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Die Salzburger Festspiele gelten als eines der größten und wichtigsten Kulturfestivals der Welt.
Die Salzburger Festspiele gelten als eines der größten und wichtigsten Kulturfestivals der Welt.
Salzburger Festspiele 2016
Von Träumen und der Realität
2016 haben sich die Salzburger Festspiele Träume auf die Fahnen geschrieben und zeigen unter anderem Shakespeare, Adès, Richard Strauss. "Kulturzeit extra" blickt am 5. August - zur Halbzeit - auf das Geschehen.
Sendedaten
"Kulturzeit extra - Salzburger Festspiele"
Freitag, 05.08.2016
um 19.20 Uhr in 3sat

Wiederholung:
Montag, 08.08.2016
um 06.20 und 09.05 Uhr in 3sat
Die Salzburger Festspiele gelten als eines der größten und wichtigsten Kulturfestivals der Welt. Es ist die letzte Saison unter dem Interimsintendanten Sven-Eric Bechtolf, der eingesprungen war, als sich Alexander Pereira überraschend nach Mailand verabschiedet hatte. Manche Medien nennen Bechtolf inzwischen einen rastlosen Kreativarbeiter. 2016 verantwortet der 58-Jährige nicht nur das Gesamtprogramm, sondern steht auch selbst auf der Bühne und ist für den Da-Ponte-Mozart-Zyklus zuständig. Gelingt es, Publikum und Kritik zu überzeugen? Und in welche Richtung geht es dann weiter mit den Salzburger Festspielen, wenn der Neue, Markus Hinterhäuser, ab Herbst das Zepter in die Hand nimmt?
Festivalsommer 2016
Festivalsommer 2016
Internationale Musikhighlights in 3sat

Zum letzten Mal "Jedermann": Cornelius Obonya
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"Das ist meine letzte Saison", sagte der Burgtheater-Schauspieler Cornelius Obonya schon zu Beginn der Salzburger Festspiele. Vier Spielzeiten war er in der Titelrolle des "Jedermann" in Hugo von Hofmannsthals Klassiker zu sehen, der traditionell die Salzburger Festspiele eröffnet. Das Ende der Festspiel-Leitung von Sven-Eric Bechtolf mit Ende der laufenden Saison sei nun der richtige Moment. "Es ist für mich der Normalfall, aufzuhören, wenn diese Intendanz zu Ende geht. Das ist ja von der neuen Intendanz auch so geplant. Und außerdem habe ich auch Lust auf Neues." Darüber und mehr spricht Ernst Grandits mit Cornelius Obonya.

Die neue "Buhlschaft": Miriam Fussenegger
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Zum "Jedermann" gehört untrennbar die "Buhlschaft", 2016 gibt es eine Neubesetzung: Miriam Fussenegger. Sie tritt die Nachfolge von Brigitte Hobmeier an, die seit 2013 die Geliebte des reichen Mannes auf dem Salzburger Domplatz verkörperte hat. Viele bekannte Schauspielerinnen gaben die "Buhlschaft" zuvor in Salzburg, darunter Sophie Rois, Nina Hoss, Sophie von Kessel und Birgit Minichmayr. Wie hat sich nun die "Neue" geschlagen? Seit 1920 wird der "Jedermann", "Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes", bei den Salzburger Festspielen vor der mächtigen Fassade des Salzburger Doms aufgeführt. Regisseure wie Max Reinhardt, Heinz Hilpert, Ernst Lothar, Leopold Lindberg und Gernot Friedel inszenierten dort das Stück. 2016 inszenieren Julian Crouch und Brian Mertes.

Matthias Hoch fotografiert das "Hotel Kobenzl"
© 2016, Matthias Hoch / VG Bild-Kunst Bonn
Das Salzburger Hotel Kobenzl, oberhalb der Stadt gelegen, war einst ein Luxushotel mit Gästen wie Richard Nixon und Margaret Thatcher. Als der Leipziger Fotograf Matthias Hoch zusammen mit dem Schriftsteller Andreas Maier das "Kobenzl" 2014 zum ersten Mal besuchte, stand es schon seit acht Jahren leer. Die einstige Pracht hatte Patina angenommen. Hoch hielt diesen Zustand in seinen Momentaufnahmen fest. Die Geschichte nahm Anfang 2015 wieder ihren Lauf, als die Stadt Salzburg nach Unterkünften für Flüchtlinge suchte - und sie im "Hotel Kobenzl" fand. Ernst Grandits hat sich mit Matthias Hoch das "Hotel Kobenzl" angesehen.
Ausstellung
© 2016 Matthias Hoch VG Bild-Kunst Bonn Lupe "Matthias Hoch. Hotel Kobenzl - Die Geschichte eines Hauses"
Fotohof Salzburg (AT)
24.09.2016

