnny B. Goode" und "Carol" landete er alle bis Ende 1958.

1959 schien die Hoch-Zeit des Rock'n'Roll zuende zu gehen: Buddy Holly starb, Elvis Presley war zur Armee eingezogen worden und Jerrry Lee Lewis landete mit der Skandal-Ehe mit seiner 13-jährigen Cousine in den Schlagzeilen. Im selben Jahr kam Buddy Holly erneut ins Gefängnis. In seinem "Berry Park Country Club" indes hatte Chuck Berry eine 14-Jährige eingestellt, die er rauswarf, als er ihr Alter erfahren hatte. Sie zeigte ihn daraufhin wegen Verschleppung Minderjähriger an. Aus der fünfjährigen Haftstrafe wurde er 1964 vorzeitig entlassen und versuchte ein Comeback als Musiker. In England war er sofort erfolgreich, die Jugendlichen dort entdeckten seine Musik erst jetzt für sich. Im Oktober trat er mit den Rolling Stones, den Beach Boys und den Supremes in Santa Monica, USA, auf.

Preise und Ehrungen
Anfang der 1970er Jahre konnte Chuck Berry erneut mehrere Hitsingles in den Charts plazieren, "My Ding-A-Ling" wurde 1972 sein erster Nummer-Eins-Hit. In den Jahren bis 1979 war der Musiker häufig live zu sehen. So spielte er 1973 mit Jerry Lee Lewis und Bruce Springsteen in Maryland. Auch in den 1980er Jahren war der Rock'n'Roll-Star präsent: Im Jahr seines 60. Geburtstages bekam Berry den Grammy für sein Lebenswerk, wurde in die "Rock'n'Roll Hall Of Fame" und die "Songwriter Hall of Fame" aufgenommen und erhielt einen Stern auf dem "Walk of Fame" in Hollywood.

© Reuters 2008 erhielt Berry die Goldene Kamera für sein Lebenswerk.
2008 erhielt Berry die Goldene Kamera für sein Lebenswerk.
Nach einer Hausdurchsuchung 1990 kam Chuck Berry erneut mit dem Gesetz in Konflikt: Man fand Drogen und Pornos, die Berry mit einer Minderjährigen gedreht hatte - sechs Monate Haft folgten. Nach seiner Entlassung war Berrys Energie ungebrochen: In den 1990er Jahren spielte er Revivalauftritte mit Fats Domino, Little Richard und Jerry Lee Lewis. 1995 trat er mit Domino auf der Berliner Waldbühne auf. 1997 absolvierte er zwei Konzerte in Moskau, um im Herbst des Jahres wieder in Deutschland auf Tournee zu gehen.

Keith Richard: "Er war die Luft, die ich atmete."
Bei einem seiner Auftritte im Januar 2011 in Chicago erlitt Berry einen Schwächeanfall und musste das Konzert frühzeitig abbrechen. Zur Verleihung des Polar-Musikpreises 2014 in Stockholm konnte der 87-Jährige nicht mehr selbst anreisen. Er sei "der Rock'n'Roll-Pionier, der die E-Gitarre zu einem Hauptinstrument der Rockmusik gemacht" habe, so die Polarpreis-Jury. Keith Richards ehrte sein musikalisches Vorbild bei der Verleihung per Video: "Als ich mit Gitarrespielen anfing, war er die Luft, die ich atmete: So ein großartiger Sänger, so ein großartiger Musiker, so ein großartiger Showman. Wenn ich ihn hörte, war ich für den Tag erfüllt."

Zu seinem 90. Geburtstag im Oktober 2016 hatte Berry noch die Veröffentlichung eines neuen Albums - das erste Studioalbum seit 40 Jahren - mit hauptsächlich neuen Songs angekündigt. Es sollte seiner Frau Themetta Berry, mit der er fast 70 Jahre verheiratet war, gewidmet sein. "Mein Darling. Ich werde alt. Ich habe lange an diesem Album gearbeitet. Jetzt kann ich meine Schuhe an den Nagel hängen", sagte er damals. Die Veröffentlichung wird er nun nicht mehr erleben - Chuck Berry wurde 90 Jahre alt.

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