The Exterminating Angel
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Sie ist kultiviert, sie gönnt sich etwas - die feine Gesellschaft, mit der Wirklichkeit im Rücken. Die Diener fliehen aus der Villa in Mexiko, die Oberschicht diniert weiter. Es geht um Themen, über die selten gesungen wird, zum Beispiel falsch gelegtes Besteck. Ohne erkennbaren Grund müssen die Gäste bleiben. Etikette und Menschlichkeit schwinden, Wahnsinn kommt. "Für mich besteht die Frage darin: Warum können wir den Raum verlassen? Warum sind wir fähig zu handeln?", fragt Komponist und Regisseur Thomas Adès. "Die Antwort ist: weil sonst nur noch das Ende bliebe." Was passiert, wenn wir nicht mehr tun können, was wir eigentlich wollen? Darum geht es auch in Luis Buñuels surrealistischem Film "Der Würgeengel". Die Oper und auch die Regie von Tom Cairns basieren darauf.

Manon Lescaut
© dpa
Die Sopranistin Anna Netrebko und ihr zweiter Ehemann, der Sänger Yusif Eyvazov, singen gemeinsam in Giacomo Puccinis "Manon Lescaut". Es ist eine von Netrebkos Lieblingsopern und der erste gemeinsame Auftritt der beiden in Salzburg. Jubel, Trubel, Festspielhype: Für Anna Netrebko ist die Hysterie Routine. Die Russin mit österreichischem Pass ist eine der führenden Opernsängerinnen der Welt. Für ihren Mann sieht die Sache anders aus: Yusif Eyvazov muss sein Können noch unter Beweis stellen. Und diesmal ausgerechnet an der Seite seiner berühmten Ehefrau. Die Vorstellungen sind seit Monaten ausverkauft - nicht nur wegen der süffigen Musik. Puccinis "Manon Lescaut" ist jene Oper, bei der sich die beiden 2014 kennengelernt haben. Jetzt singen sie die Liebesarien auf der großen Festspielbühne - anrührender geht es kaum.
Salzburger Festspiele
"Manon Lescaut"
von Giacomo Puccini
konzertante Aufführung
Musikalische Leitung: Marco Armiliato
Letzte Vorstellung: 07.08.2016

Die Liebe der Danae
© Salzburger Festspiele, Forster
Danae ruft nach Gold und der selbsternannte Regietheater-Gegner Alvis Hermanis liefert eine wahre Mythoswunderwelt mitsamt Happy End: Danae entscheidet sich gegen den reichen Götterchef und für den geliebten, aber armen Midas. "Die Welt war am Untergehen", sagt Dirigent Franz Welser-Möst. Das Stück sei hier 1944 uraufgeführt worden - in einer öffentlichen Generalprobe. Fakt ist: Nach dem Attentat 1944 auf Adolf Hitler untersagte Joseph Goebbels die Festspiele in Salzburg. Er erlaubte nur eine öffentliche Generalprobe der "Liebe der Danae" zum 80. Geburtstag von Richard Strauss. "Die Liebe der Danae" gilt als fast unsing- und unspielbar. In Salzburg ist das selten gespielte Werk mit Luxusbesetzung veredelt.
Salzburger Festspiele
"Die Liebe der Danae"
Oper von Richard Strauss
Regie: Alvis Hermanis
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Weitere Vorstellungen:
05., 08., 12. und 15.08.2016

Der Sturm
© dpa
Ein großes, verängstigendes Unwetter am Anfang des Stückes - berühmte, weise Worte gegen Ende: "Der Sturm" war vermutlich das letzte Stück, das William Shakespeare geschrieben hat. Der Dichter spiegelt sich im Zauberer wieder. Prospero dirigiert die Menschen - so wie auch Shakespeare seine Figuren dirigiert hat. Der Sturm und die Gefahr, im Mittelmeer zu ertrinken, verwandeln jeden - auch Prospero, den Auslöser des Unwetters, meint Regisseurin Deborah Warner - und kann gar nicht anders, als darin besondere Relevanz für unsere Gegenwart zu erkennen. "Ich glaube, dieses Stück über Erlösung und Erbarmen ist das Stück in diesen finsteren Zeiten", sagt sie.
Salzburger Festspiele
"Der Sturm"
von William Shakespeare
Regie: Deborah Warner
Weitere Aufführungen:
07., 09., 10., 12. 13., 15., 16., 18., 19., 21. und 22.08.2016